Langenfeld: Krise, Kroko und Kamelle

Langenfeld : Krise, Kroko und Kamelle

Den Langenfelder Karnevalsumzug am Samstagnachmittag sahen sich rund 20 000 Narren an. 70 Fußtruppen, Wagen und Kapellen zogen durch die Innenstadt. Themen waren die CO-Pipeline, die Euro-Rettung, der Grundschulverbund und der Umzug der Stadtwerke ins RWE-Gebäude.

Eine Gruppe Affen flaniert durch die Innenstadt. Sie tragen Anzug, Krawatte und edles Schuhwerk. Ab und zu nippen die verkleideten Jecken an ihrem Bier. Um sie herum stehen unzählige ebenfalls kostümierte Narren aller Altersgruppen.

Vampire, Aliens, Panzerknacker und kleine Cowboys verwandeln die City in ein wogendes Menschenmeer. Tausende Besucher feiern zwischen Solinger Straße und Hauptstraße — obwohl das Wetter mit einer Mischung aus diesem Nieselregen und kaltem Wind eher ungemütlich ist. Die versammelte Narretei wartet gespannt auf den an diesem Samstagnachmittag alles entscheidenden Satz: "Der Zoch kütt!"

70 Fußgruppen und Wagen

Um kurz nach 15 Uhr ertönt die ersehnte Ankündigung auch vor der Stadthalle. Helmut Schoos animiert mit augenzwinkernden Kommandos die Menschenmenge. "Das ist doch keine Trauerprozession hier", ruft der Zugleiter in sein Mikrofon und erntet prompt ein fröhliches "Helau!" von Jung und Alt.

Der närrische Lindwurm schlängelt sich durch die Fußgängerzone. Kamelle und Strüssje prasseln reichlich auf die Besucher nieder. Mehr als 70 Fußgruppen, Wagen und Marschkapellen sind in diesem Jahr am Start.

Wie es sich für einen Zug gehört, steht eine große schwarze Lokomotive am Anfang. Das aus Pappmaché, Draht und Farbe gebastelte Vehikel gehört dem Festkomitee Langenfelder Karneval (FLK).

Animalisch wird es hingegen bei der Grundschule Richrath-Mitte, die den Verbund der beiden Grundschulen in dem Stadtteil feiert. Eltern, Kinder und Lehrer laufen als Krokodile ihrem Wagen hinterher, auf dem eine ansehnliche Panzerechse ihre Zähne aus Pappe zeigt. Auch die musikalische Untermalung passt hervorragend. Vor allem die Schüler singen das Kinderlied "Schnappi, das kleine Krokodil" begeistert mit.

Pfadfinder im Gruselschloss

Mit dabei ist auch der Bus der RP, auf dem die Jungschützen Reusrath Stimmung machen, während sie reichlich Kamelle unter das närrische Volk bringen. Die Langenfelder Pfadfinder lassen es auf ihrem Gruselschloss aus Pappe richtig krachen. Mit moderner Tanzmusik bringen die als Zombies, Mumien und sonstige Monster verkleideten Jugendlichen Bewegung in die Menschenmassen am Straßenrand. Angesichts so viel Frohsinns hat auch der Himmel ein Einsehen. Der Nieselregen lässt nach.

Dennoch geht es weiterhin feucht-fröhlich zur Sache. Der Alkohol fließt in Strömen und so mancher Jeck schwankt bereits bedenklich beim Fangen des süßen Wurfmaterials. Für die Einsatzkräfte bleibt es aber weitgehend ruhig. "Das war für uns ein schöner Einsatz, denn wir hatten nicht viel zu tun", erklärt Christian Nitz vom Malteser Hilfsdienst. Lediglich 17 Jecken mit Blessuren mussten demnach an den insgesamt zehn Unfallhilfsstellen behandelt werden.

Viermal kamen die Rettungs- und Krankenwagen zum Einsatz. Mit insgesamt 66 Helfern und Sanitätern waren DRK und Malteser im Einsatz. Zufrieden ist auch die Narretei, die sich, nachdem auch der weiße und edel verzierte Prunkwagen des Prinzenpaares vorbeigezogen ist, schnell zerstreut, um in Kneipen oder privat weiter zu feiern.

"Der Zug in Langenfeld ist für mich ein Pflichttermin", sagt Dennis Lindemann, der sich selbst als "Vollblutjeck" bezeichnet. "Am Rosenmontag geht es dann in Monheim weiter." Michelle Koppitz findet ebenfalls lobende Worte: "Die Wagen und Kostüme der Gruppen waren wirklich schön gemacht — und ich hab' reichlich Süßigkeiten abgestaubt."

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Langenfeld Helau" beim Zug durch Innenstadt

(dora)