1. NRW
  2. Städte
  3. Langenfeld

Langenfeld Betretungsverbot verhindert Therapie

Physio- und Ergotherapie mit zwei Metern Abstand? : Betretungsverbot gefährdet Therapie-Erfolge

Getrennte Praxen, getrennte Teams: So arbeiten Physiotherapeuten in Corona-Zeiten.

Mit vielfältigen Regeln versuchen die Behörden, der Verbreitung des Coronas-Virus entgegenzuwirken. Zwei Meter Abstand lautet die Devise. Für einige Berufe ist Nähe unvermeidbar, speziell im Gesundheitssektor. Die RP sprach mit Sonja Giesbers-Jonen, die seit 2005 die fast vierzig Jahre bestehende Physiotherapie-Praxis in der Nähe des Berliner Platzes führt, über ihre Arbeit unter diesen speziellen Bedingungen.

Wie sieht es aktuell insgesamt in Ihrem Betrieb aus?

Giesbers-Jonen Unverändert behandeln wir Patienten soweit die medizinische Notwendigkeit der Behandlung durch ärztliches Attest/Verordnung nachgewiesen wird und strenge Schutzmaßnahmen vor Infektionen getroffen werden. Denken Sie an Schmerztherapien oder die nach Operationen notwendige Lymphdrainage und Krankengymnastik. Auch neurologisch erkrankte Patienten können auf ihre Therapien nicht verzichten. Allerdings führten erste Verunsicherungen über den Umfang der angeordneten Einschränkungen dazu, dass Patienten vereinbarte Termine nicht wahrnahmen. Der Unterschied zwischen Massage-Salons oder Wellnesstempeln und der ärztlichen Physiopraxis war nicht jedem klar. Geschlossen ist allerdings seit voriger Woche der zur Praxis gehörende Fitnessraum, und auch die rund 30 Kurse wöchentlich (Reha-Sport, Pilates) finden nicht mehr statt. Wir stellen fest, dass die Zahl der Hausbesuche sinkt, auch weil wir nicht mehr in die Pflegeheime kommen dürfen.

Was tun Sie konkret, um den Betrieb weiter aufrecht zu erhalten?

Giesbers-Jonen Zunächst arbeiten wir mit zwei unabhängigen Teams in zwei Praxen, die sich nicht begegnen – bisherige Praxis an der Schulstraße 1 und neu seit März an der Kölner Straße 6. Hygiene war bei uns immer ein Thema, jetzt wird noch gründlicher desinfiziert. Die vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Hygienemaßnahmen werden von uns umgesetzt. Die Patienten kommen sofort in den Behandlungsraum, sie stehen nicht am Empfangstresen oder gemeinsam im Wartezimmer. Natürlich unterschreiten wir in der manuellen Behandlung die zwei Meter Abstand, was aber unumgänglich ist. Über unseren Landesverband halten wir uns über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden. Noch sind alle Mitarbeiter gesund. Die Situation bleibt kritisch.

Wie sieht die wirtschaftliche Situation aus?

Giesbers-Jonen Durch die behördlichen Vorgaben und die nicht stattfindenden Behandlungen fehlen uns jetzt schon rund die Hälfte der Einnahmen. Für die Mitarbeiter ist Kurzarbeitergeld beantragt, das sind deutlich weniger als die regelmäßigen Einkünfte. Für mich als Unternehmerin fallen weiter Lohnkosten an, und die Fixkosten für die Räume (Miete, Energie, Versicherung etc.) bleiben unverändert. Auch wir hoffen auf die jetzt anlaufenden Hilfsprogramme, da wir zum systemrelevanten Gesundheitsbereich gehören.