Kunstverein Langenfeld zeigt Werke von Harald Naegeli und Klaus Staeck

Kunst-Ausstellung : Kunstverein Langenfeld zeigt Werke von Harald Naegeli und Klaus Staeck

Werke zweier gesellschaftskritischer Künstler sind noch bis zum 30. Juni im Kunstraum des Langenfelder Kulturzentrums zu sehen.

Als zunächst unbekannter, dann entlarvter „Sprayer von Zürich“ wurde Harald Naegeli (79) vor etwa 40 Jahren weltbekannt. Aus Protest gegen die Monotonie von Städten sprühte und sprüht der Schweizer sowohl auf öffentliche als auch private Wände schwarze Strichfiguren. Längst gilt der Street-Art-Pionier als anerkannter Künstler. Werke von ihm sind jetzt beim Kunstverein Langenfeld (KVL) zu sehen. In dessen Ausstellungsraum hat Naegeli indes keine Wände besprüht. Vielmehr präsentiert er dort kleine und teils sehr feine Zeichnungen. Unter dem Ausstellungstitel „Kunst und Gesellschaft“ fügt der KVL 28 provokante Plakate des ebenfalls gesellschaftskritischen Grafikdesigners und Karikaturisten Klaus Staeck (81) hinzu.

Eigentlich hätte der seit langem in Düsseldorf wohnende und arbeitende Naegeli bei der Vernissage zugegen sein sollen. „Er ist leider im Krankenhaus“, sagte KVL-Vorstandsmitglied Elke Tenderich-Veit, „hat aber einen Besuch unserer Ausstellung fest zugesagt.“ Die Eröffnung am Tag der Europawahl passe gut zur gesellschaftskritischen, entschieden für die Menschenwürde eintretenden Haltung der beiden  unterschiedlichen Charaktere. „Naegeli ist  leise und poetisch, Staeck laut und aufrüttelnd.“

Der Düsseldorfer Galerist Peter Lewerentz berichtete  über die Motivation Naegelis, der gegen monotone Architektur und überdimensionierten Straßenbau sprühte. Als der bis dahin unbekannte Sprayer 1979 in Zürich seine Brille vor einer frischen Wandzeichnung zurückließ und sie kurz darauf  suchte, wurde er von einem Polizisten gefasst und somit entlarvt. Er flüchtete nach Deutschland, hinterließ an Wänden in Frankfurt, Köln und Düsseldorf Spuren. Immer wieder landete Naegeli vor Gericht, gerade erst wurde im April in Düsseldorf ein Verfahren wegen Flamingos auf mehreren Wänden eingestellt. „Naegeli ist ein Zeichner“, betonte Lewerentz mit Blick auf die aufgehängten Bilder. „Er hat immer sein Skizzenbuch dabei und zeichnet ständig – besonders gerne Tiere.“ Beispiele hierfür sind im KVL-Raum Tuschebilder einer Krabbe,  Antilope oder eines kubistischen Steinbocks. Mit weißer Kreide auf schwarzem Farbuntergrund hat Naegeli auch wuchtige Frauenakte zu Papier gebracht. Beim näheren Betrachten der  Zeichnungen „Urwolke“ sind zigtausende Striche  und Strichfiguren zu erkennen. An solchen Urwolken zeichnet Naegeli laut Lewerentz oft fünf Jahre lang. „Und er notiert dabei auf der Rückseite stets das jeweilige Datum und Alltagserlebnisse.“ Ein Dutzend Fotos von Naegelis Strichfiguren auf Häuserwänden hatte Wolfgang Spiller fotografiert.

Die Plakate des mehrfachen Documenta-Teilnehmers Klaus Staeck  sind teils als Titelbilder der Satire-Zeitschrift „Titanic“ oder Postkarte bekannt. 41-mal wurde erfolglos versucht, Staeck-Bilder juristisch verbieten zu lassen. Bissig sind die vom KVL ausgewählten 28 Poster. Unter die Parole „Kapital muß arbeiten“ hat er einen schuftenden Bergarbeiter gesetzt, unter einer aus dem ölverschmutzten Meer geborgenen Gans steht zynisch „Der Ölprinz“.

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