Langenfeld: Langenfeld auf Punktwolke 7

Langenfeld : Langenfeld auf Punktwolke 7

In der IHK-Standortumfrage unter heimischen Unternehmen bekommt die Posthorn-Stadt bei 38 von 40 Faktoren positive bis hervorragende Bewertungen. Das Rathaus will sich nun des Themas Fachkräfte-Werbung annehmen.

Als schlechteste Teilnote eine "Zwei minus" (2,5), in der Gesamtbewertung eine Eins vor dem Komma (1,7) – das ist laut IHK-Geschäftsführer Ulrich Biedendorf noch keiner anderen Kommune im Kreis Mettmann gelungen. Langenfeld schnitt bei der Standort-Studie der Industrie- und Handelskammer so glänzend ab (RP von gestern), dass die Opposition bei der Haupt- und Finanzausschuss-Sitzung am Dienstagabend gar nicht erst versuchte, ein Haar in der Suppe zu finden.

So versuchte es Ratsfrau Heike Lützenkirchen (SPD) lieber damit, die Grundlage der Erhebung in Frage zu stellen. Gerade mal jeder sechste der 1225 angeschriebenen heimischen Betriebe hatte sich im Frühsommer 2009 an der IHK-Umfrage beteiligt – ist das nicht ein bisschen wenig für aussagekräftige Bewertungen? Mitnichten, lautet die Antwort von IHK-Fachmann Gerd Helmut Diestler: Der Rücklauf liege "im Rahmen" der bisherigen fünf IHK-Standort-Umfragen in anderen Städten. Zudem zählten die teilnehmenden Betriebe rund 6500 Mitarbeiter – das sind fast 28 Prozent aller in Langenfeld sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

16 mal "hervorragend"

Wie positiv die Posthorn-Stadt von den 203 antwortenden Unternehmen eingeschätzt wird, zeigt sich besonders an der "Punktwolke" (Diestler) zum "Standortportfolio insgesamt" (siehe Abbildung): Darin sind die 40 einzelnen Standortfaktoren abgebildet – von A wie Arbeitskräfte-Angebot bis W wie Wassergebühren. Je weiter rechts ein Element, desto bedeutsamer halten die Betriebe den damit symbolisierten Standortfaktor für ihr eigenes Wohlergehen; je weiter oben, desto zufriedener sind sie mit ihm. Die Bestnote "Hervorragend" (++) erhalten diejenigen Faktoren, die im Rechteck oben rechts oberhalb der Diagonale gelandet sind, die immer noch überdurchschnittliche Note "befriedigend" (+) die im selben Rechteck unterhalb der Diagonale. Das heißt, je bedeutsamer ein Faktor, desto höher die Schwelle, um in die ++-Zone zu kommen.

Von den 40 Faktoren sind in Langenfeld 16 in diesem Top-Bereich, 9 im "Befriedigend"-Dreieck und 13 im Abschnitt "übererfüllt" (links oben, d.h. positiv bewertet, aber weniger bedeutsam). Nur zwei Faktoren landeten in der "kritischen" Zone rechts unten (unterdurchschnittliche Bewertung bei hoher Bedeutsamkeit): Strom- und Gaspreise (Wert 2,7 auf der Skala 1,0 bis 4,0) sowie Verfügbarkeit von Fachkräften (2,5). "Ausgerechnet beides Faktoren, bei der die lokale Politik und Verwaltung kaum gegensteuern kann, denn diese werden vor allem bestimmt durch die Lage Langenfelds im Schnittpunkt der Ballungsräume Düsseldorf und Köln sowie durch die internationalen Energiemärkte", relativiert IHK-Geschäftsführer Biedendorf die beiden "Ausreißer nach unten".

Auf die Energiepreise habe das Rathaus nun wahrlich keinen Einfluss, merkt Bürgemeister Frank Schneider hierzu an. Doch beim Wettbewerb um Arbeitskräfte gab sich der Verwaltungschef kämpferisch, auch diesen Standort-Faktor noch in die +-Zone bugsieren zu können: "Überlegenswert" seien gezielte Gespräche mit Firmen über Möglichkeiten der Fachkräfte-Anwerbung. "Außerdem möchte ich ein Gründer- und Technologiezentrum für regenerative Energien ins Leben rufen." Wirtschaftsförderungs-Chef Ulrich Beul unterstreicht zudem die Bedeutung der vermeintlich "weichen" Standortfaktoren für hochqualifizierte Arbeitnehmer: Freizeitangebote, Kindergärten, Schulen, Shopping etc.

(RP)