Langenfeld Alte RP-Zusteller feiern Eiserne Hochzeit

Ehejubiläum : Frühere RP-Zusteller begehen Eiserne Hochzeit

Hermann und Hermine Schlüter aus Immigrath sind in Langenfeld acht Mal umgezogen.

   Die Eiserne Hochzeit feiern zu können, kommt Eheleuten oft wie ein Märchen vor. Entsprechend beginnt die Geschichte von Hermann und Hermine Schlüter, die am heutigen Dienstag seit 65 Jahren verheiratet sind, mit „Es war einmal …“. Nämlich ein 16-jähriger Schneiderlehrling, der seinen Arbeitsplatz in Nordhorn (südwestliches Niedersachsen) am Fenster hatte, „weil er gutes Licht brauchte“, und von dort einem Mädchen zuwinkte, dass gelegentlich vorbeikam. Nachdem sie ihm anonym eine Geburtstagskarte geschickt hatte, holte er sie von der Schule ab. Seitdem wussten sie, dass sie zusammen bleiben wollten. Im Januar 1954 wurde geheiratet, kirchlich, standesamtlich und im ländlich-bäuerlichen Rahmen.

Hermann (86), dessen beide Großväter auch gelernte und selbstständige Schneider waren, erkannte Anfang der 60er, dass das Schneider-Handwerk keinen goldenen Boden mehr hatte. Er arbeitete stattdessen als Postbote. Um eine Festanstellung zu erhalten, wechselte er ins Rheinland. Angeboten wurden ihm von der Oberpostdirektion Düsseldorf, Hilden und Langenfeld. Vom Land kommend gefiel ihm die „junge Stadt an alter Straße“ sofort. Er liebte es, mit Menschen zu tun zu haben, und versorgte jahrelang die östlichen Bezirke von der Bahnüberführung Hardt bis zum Kapeller Weg und den Ortsteil Gladbach. Auch Ehefrau Hermine arbeitete 13 Jahre im Post-Innendienst.

Wiescheider und RP-Leser in Feldhausen könnten sich ebenfalls an das Jubelpaar erinnern. In den frühen 70ern waren beide als RP-Boten dort früh morgens unterwegs. „Vier Söhne kosten Geld“, erklärte Hermann die notwendigen Nebentätigkeiten. Beim TuSpo Richrath, wo der Nachwuchs Fußball spielte, arbeitete Herrmann als Jugendleiter und wohnte einige Zeit als Heim- und Platzwart im Sportheim. Acht Mal sind die Schlüters innerhalb Langenfelds umgezogen, die wechselnde Anzahl der Familienmitglieder machte es erforderlich. Seit 1985 leben sie im eigenen Haus, einem 1903 errichteten Gebäude an der Kurzen Straße, das sie zunächst sanieren mussten. Zu den Vorbesitzern gehörte Schauspieler René Deltgen.

Der Jubilar wechselte nach einem Glatteis-Unfall in den Innendienst, wo er 13 Jahre Bürotätigkeit verrichtete, mit dem Schwerpunkt Sozialbetreuung. Mit 59 ging es in den (Un-)Ruhestand, und er kümmerte sich bei der Post um die Senioren. „Reisen und Feiern aller Art“ organisierte er für die Pensionäre die erste Flugreise. Wie seiner Frau versprochen, zog er sich aus diesen Aufgaben zu seinem 80. Geburtstag zurück.

„Wir haben viel Glück gehabt“, sagen beide, und, was ihr Ehe angeht: „Wir würden es wieder machen“. Die Feier zur Eisernen Hochzeit wird im Familienkreis gefeiert, mit Söhnen, Schwiegertöchtern, fünf Enkeln und einem Urenkel, die alle in Langenfeld oder Hilden leben. Der Tipp der Eisernen-Jubilare für junge Eheleute: „Treue! Und Gemeinsam über alles sprechen, gemeinsame Entscheidungen, nicht im Streit einschlafen.“

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