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Langenfeld 1987 boykottierte Luise Pawlowsky die Volkszählung.

Langenfeld : Boykotteurin: So war die Volkszählung

Luise Pawlowsky (65) steht morgen im Mittelpunkt einer mehrteiligen Fernsehdokumentation über die 80er-Jahre.

Luise Pawlowsky (65) aus Langenfeld steht morgen im Mittelpunkt einer Fernsehsendung über die 80er-Jahre. Karottenhosen, Schulterpolster und Dauerwelle prägten damals die Optik, die ersten Spiel-Konsolen und Game-Boys hielten Einzug ins Kinderzimmer, Anrufbeantworter, Videorekorder und die Mikrowelle rüsteten das Alltagsleben technisch auf, musikalisch rollte die Deutsche Welle an. Die 80er waren ein buntes Jahrzehnt, das auf der anderen Seite aber auch leidenschaftliche Proteste, politische Umbrüche und Skandale erlebte. Die Umweltbewegung gründete sich, und Hunderttausende machten sich auf den Weg, um gegen die Nachrüstung und die Atomkraft zu protestieren.

Der WDR behandelt dieses stürmische Jahrzehnt in der zehnteiligen Fernsehreihe „Unser Land in den 80ern“. Jedem Jahr ist eine eigene Dokumentation gewidmet. In der Folge „Hinterm Horizont geht’s weiter – 1987“, die am morgigen Freitag ab 20.15 Uhr ausgestrahlt wird, ist die Langenfelderin zu sehen.

Luise Pawlowsky hatte die Volkszählung 1987 boykottiert. Obwohl der Boykottaufruf von einem breiten Bündnis sozialer und politischer Gruppen getragen wurde, wollte der damalige Stadtdirektor an ihr offenbar ein Exempel statuieren: Er schöpfte nach ihren Angaben das Maximum an Zwangsmitteln gegen sie aus. „Ich sollte zunächst mit einem Bußgeld in Höhe von 700 Mark gezwungen werden, meine Daten herzugeben.“ Pawlowsky revanchierte sich, in dem sie ihre Strafe mit Spielgeldscheinen beglich. Als sie dann eines Morgens aufwachte, war ihr nagelneues Auto verschwunden – einkassiert von der Stadt. „Ich habe es aber nicht ausgelöst – es war daher 40 Tage in Haft.“ Die nächste Eskalationsstufe: Ihr Gehalt wurde gepfändet – und zwar vollständig. Sie zog vor Gericht und bekam dann in zweiter Instanz recht: Die Rechtsmittel seien nicht verhältnismäßig gewesen. Auch wurde die Stadt eines Rechtsbruches überführt, weil sie für die Volkszählung kein eigenes Zählbüro eingerichtet hatte.

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Aus der heutigen Perspektive kann sie ihre Aufsässigkeit kaum begreifen. „Ich berufe mich auf die damalige Misstrauenslage“, sagt sie. Schon 1983 hatte das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass die ausführlichen Fragen zu viele Rückschlüsse auf die Identität der Befragten zuließen. „Ich habe dem Staat nicht zugetraut, dass er auf der Grundlage von Fragen über Wohnraum das Verkehrswesens verbessern will.“ Ihr Misstrauen gegenüber der öffentlichen Hand sei auch durch einen Skandal zwei Jahre zuvor in Langenfeld befeuert worden: „Da wurden Adresslisten an die Wirtschaft verkauft.“ Sie habe den Kampf mit der Stadt damals spielerisch genommen, aber im Rückblick empfinde sie ihre Erfahrungen als hart. „Mein Fall machte damals bundesweit Schlagzahlen“, betont sie. Inzwischen sei sie aber eine „kooperative und nützliche Bürgerin“, die sich in der evangelischen Kirche unter anderem für die Flüchtlingshilfe engagiere.