Langenfeld: Abriss der evangelischen Johanneskirche startet

Johanneskirche Langenfeld : Abriss der Johanneskirche beginnt

Nur auf den ersten Blick steht die Johanneskirche mit ihrem Glockenturm an der Stettiner Straße da wie eh und je. Tatsächlich sind die Tage des im Januar 2017 als evangelisches Gotteshaus entwidmeten Gebäudes gezählt.

Die beiden aus dem Turm ausgebauten Glocken läuten mittlerweile in einer ukrainischen Kirche, die Weyland-Pfeifenorgel erklingt in einer ungarischen Kirche. Jetzt sind Arbeiter einer Abbruchfirma dabei, den Rest zu erledigen. „Zurzeit wird das Gebäude entkernt, danach abgerissen“, sagt Oliver Sachs von der Paeschke GmbH, die danach dort Wohnhäuser baut. „Spätestens Ende April sind diese Arbeiten abgeschlossen. Dann ist das Gelände frei.“

Nicht nur die 1954 gebaute Kirche und der 1967 hinzugekommene Turm werden zerlegt, sondern auch das 1984 errichtete Gemeindezentrum. Erbittert hatten Kirchgänger und ehrenamtliche Mitarbeiter vor drei Jahren gegen die Schließung protestiert und 1700 Unterschriften gesammelt. Doch das Presbyterium hielt im Zuge ihres vor vier Jahren eingeschlagenen harten Sparkurses an den Abrissplänen fest, das Gemeindezentrum an diesem Standort zu verkleinern und durch Wohnungsbau Einnahmen zu erzielen.

Nach Angaben des ehrenamtlichen Kirchmeisters Wolfgang Honskamp wird der größte Teil des Geländes in Erbpacht vergeben. Die Firma Paeschke errichtet dort 28 Eigentumswohnungen und auf einem gekauften Teil des Areals acht Sozialwohnungen. Ein Grundstück an der Stettiner Straße bleibt Honskamp zufolge indes im Eigentum der Gemeinde. „Dort wird ein Gebäude mit acht Mietwohnungen unterschiedlicher Größe entstehen – und mit Gemeinderäumen im Erdgeschoss.“ Vorgesehen seien auf 181 Quadratmeter Nutzfläche ein teilbarer Saal mit 104 Sitzplätzen sowie ein freundlicher Eingangsbereich mit Küche. Diese Gemeinderäume gelten als Zugeständnis an die genannten Abrissgegner aus dem Einzugsbereich der Johanneskirche. Diese hatten mit Blick auf den Wegfall der bislang genutzten Räume über allzu weite Wege zu Ersatzangeboten etwa in der Erlöserkirche an der Hardt geklagt.

Die Paeschke GmbH hat nach Angaben von Oliver Sachs die Bauanträge gestellt und gehe davon aus, dass diese in Kürze genehmigt werden. „Wir errichten zwei- und dreistöckige Wohnhäuser mit Staffelgeschoss, Klinkerfassade und Flachdach.“ Die Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen sollen zwischen 50 und 120 Quadratmeter groß sein. Sachs geht davon aus, dass der Verkauf im Sommer starte. Die acht öffentlich geförderten Sozialwohnungen blieben im Eigentum des Bauunternehmens. Optisch sollen sich die Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen beziehungsweise Sozialwohnungen nicht voneinander unterscheiden.

2014 hatte die Evangelische Kirchengemeinde im Zuge eines Sparkurses in Langenfeld angekündigt, ihren Gebäudebestand zu verkleinern und zugleich zu erneuern. Auch mit Blick auf die rückläufige Zahl der knapp 15.000 Protestanten in Langenfeld. Ein Architekt hatte seinerzeit für die 25 gemeindeeigenen Gebäude einen Sanierungsbedarf von rund drei Millionen Euro errechnet. Im Sommer 2017 wurde das renovierte und erweiterte Immigrather Gemeindezentrum neben der Erlöserkirche an der Hardt feierlich eröffnet. Die genannten Veränderungen an der Stettiner Straße setzen die vom Presbyterium beschlossene Strategie fort.

Die Glocken wurden aus dem 1967 errichteten Turm schon ausgebaut. Foto: Rheinische Post/Stephan Meisel (mei)
Das 1954 errichtete Kirchengebäude ist schon größtenteils geräumt und entkernt. Foto: Rheinische Post/Stephan Meisel (mei)

Indes dauern an der Richrather Lukaskirche die Planungen noch an und der Termin des Baustarts steht laut Honskamp noch nicht fest. Auf dem großen Grundstück an der Kaiserstraße sei zwischen Kirche und Jugendhaus „Alte Schule“ ein Mehrfamilienhaus mit etwa 20 Mietwohnungen vorgesehen. Zudem werde noch ein sozialer Träger für ein zweigeschossiges Wohnhaus mit senioren- und behindertengerechten Appartements auf dem hintersten Teil des Kirchengrundstücks gesucht. „Es ist nicht leicht, solch einen Betreiber zu finden. Wir verhandeln noch mit mehreren sozialen Trägern.“ Wegen einer gemeinsamen Heizungsanlage hingen beide Neubauvorhaben zusammen. Zudem soll das an die Lukaskirche und deren Foyer angrenzende Gemeindehaus abgerissen und durch zwei kleinere Anbauten mit Gruppenräumen und barrierefreien Toiletten ersetzt werden.

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