Langenfeld/Monheim: Krisenbarometer Kurzarbeit

Langenfeld/Monheim: Krisenbarometer Kurzarbeit

Die Anträge auf Kurzarbeit gehen zurück. Licht am Ende des Tunnels der Wirtschafts- und Finanzkrise erblicken denn auch Arbeitsagentur sowie einige Unternehmen. Freilich warnen sie: "Die Krise ist noch nicht vorbei."

"Soweit die Kurzarbeit durch den Winter verursacht wurde, sind die Zahlen rückläufig", sieht Brigitta Kubsch-von Harten, Leiterin der Arbeitsagentur für Langenfeld/Monheim, Licht am Ende des Tunnels. Verbunden mit der Warnung: "Die Krise ist noch nicht vorbei". In Monheim und Langenfeld befinden sich aktuell noch immer rund 3000 Menschen in Kurzarbeit, aber die Neu-Anträge werden deutlich weniger. Im Gesamtbezirk Düsseldorf sank die Antragszahl innerhalb des letzten Jahres von 306 auf 49. "Vor dem Hintergrund des tiefen Konjunktureinbruchs ist diese Entwicklung noch als moderat zu bezeichnen", erklärt IHK-Volkswirt Gerd Helmut Diestler. Arbeitsverwaltung, Firmenchefs, Kammern und Gewerkschaftler sind sich einig, dass speziell die vielfältigen Möglichkeiten der Kurzarbeit helfen, viele Menschen vor Arbeitslosigkeit mit ihren wirtschaftlichen und psychischen Folgen zu bewahren.

"Wir haben niemand entlassen — wir nutzen Kurzarbeit", bestätigt auch Richard Wachter von der Geschäftsführung der Langenfelder Firma Halfen, die als international tätiger Zulieferer der Bauindustrie von den Wirrungen der Krise betroffen ist und im April vorigen Jahres in einigen Unternehmensteilen mit Kurzarbeit begann. "Wie können wir die Menschen trotz Krise weiterbeschäftigen?", war unsere Maxime. Die Langenfelder Firma, die zuletzt mit den Befestigungen für die Fassade des höchsten Wolkenkratzers in Dubai Aufsehen erregte, machte von den Kurzarbeitsmöglichkeiten flexibel und selektiv Gebrauch: Die Produktion ruht teilweise einen kompletten Tag, während die Logistik ("unser Gesicht zum Kunden") den Betrieb durchgängig aufrechterhält. Das Konjunkturpaket II der Bundsregierung mit dem Investitionsschwerpunkt Infrastruktur wirkt sich auf Grund des Produktportfolios von Halfen nur bedingt aus, Hoffnungen ruhen auf den sich allmählich erholenden Auslandsmärkten.

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Gelungene Beispiele

Auch bei der Langenfelder Tubenfabrik Höll dauert nach Information der IG Metall die Kurzarbeit an. Einzelne Schichten fallen komplett aus. Für den IG-Metall-Bevollmächtigten Wolfgang Rasten sind sowohl Halfen als auch Tuben Höll gelungene Beispiele für die Chancen, die in der Kurzarbeit stecken (siehe Interview). Rasten kennt daneben auch Beispiele, in denen Firmen — wie der Monheimer Aluminium-Verarbeiter APT Hiller 2009 und offensichtlich auch 2010 — auf drohende Kurzarbeit verzichten konnte. Obwohl die Automobilindustrie zu 90 Prozent Hauptauftraggeber ist, war für die Beoplast Schmees Gmbh in Langenfeld Kurzarbeit kein Thema, "trotz geringerer Stückzahlen", wie geschäftsführender Gesellschafter Theo Besgen berichtet. Man habe branchenuntypisch gut zu tun. Offensichtlich besetzt die Firma mit ihren Kunststoffteilen eine Marktnische. Statt über Stellenreduzierungen nachzudenken, sucht Theo Besgen für die Spritzgussarbeiten händeringend weitere ausgebildete Kunststoffformgeber. Besgens Problem bestätigt das Gelingen eines weiteren Ziels der Kurzarbeitsregelungen: Facharbeiter zu halten. Um sie nicht zu verlieren und bei anspringender Konjunktur mühsam zu suchen, wurden sie trotz der Auftragsschwankungen nicht entlassen.

(RP)