Kritik an verkaufsoffenen Sonntagen auch in Monheim und Langenfeld

Langenfeld/Monheim: Verkaufsoffene Sonntage sind weiter in der Kritik

In knapp zwei Wochen ist der nächste verkaufsoffene Sonntag in Monheim - zum Frühlingsfest mit Musik, niederländischen Spezialitäten und Minigolf-Wettbewerb. Doch nicht jedem gefällt das.

Denn während viele städtische Wirtschaftsförderer in NRW die kürzlich vom Landtag beschlossene Erleichterung der Sonntagsöffnung begrüßen, wenden sich neben der Gewerkschaft Verdi besonders auch die Kirchen gegen den Kurs der schwarz-gelben Koalition in Düsseldorf. So auch der ökumenische Aktionskreis "Ohne Sonntag gibt's nur noch Werktage" in Monheim und Langenfeld.

Bei einer Podiumsveranstaltung in Monheim erhielten die Sonntagsschützer jetzt prominente Unterstützung von kommunaler Seite: Der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) wandte sich in seiner Funktion als Vorsitzender des Diözesanrats im Erzbistum Köln gegen das "Entfesselungspaket" der Landesregierung, das die Maximalzahl der Einkaufssonntage pro Gemeinde und Jahr auf acht verdoppelt und bisherige Genehmigungshürden ("Anlassbezug") abbaut.

"Die Sonntagsöffnung muss die begründete Ausnahme bleiben", sagte Kurzbach im evangelischen Johann-Wilhelm-Grevel-Haus in Monheim. "Es reicht nicht, vier Säcke Kartoffeln aufzustellen und dann zu sagen, wir feiern ein Kartoffelfest und deshalb müssen die Läden offen sein." Der SPD-Politiker kritisierte auch die Rückkehr bei der gesetzlichen Samstagschließung von 22 Uhr auf künftig wieder 24 Uhr. Viele Untersuchungen hätten nachgewiesen, dass durch längere Ladenöffnungszeiten unterm Strich nicht mehr verkauft werde - jeder Euro könne schließlich nur einmal ausgegeben werden, sagte der Solinger Oberbürgermeister. Zudem seien es vor allem die Frauen, die als Teilzeitkräfte an Einkaufssonntagen arbeiten müssten.

  • Langenfeld/Monheim : Städte: Unser Sonntagseinkauf ist sicher

"Als Konsumenten haben wir es selbst in der Hand, ob die Geschäfte am Sonntag öffnen oder nicht", appellierte Kurzbach an die Kunden, sich beim Sonntagseinkauf zurückzuhalten. Zugleich wies er darauf hin, dass auch das Shopping im Internet dazu beitrage, dass viele Einzelhandelsgeschäfte in den Innenstädten nicht mehr existieren könnten. Deshalb müssten sich die Bürger auch selbstkritisch fragen, inwieweit sie durch ihr Handeln selbst dazu beitrügen, dass die Innenstädte immer mehr Leerstände aufwiesen. Wer sich im Fachgeschäft beraten lasse und dann online einkaufe, brauche sich über eine solche Entwicklung nicht zu wundern, sagte Kurzbach. "Wir Menschen reden vielfach anders, als wir handeln."

"Der Sonntag ist nicht nur ein hohes Kulturgut", betonte der Kölner Diözesanratsvorsitzende, "er ist vor allem ein Tag, sich auf das Wesentliche des Menschseins zu besinnen. Und dazu gehört natürlich für Christen auch der Besuch des Gottesdienstes und die Pflege von freundschaftlichen und familiären Beziehungen." Kurzbach bedauerte, dass auch die Kirchen "schleichend" in vielen gesellschaftspolitischen Fragen ihre Positionen aufgäben. So hätte er sich nach eigenen Worten eine stärkere Präsenz besonders der katholischen Kirche bei der Demonstration der Allianz für den freien Sonntag am 1. März vor dem Landtag gewünscht. "Wir müssen als Kirche und vor allem als katholische Verbände hier stärker an die Öffentlichkeit treten und mit guten Argumenten den Sonntagsschutz einfordern", sagte Kurzbach.

Zu Beginn der Veranstaltung erinnerte Aktionskreis-Sprecher Franz Köchling daran, dass der Sonntag auch nach fast 2000 Jahren noch lebendig sei. "Kaiser Konstantin hat den Sonntag am 3. März 321 zum öffentlichen Ruhetag erklärt und damit dem Abendland ein wertvolles Kulturgut hinterlassen." Kurzsichtiges Konsumdenken sollte dieses Kulturgut, das zudem in Artikel 140 des Grundgesetzes und in Artikel 25 der Landesverfassung NRW besonders geschützt sei, nicht zerstören. "Unser Leben ist mehr als Arbeit, Kaufen und Besitzen. Dafür steht der Sonntag", erklärte Köchling.

(gut)
Mehr von RP ONLINE