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Kunden kaufen in Langenfeld wieder mehr ein

Langenfeld Handel : Langenfelder kaufen wieder mehr ein

Die Lockerungen zeigen langsam Wirkung. Citymanager Jan Christoph Zimmermann spricht aber weiterhin von einer „spürbaren Kaufzurückhaltung“ in der Stadt. Vor allem Kleidung ist wenig gefragt.

Petra Malt hat sich in der Buchhandlung Langen am Marktplatz gerade ein Kochbuch gekauft und freut sich, dass es seit einigen Wochen endlich wieder möglich ist, die Bücher im Laden vor dem Kauf durchzublättern und anzulesen. Nur im Internet zu bestellen sei ihre Sache nicht. Insgesamt, so sagt die Langenfelderin, habe sich ihr Einkaufsverhalten mit der Corona-Krise aber verändert. Kleidung beispielsweise habe sie seit den Öffnungen der Geschäfte gar nicht gekauft: „Ich habe genug zu Hause. Und ich habe keine Lust, neue Sachen mit Maske in der Umkleide anzuprobieren.“

So wie ihr geht es vielen Menschen. Das erleben auch Thomas und Petra Zeiler vom gleichnamigen Modegeschäft an der Schoppengasse. „Inzwischen läuft es wieder besser“, sagen die Inhaber. So sei die erste Öffnungswoche „sehr verhalten“, die zweite aber „ganz mau“ gewesen. Ihre Zielgruppe sei überwiegend ein älteres Publikum. Die seien zunächst sehr vorsichtig gewesen. „Jetzt haben sie sich an die Situation gewöhnt.“ Doch weil die Kunden nicht mehr auf Geburtstagsfeiern gingen oder in die Ferien fahren könnten, werde weder eine neue Bluse noch ein Rock gekauft. „Wenn die Leute nicht glücklich und zufrieden sind, haben sie keine Lust einkaufen zu gehen“, sagt Thomas Zeiler. Während der Geschäftsschließung habe sie ihre Schaufenster immer wieder neu dekoriert und den Kunden angeboten, die Ware vorbeizubringen. „Wir hatten in fünf Wochen nur fünf Kunden“, berichtet Petra Zeiler. Die Umsatz-Einbrüche seien „gravierend“.

Auch wenn die Hoffnung auf den Sommerurlaub wieder in greifbare Nähe rückt, gehören Koffer und Reisetaschen zur Zeit nicht zu den gefragten Gütern. „Manchmal bediene ich nur einen einzigen Kunden am Tag“, sagt Bouchra Schmitz, Mitarbeiterin bei Lederwaren Wieland. Das Geschäft ist seit vier Wochen wieder komplett geöffnet. „Doch so wie früher ist es nicht.“ Anders erlebt es Sabine Kolodzinsky, Mitarbeiterin der Buchhandlung Langen am Marktplatz. „Als wir vor vier Wochen wieder geöffnet haben, kamen die Kunden sofort wieder“, sagt sie. „Wir haben ein treues Publikum. Die Leute freuen sich einfach, wieder stöbern zu können.“ Während der Schließung konnten die Bücherfreunde ihre Schmöker online bestellen und sie zu bestimmten Zeiten vor der Ladentüre abholen. Das sei zwar in Anspruch genommen worden, doch insgesamt sei der wirtschaftliche Schaden durch die Krise da.

Karina Niebel vom Sanitätshaus Vital hat viel zu tun. „Es ist viel Betrieb“, sagt die Mitarbeiterin. Nachdem die ersten Tage sehr ruhig verlaufen seien, ging es dann „rapide“ los. Die Menschen benötigten die Waren wie Bandagen, Einlagen oder Spezial-BHs aus dem Sanitätshaus. Viele hätten ihre Rezepte jedoch erst mal zu Hause liegen lassen, bevor sie gekommen seien. „Wir haben viele ältere Kunden, die abgewartet haben.“ Bademoden, die im Geschäft ebenfalls in großer Auswahl an der Stange hängen, wolle hingegen zur Zeit fast niemand anprobieren, sagt sie. Ingo Schulz, Inhaber von „Lebenslust“, bekundet, er habe mit weniger Kunden in den letzten Wochen mehr Umsatz gemacht. „Das war der beste Mai seit fünf Jahren“, sagt der Geschäftsmann. Gekauft würden Lebensmittel, Dekoartikel aber auch hochwertige Accessoires. „Der Mix macht es.“

Citymanager Jan Christoph Zimmermann hat bereits viele Gespräche mit den örtlichen Händlern geführt und spricht von einer „spürbaren Kaufzurückhaltung“ in der Stadt. Ähnlich wie Experten in der Region erwartet er in der Stadt bis zu 25 Prozent weniger Umsatz für 2020. Kurzarbeit und Zukunftsängste sorgten dafür, dass weniger Geld ausgegeben werde.