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Kreispolizei Mettmann: Senioren-Betrug am Telefon nimmt zu

Sicherheit & Kriminalität im Kreis Mettmann : Senioren-Betrug am Telefon nimmt zu

Trickdiebe werden zunehmend organisierter, oft rufen sie aus dem Ausland an. Neu sind sogenannte „Schockanrufe“. Betroffen sind in der Regel Menschen weit über 60 Jahre.

Senioren bleiben eine beliebte Zielscheibe von Trickbetrügern. Der „Enkeltrick“ ist nach wie vor ein Dauerbrenner – in abgewandelter Form. Insgesamt 2000 ältere Menschen aus dem Kreis Mettmann, der Großteil von ihnen über 70 Jahre alt, haben der Polizei in diesem Jahr einen versuchten Betrug gemeldet. In Mettmann ist es Tätern dabei bisher in drei Fällen gelungen, ältere Menschen zu betrügen, in Erkrath gab es in diesem Jahr einen vollendeten Betrugsdelikt. „Die Dunkelziffer dürfte aber sehr viel höher ausfallen“, stellt Diane Dulischewski, Sprecherin der Kreispolizei Mettmann, klar. Denn viele Opfer würden sich schämen, auf Trickbetrüger hereingefallen zu sein.

Ausgenutzt wird offensichtlich auch die aktuelle Pandemie: So wurden in den vergangenen Monaten deutschlandweit Fälle bekannt, bei denen sich Täter als mit dem Coronavirus infizierte Angehörige ausgeben, um an das Geld ihrer Opfer zu gelangen. Außerdem wird von Trickbetrügern berichtet, die als angebliche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes unterwegs sind und sich unter dem Vorwand angeordneter Covid-Tests Zugang zur Wohnung verschaffen.

  • Trickbetrüger wenden sich immer häufiger per
    Sicherheit & Kriminalität im Kreis Mettmann : Senioren-Betrug am Telefon nimmt zu
  • Manchmal rufen Betrüger bei älteren Menschen
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  • ⇥Archivfoto: DPA
    Enkeltricks immer dreister : Betrüger wollen 4200 Euro für angeblichen Corona-Test

In Monheim hat Ende Oktober eine aufmerksame Bankmitarbeiterin verhindert, dass eine 81-jährige Frau aus Monheim  großen finanziellen Schaden erleidet. Die 81-Jährige hatte einen Anruf erhalten, bei dem sich ein Mann für ihren Enkel ausgab und um 15.000 Euro  gebeten hatte.

Insgesamt haben die Betrugsversuche am Telefon laut Polizei deutlich zugenommen. Neu sind auch in Mettmann und Umgebung in diesem Jahr so genannte „Schockanrufe“: Dabei ertönen vermeintliche, weinende Angehörige des Opfers im Hintergrund. Oft geschehe das in Verbindung mit erfundenen Szenarien wie einem Unfall oder einer drohenden Gefängnisstrafe. „Das ist besonders perfide, da der emotionale Druck auf die Opfer nochmals erhöht wird“, sagt die Polizei-Sprecherin. Die Betroffenen sind meist weit über sechzig Jahre alt, viele von ihnen altersbedingt erkrankt.

Neben dem Enkeltrick zählt im Kreis der „falsche Polizeibeamte“ zu den häufigsten Maschen von Betrügern. Hierbei gibt sich der Anrufer nicht als Angehöriger, sondern als Polizist, Staatsanwalt oder andere Amtsperson aus. „Besonders gefährlich ist, dass die Anrufer die Telefonsysteme manipulieren: Im Display erscheint dann etwa die 110, verbunden mit der Ortsvorwahl “, erklärt Dulischewski. Die Anrufer seien „Redetalente“ und würden die Ängste älterer Menschen ausnutzen.

Die Täter organisieren sich offenbar zunehmend besser. „Man kann in vielen Fällen von Banden sprechen, die sich ins Ausland abgesetzt haben und dort von Call-Centern aus anrufen“, so die Kriminalhauptkommissarin. Die Rückverfolgbarkeit sei dementsprechend schwierig. Erst vor wenigen Tagen hat das Landgericht Düsseldorf eine internationale Betrügerbande zu langen Haftstrafen verurteilt – die Täter waren auch in Mettmann aktiv.

Neben den Telefonbetrügern gibt es auch in Langenfeld und Monheim solche, die ausschließlich vor Ort aktiv sind. Das komme laut Polizei zwar deutlich seltener vor, doch immer wieder sind Täter unterwegs – etwa als angebliche Stadtwerke-Mitarbeiter, die wegen eines Wasserrohrbruchs die Wasserqualität überprüfen müssten. Auch das Phänomen des „Dachdeckers“ trete gelegentlich auf – vor allem im Herbst und nach Stürmen.

Die Polizei bittet Betroffene, sich  zu melden. „Egal, wie die Situation ausgegangen ist: Es hilft uns, die Betrüge aufzudecken und potentielle Opfer zu warnen.“ Oft würden die Täter in Wellen bei möglichst vielen Opfern anrufen, teilweise seien ganze Straßenzüge betroffen. Häufen sich Hinweise, kann die Polizei in betroffenen Gebieten präventiv eingreifen und in sozialen Netzwerken warnen. Seit Juli hat die Kreispolizei auf Facebook sechsmal auf Anrufwellen aufmerksam gemacht. Dulischweski ist überzeugt, dass Prävention zunehmend wichtiger werde. „Denn es wird immer mehr ältere Menschen  geben.“