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Langenfeld 1870: Schützen gründen Krankenkasse

Langenfeld : 1870: Schützen gründen Krankenkasse

Die Richrather St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft ist 150 Jahre alt geworden. Ein leises Jubiläum im Zeichen von Corona. Doch die Fahne ist gehisst. Aktuell erinnert nur eine große Schützenfahne vor dem alten Kirchturm von St. Martin an den runden Geburtstag der Richrather Bruderschaft.

Richrath schreibt das Jahr 1870. „Unter dem Vorsitzenden des damaligen Bürgermeisters Neurath versammelten sich am 26. Mai 1870 in Berghausen, in der Gaststätte Knoch, die Mitglieder des Richrather Schützenbundes, aus Berghausen, Immigrath und Richrath, zur Verabschiedung der erneuerten und respektierten Statuten und zur Neuwahl des endgültigen Vorstandes!“ So beginnt die von Ehrenbrudermeister Heinz-Martin Patten aufbereitete vereinseigene Chronik der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Richrath 1870.

150 Jahre nach der Gründung des Vereins hat der Lockdown den Richrather Schützen jedoch einen Strich durch die geplanten Feierlichkeiten gemacht. Aktuell erinnert nur eine große Schützenfahne vor dem alten Kirchturm von St. Martin an den runden Geburtstag der Richrather Bruderschaft.

Dieses Gruppenbild der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft ist am 26. April 1931 aufgenommen worden. Foto: Stadtarchiv Langenfeld

230 Mitglieder (inklusive Frauen) zählt die Bruderschaft in ihrem Jubiläumsjahr. 170 Senioren, 30 Kinder und Jugendliche sowie 30 Spielleute gestalten in Richrath das Schützenjahr. Das Zentrum aller Aktivitäten ist – in coronafreien Zeiten – die Schützenhalle an der Kaiserstraße, die seit über 40 Jahren eigenständig bewirtschaftet wird und als Mehrzweckhalle in Langenfeld vor allem im Advent und im Karneval sowie für Firmenevents und Schulveranstaltungen von der Langenfelder Bevölkerung zum Feiern genutzt wird, berichtet Ingo Zimmermann, Zweiter Brudermeister.

Beim Zug von St. Martin Richtung Festzelt (1926) sitzen Schützenkönig Fritz Herbertz und seine Frau Lisbeth in der Kutsche.  Foto: Stadtarchiv Langenfeld

Er hebt das soziale Engagement der Schützen hervor. Denn an die Halle angeschlossen ist zugleich der Seniorentreff St. Martin, der von den Richrather Schützen vor mehr als 30 Jahren gegründet wurde und ein beliebter Treffpunkt für rüstige Rentner in Richrath darstellt. Ob Turmfest, Weihnachtsmarkt, Kirchfest oder Schützenfest – „die Bruderschaft engagiert sich gemeinsam mit befreundeten Vereinen und Gruppen für die Bürger und prägt damit das Stadtbild“, so Zimmermann.

Wenn auch das historische Schützenwesen den Schützenbegriff nicht vom Wortstamm des Schießen ableitet, sondern vom Beschützen der Gläubigen zum Kirchgang, so steht in der heutigen Zeit auch der Schießsport für viele Mitglieder als Hobby im Mittelpunkt, räumt Zimmermann ein. Mannschaft- und Einzelleistungen bei Turnieren und Wettbewerben könne sich sehen lassen. Auch ein Bundessieger gibt es in den Reihen der Mitglieder.

All diese Aktivitäten fassen die Schützen unter den drei Leitbegriffen des Schützenwesens „Glaube, Sitte und Heimat“ zusammen. „Ein ganz besonderer Wert, auch in der heutigen Gesellschaft“, findet Zimmermann. Dass dies schon seit 150 Jahren so ist, zeigten zahlreiche Bilder und Erwähnungen in Langenfelder Chroniken, die deutlich machen, wie sehr die Richrather Bruderschaft seit ihrer Gründung das Leben in Richrath mitgestaltet hat. „Die Tatsache, dass mit der Gründung des Schützenbundes eine Krankenkasse gebildet wurde, zeigt, dass man über der Freude am Schießsport hinaus den Gedanken des ,sich gegenseitig schützens’ richtig erkannt und zu verwirklichen gesucht hatte“, heißt es in der Chronik. „Die Not der Einzelnen konnte allerdings mit der Errichtung dieser Kasse nicht beseitigt werden, wurde aber zumindest gemildert“, beschreibt Heinz-Martin Patten in seiner Chronik.

Jetzt, in der Coronazeit, lässt sich das Jubiläum nicht richtig feiern, bedauert der Zweite Brudermeister. Dennoch sei die Bruderschaft zur Stelle und biete vor Ort mit einem Ordnerdienst bei den Gottesdiensten und einer Einkaufshilfe für Senioren ihre Hilfe an.

Die Feierlichkeiten, so verspricht Zimmermann, fallen nicht aus. Sie werden nachgeholt, sobald große Veranstaltungen wieder möglich sind, kündigt er an.