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Langenfeld: Bilderschau in der Wasserburg ohne Publikum

Ausstellung in Haus Graven : Bilderschau in der Wasserburg wegen Corona ohne Publikum

Michaela Dreßen und Alfons Gummersbach präsentieren 79 Gemälde in Haus Graven. Doch wegen Corona bleibt das Tor vorerst zu.

Lange hatten sich die beiden Künstler  Alfons Gummersbach  und Michaela Dreßen auf die gemeinsame Ausstellung in der Wasserburg Haus Graven gefreut. Am gestrigen Sonntag fiel die geplante Vernissage des Langenfelders und der Leichlingerin aufgrund des grassierenden Coronavirus und der vorsorglich bis zum 19. April angeordneten Schließung aller Kultureinrichtungen aus. Ein Schock für beide Künstlerkollegen, die nun nach kreativen Lösungen suchen, um ihre Werke dennoch der Öffentlichkeit zu zeigen.

Ein gutes halbes Jahr hatten Ehrenamtler des Fördervereins von Haus Graven mit den Künstlern in die Vorarbeit investiert, um Besuchern der Wasserburg dieser Tage eine besondere Ausstellung zu präsentieren. „Szenerie und Positur“ lautet der Titel der Doppelausstellung, die 35 Aquarelle von Alfons Gummersbach und 44 Werke von Michaela Dreßen vereint. Malereien, die etwa in den vergangenen zehn Jahren ihrer künstlerischen Tätigkeit entstanden sind. Bilder, die – im Falle Gummersbach – beruhigend wirkende Aquarelle mit Urlaubsimpressionen zeigen, etwa aus sonnigen Städten wie Santorini und Venedig oder kühler wirkender Metropolen wie Sankt Petersburg. Dazwischen fallen Aktmalereien auf, Stillleben und impressionistischeren Szenerien tosender und rauschender Meereswellen.

Michaela Dreßen dagegen, die in Langenfeld lange das  Kunsthaus Wiescheid betrieb, hat sich in ihren Werken aus Acryl der Bewegung und Haltung gewidmet und ihrer Ausstellung den Namen „Positur“ gegeben: In ihren Bildern sind Menschen und Gegenstände in Szene gesetzt, leidenschaftlich tanzend oder in sich ruhend. Gegenstände des täglichen Gebrauchs, wie Stühle, an außergewöhnlichen Orten, etwa einem Strand. Ihre manchmal zarten, häufig wilden Pinselstriche lösen beim Betrachter diverse Gefühle aus – von bedächtiger Stimmung bis zur pulsierenden Lebenskraft.

All diese fast 80 Werke hatten seit vergangenem Dienstag ihren Platz in den Räumen der historischen Wasserburg gefunden. Die aktuelle Lage und die Sicherheitsmaßnahmen machten alle Pläne des Fördervereins und die Vorfreude der Künstler zunichte. Obwohl die Beschlüsse nachvollziehbar seien, „war ich am Freitag, als ich von der Absage erfuhr, sehr enttäuscht“, gesteht Alfons Gummersbach. Auch Michaela Dreßen hatte mit solch drastischer Maßnahme nicht gerechnet. „Ich war geschockt und assimiliere erst jetzt die Situation Stück für Stück.“ Im Nachhinein spiegele ein Werk in ihrer Ausstellung  den aktuellen Gefühlszustand wider. Es heißt Auszeit und zeigt einen Herrn im Anzug, auf einem Stuhl sitzend, beide Beinen auf einem Tisch gestreckt und einer zweideutigen Pose zwischen nachdenklich, abwartend und entspannt. Ob sie die allgemeine gesellschaftliche Zwangspause nun kreativ nutzen werden? „Möglich“, sagt Gummersbach. „Nur wie, weiß ich noch nicht.“ Die Situation ist für alle neu.

Eine Ausstellung ist für Künstler immer eine wichtige Plattform, um zum einen ihre Werke öffentlich zu zeigen, zum anderen aber auch zu verkaufen. Auch der Ausstellungsort, unterstrichen Gummersbach und Dreßen, sei für beide ein besonderer. „Schade, wenn das jetzt keiner mehr zu sehen bekäme“, meint Dreßen. Ursprünglich sollte die Ausstellung bis zum 26. April laufen.

„Wir wissen noch nicht, was noch auf uns zukommt“, sagte Lothar Marienhagen, Vorsitzender des Fördervereins Haus Graven. Sollte im April wieder regulär geöffnet werden, könnte über eine Verlängerung  nachgedacht werden. Dreßen aber, würde vorher handeln: Fotos, ein Video oder eine virtuelle Führung durch das Haus wären denkbar oder eine Online-Live-Schalte. In außergewöhnlichen Zeiten stimmt Marienhagen zu, sind kreative Lösungen gefragt. „Bei uns wird es allerdings an der Umsetzung scheitern. Wir sind schließlich nur ein Förderverein mit begrenzten Mitteln und Möglichkeiten.“