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Monheim: Küster entdeckt Weltkriegstafel wieder

Monheim : Küster entdeckt Weltkriegstafel wieder

Das Fundstück mit den Namen von Monheimer Gefallenen soll in ein neues Gedenkkonzept integriert werden.

Gut 60 Jahre stand sie hinter einer Tür auf dem Dachboden der Altstadtkirche. "Ich wusste von ihrer Existenz, mein Vater erzählte mir schon vor vielen Jahren davon", berichtet Werner Reihn, evangelischer Küster in der dritten Generation in Monheim. Als das Gedenkjahr "100 Jahre Erster Weltkrieg" näherrückte, begab sich Reihn auf die Suche nach der Tafel mit den Namen der 1914 bis 1918 Gefallenen - und fand sie hinter besagter alter Tür. "Das gute Stück ist aus Eichenholz und in einem guten Zustand", freut sich der 63-Jährige.

Die Namen von etwa einem Dutzend gefallenen Gemeindemitgliedern sind darin aufgemalt, "gekrönt" von einem Stahlhelm und Fahnen in Schwarz-Weiß-Rot, den Farben des Deutschen Kaiserreichs. Somit stellte sich die Frage: Was tun damit? Wieder aufhängen? "So einfach unkommentiert, das verbietet sich nach meiner Auffassung", sagt Pfarrer Falk Breuer. "Der Stahlhelm, seinerzeit Symbol deutscher Wehrhaftigkeit, ist von einem Lorbeerzweig umgeben, mit dem man üblicherweise Sieger im Wettkampf ehrte", erklärt der Theologe. Die Überhöhung der Gefallenen zu Siegern und Helden habe zwar dem in der (Zwischen-)Kriegszeit gängigen national-patriotischen Empfinden entsprochen, sei aber mit der heutigen Mahnkultur, die Kriegsverherrlichung ablehnt, unvereinbar. "Vermutlich war auch das der Grund, warum die Gemeindeverantwortlichen die Tafel nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen noch katastrophaleren Auswirkungen haben entfernen lassen", sagt Breuer. Bis 1953 hing sie an der linken Seite des Chorraumbogens, dort, wo heute die Liedertafel über der Kanzel angebracht ist.

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Zurück auf den Dachboden soll die Gedenktafel aber auch nicht. "Geht man davon aus, dass die Angehörigen der Genannten niemals die Chance hatten, vor einem Grab zu stehen, weil ihre Lieben in sinnlosem Sterben auf irgendwelchen Schlachtfeldern anonymisiert wurden, dann stellt uns die Tafel vor die Frage nach einer Trauerkultur im Umgang mit unseren Toten", sagt Breuer. Und erinnert daran, dass die Gemeindeverantwortlichen nach 1945 die Tafel - anders als die Kommune Monheim im Falle des Kriegsmonuments unweit der Kirche - eben nicht "auf Nimmerwiedersehen" haben verschwinden lassen. Die Kriegsgeneration - so lässt sich der Pfarrer verstehen - hat der Nachwelt die Chance einer Wiederentdeckung gelassen. Jetzt ist es an dieser Nachwelt, etwas mit dem Wiederentdeckten anzufangen.

Nur was? Breuer plädiert für ein "Friedensdenkmal". In dieses soll die Tafel in irgendeiner Form eingebaut werden. Weg von der "Heroisierungskultur", die in dem Fundstück zum Ausdruck kommt, hin zu einem Gedenkkonzept im Sinne eines "Denk-mal-wie-kostbar-Frieden-ist". Den Anstoß dazu will der Pfarrer am kommenden Samstag, 19 Uhr, geben, am Vorabend des Volkstrauertags, in einem Vortrag in der Altstadtkirche an der Grabenstraße. "Darin möchte ich auf historische, theologische und auch auf ganz praktische Erwägungen zu einem weiteren Umgang mit der Gedenktafel eingehen", sagt Breuer.

Eingebunden ist der Vortrag in die Eröffnung einer Ausstellung mit Kriegsexponaten im alten Küster-Haus. Breuer und Manfred Füting vom Heimatbund Monheim, beide Sammler, werden bis Ende des Jahres Offiziersdegen, Pickelhauben, Bajonette und andere Militaria aus dem Wilhelminismus präsentieren. Im 10-Uhr-Gottesdienst am Volkstrauertag selbst will sich der Pfarrer überdies mit dem altkirchlichen Motiv vom "zweiten Tod" befassen. "Das besagt: Menschen sterben ein zweites Mal, wenn man aufhört, sich ihrer zu erinnern."

(RP)