Monheim: Lärmplan: Leiser wird es trotzdem nicht

Monheim : Lärmplan: Leiser wird es trotzdem nicht

Da die Grenzwerte der Lärmkarten nach anderen Methoden berechnet werden als die, die Straßen NRW anwendet, wird es für die Stadt Monheim schwer, auf der L 402 nachts Tempo 30 durchzusetzen.

Der Ausschuss für Stadtplanung, Umwelt und Verkehr soll heute den Lärmaktionsplan beschließen. Allerdings darf schon jetzt bezweifelt werden, dass die Stadt eine wesentliche Maßnahme zur Minderung des Verkehrslärms wird umsetzen können. So ist geplant, die Geschwindigkeit auf der Opladener Straße (L 402) im Abschnitt zwischen Baumberger Chaussee und dem Kreisverkehr am Berliner Ring zwischen 22 und 6 Uhr morgens auf 30 km/h zu reduzieren. Dies würde zumindest einem Großteil der lärmbelasteten Menschen in Monheim helfen.

In ihrer Stellungnahme teilt die Bezirksregierung jedoch mit, dass "die dazu notwendigen Lärmberechnungen vom zuständigen Baulastträger durchzuführen [sind]. Die Darstellungen in den Lärmkarten ... sind aufgrund unterschiedlicher Berechnungsverfahren nicht geeignet, das Überschreiten der einschlägigen Richtwerte zu belegen". Außerdem sehe sie die Anordnung von Tempo 30 auf Hauptstraßen "grundsätzlich kritisch". Tatsächlich hatte das Landesumweltamt (LANUV) die Lärmkarten, auf deren Grundlage die Kommunen ihren Lärmaktionsplan erstellen sollen, nach einer anderen Methode (VBUS) berechnet als Straßen NRW, das sich an Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen orientiert. "Das ist ein Dilemma, mit dem auch andere Kommunen zu kämpfen haben. Das macht die Durchsetzung von Lärmschutzmaßnahmen gegenüber dem Baulastträger schwierig", erklärt Henning Rothstein, Umweltberater bei der Stadt Monheim. Der Fehler liege offenbar beim Bund, der die Berechnungsmethode für die Lärmkarten vorgegeben hat. Die Stadt hat jetzt einen Prüfauftrag bezüglich der Geschwindigkeitsreduzierung an Straßen NRW erteilt.

Auch für den Landesbetrieb sind die Lärmaktionspläne ein Ärgernis: "Sie machen den Kommunen und uns sehr viel Arbeit und wecken bei den Bürgern hohe Erwartungen. Aber am Ende passiert nicht viel, das führt zu viel Unzufriedenheit", sagt Wilhelm Hövener, Vize-Chef der Niederlassung Niederrhein. "Über den Daumen gepeilt" könne man aber sagen, dass, wenn laut Lärmkarte die Grenzwerte nach der Umgebungslärmrichtlinie überschritten sind, dies auch nach den Richtlinien für den Straßenbau zutreffe. Was aber die Geschwindigkeitsreduzierung auf Landstraßen angeht, verweist er auf die besondere Funktion von Fernstraßen.

Kritik an der Stadt übt indessen das Kreisgesundheitsamt: Mit dem im Rahmen des Bebauungsplans "Haydnstraße" geplanten vierstöckigen Neubau an der Opladener Straße würde die Anzahl lärmgeplagter Menschen ja noch zunehmen. "Wir sehen das Problem auch, aber da der Siedlungsentwicklung nach außen Grenzen gesetzt sind, ist die Nachverdichtung für uns besonders wichtig", sagt Henning Rothstein. An dem Gebäude müssten daher passive Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt werden.

Auf Anregung von Bürgern wurde auch der Knotenpunkt Berghausener Straße/Baumberger Chaussee in den Lärmaktionsplan aufgenommen: Er habe nach Ansicht der Anwohner die Lärmbelastung eher erhöht. "Offenbar hat durch die Geländeerhöhung die Lärmschutzwand an Wirksamkeit verloren", sagt Rothstein. Jetzt sollen die schalltechnischen Auswirkungen der damaligen Umlegung der L 353 überprüft werden. "Gegebenenfalls muss der Landesbetrieb den Lärmschutz anpassen."

Weitere geplante verkehrslärmmindernde Maßnahmen sind die Einrichtung einer "grünen Welle" auf der Berghausener Straße, die Umwandlung der Kreuzung Monheimer/Sandstraße in einen Kreisel, der Bau der Spange von der Lichtenberger Straße zur Anschlussstelle Monheim-Süd und die Umgestaltung der Hauptstraße.

(RP)
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