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Langenfeld Abstand: Vor dem Schachbrett Brett kein Problem

Schachspielen, für Kersten Linke seit 30 Jahren mehr als ein Hobby : Abstand: Vor dem Brett kein Problem

Mehr als nur Schach – Geografie, Internet und Sprachen sind nützliches Beiwerk: Kersten Linke vermittelt seit 30 Jahren jungen Menschen die Freude am königlichen Spiel. Mit Erfolg.

„Es sollte nicht wie Unterricht aussehen, eher spielerisch“, antwortet Kersten Linke (63) auf die Frage, wie man Kinder und Jugendliche fürs Schachspielen interessieren kann. Seit inzwischen 30 Jahren gelingt es ihm, jungen Menschen in Arbeitsgemeinschaften (AG) und nachmittäglichen Schülersportgemeinschaften Freude am kreativen Umgang mit den 32 Figuren auf 64 Feldern zu vermitteln. Zwar hatte sich der gebürtige Düsseldorfer bis in 80er Jahre als Jugendwart der Langenfelder Schachfreunde in seinem Wohnort um den Nachwuchs gekümmert, aber erst nach längerer Pause begann seine ehrenamtliche Tätigkeit an den Schulen.

Hauptberuflich prüfte der Schachliebhaber bis Ende April dieses Jahres als Finanzbeamter in Mettmann Steuererklärungen.

Linke leitete von 1989 bis 2017 zusammen mit Günther Thiele die Schach-AG des Konrad-Adenauer-Gymnasiums (KAG) und seitdem die schulübergreifende Schach-AG der örtlichen Grundschulen an der Don-Bosco-Schule, jeweils eine Zeitstunde wöchentlich. Die Nachfrage ist groß. „Wir mussten schon Kinder ablehnen, die Gruppengröße ist nicht beliebig zu vergrößern“.

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Aktuell nutzen sieben Jungen und drei Mädchen das Angebot. An der Grundschule Götscher Weg arbeitet Linke zusätzlich im Rahmen der nachmittäglichen Betreuung mit schach-interessierten Schülern. „In Corona-Zeiten mit Schulschließungen, Abstands- und Hygieneregelungen geht leider nichts davon“, bedauert er.

Allerdings hatte der Schach-Spezialist seinen Schülern schon weit „vor Corona“ gezeigt, dass man beim Schach nicht unbedingt einander gegenüber sitzen muss. Die Spieler sitzen auch heute schon häufig tausende Kilometer voneinander entfernt. Das begann an einem Tag der Offenen Tür am KAG, als der beste AG-Spieler mit verbundenen Augen eine Partie gegen den Schulleiter gewann. Die Frage, ob und wie Blinde oder Gehörlose Schach spielen können, führte zu Besuchen bei den Blindenschachvereinen in Köln und Essen und zum Kontakt zum Gehörlosenverband.

Seit Jahren gehört das größte Blinden Integration Schachturnier (IBIS) in Haaksbergen, ein europaweites Einladungsturnier, zum festen Terminplan der Langenfelder Schüler. Fasziniert schildert  unter anderem Cedric Deden vom Konrad-Adenauer-Gymnasium (KAG) danach seine Eindrücke und lobt nach einem Drei-Stunden-Spiel sein  englisches Gegenüber „Es wird auf zwei Brettern gespielt, der Blinde spielt auf einem speziellen Brett, auf dem er die Figuren erfühlen kann. Die Züge werden für den Gegner angesagt. Während ich die Figuren sehe, spielt er alles im Kopf.”

„Schach ist manchmal das Mittel zum Zweck, um in andere Welten zu schauen“, erklärt Linke seinen Antrieb, zwischen schachspielenden Menschen internationale Kontakte zu knüpfen. Dank Skype sind Schach-Videokonferenzen möglich, bei denen sich die Gegner sehen und Miteinander sprechen können. Dabei treffen die Langenfelder auch immer auf ihre Freunde aus Sibirien. Svetlana Klimova, eine Deutschlehrerin am Klassischen Gymnasium in Jakutsk, lernte Linke über Kontakt zu einer internationalen Geografie-Zeitschrift und dem dortigen Schulministerium kennen. erreichte.

Einmal half auch das Goethe-Institut, Partner in Madagaskar zu finden. „Wir lernen etwas über Länder, oft können wir Sprachkenntnisse auffrischen“, nennt Linke die positiven Nebenwirkungen.