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Langenfeld: Kreis zahlt Inklusionshelfer nicht mehr

Langenfeld : Kreis zahlt Inklusionshelfer nicht mehr

Martin Rawe vom Verein Gemeinsam leben lernen befürchtet eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Kreis Mettmann.

Der Kreis stellt zum Ende des laufenden Schuljahres die Finanzierung der Inklusionshelfer ein. Das hat der Kreistag gestern Abend mit Mehrheit auf Antrag der CDU-Fraktion beschlossen. Inklusionshelfer betreuten Kinder mit Lern- und Entwicklungsstörungen in der Schule. Sie sind nicht zu verwechseln mit den Integrationshelfern: Diese begleiten Schüler beim Schulbesuch und gleichen körperliche oder geistige Behinderungen aus. Die Stadt Hilden hat berechnet, dass 1,5 Prozent der Grundschüler besondere Unterstützung brauchen. Das sind kreisweit 257 Mädchen und Jungen. Ein Inklusionshelfer betreut bis zu fünf Schüler. Demnach werden 51 Inklusionshelfer im Kreis benötigt. Bislang stellte der Kreis maximal 10 000 Euro im Schuljahr pro Inklusionshelfer zur Verfügung. Damit ist jetzt Schluss. Konsequenz: Entweder übernehmen die Städte selbst die Kosten oder die Inklusionshelfer müssen ihre Arbeit einstellen.

"Inklusionshelfer sind extrem wichtig", berichtet Karin vom Steeg, Leiterin der Astrid-Lindgren-Grundschule in Hilden, "weil sie Kinder individuell fördern." Ihre Schule hat einen Inklusionshelfer zur Verfügung und wird ihn wohl auch künftig einsetzen können. Denn der Schulausschuss in Hilden hat einstimmig beschlossen, die Inklusionshelfer aus eigener Tasche zu bezahlen — allerdings nicht mehr in demselben Umfang. Denn obwohl Schuldezernent Reinhard Gatzke die Arbeit der Inklusionshelfer als wichtig einstuft, will Hilden künftig mit 5,4 Stellen auskommen. Aktuell sind zehn Inklusionshelfer im Einsatz. Sie kosten die Stadt ab 2014 60 000 Euro im Schuljahr. Über die Höhe der Mittel entscheiden die Fraktionen aber noch in den Haushaltsplanberatungen.

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Auch die Stadt Langenfeld will auf ihre sechs Inklusionshelfer nicht verzichten. "Früher wurden dafür Zivildienstleistende eingesetzt, heute Freiwillige, die ein Soziales Jahr absolvieren", erläutert Ulrich Moenen, Fachbereichsleiter Schule, Jugend und Sport. Die dafür nötigen 54 000 Euro seien im Haushalt eingestellt: "Wir schlagen dem Rat vor, die Kosten selbst zu übernehmen."

Das tut auch die Haaner Stadtverwaltung. "Weil wir nicht sehen, wie die betroffenen Schulen ohne die vier Inklusionshelfer auskommen sollen", erläutert Astrid Schmidt, Abteilungsleiterin für Schule und Sport. Sollte Haan allerdings in den Nothaushalt rutschen (was voraussichtlich geschehen wird), muss die Kommune alle freiwilligen Leistungen zusammenstreichen — vielleicht auch die Inklusionshelfer.

Die Stadt Monheim setzt elf Inklusionshelfer in ihren Schulen ein, berichtet Peter Heimann, Bereichsleiter Schule und Sport: "Wir werden dem Rat vorschlagen, die Kosten dafür im nächsten Schuljahr selbst zu übernehmen." Das macht rund 110 000 Euro. Er könne die Haltung des Kreises (nach dem Konnexitätsprinzip sei das Land zur Übernahme der Kosten verpflichtet) ein Stück weit nachvollziehen.

Nicht alle Städte im Kreis werden sich Inklusionshelfer leisten können, fürchtet Martin Rawe, Vorsitzender des Vereins Gemeinsam leben lernen aus Hilden: "Wir werden bei den Inklusionshelfern eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Kreis Mettmann bekommen."

Der Kreis finanziert den Einsatz von Inklusionshelfern seit 2005. Die Kosten sind in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Von 280 000 Euro in 2010 auf 490 000 Euro im vergangenen Jahr. Auch weil Kinder, die früher eine Förderschule besuchten, heute an einer Regelschule unterrichtet werden. Die Stadt Hilden hat ein Modell entwickelt, um einerseits die Kosten im Griff zu behalten und andererseits allen Kreisstädten eine Basisversorgung mit Inklusionshelfern zu ermöglichen. Alle kreisangehörigen Städte forderten eine Umsetzung des Hildener Modells.

CDU, FDP, UWG und Landrat Thomas Hendele haben das gestern Abend verhindert. Sie argumentieren: Die Kosten der Inklusion müssten Bund und Land übernehmen, der Kreis dürfe sich nicht in die Pflicht nehmen lassen. Ende Januar 2014 erhofft sich der Landrat Klarheit über die Frage, ob das Land gesetzlich verpflichtet ist, die Kosten für die Helfer zu übernehmen. Hendele (CDU) hofft weiterhin auf eine Vereinbarung mit der rot-grünen Landesregierung.

CDU und FDP hätten klar gegen den Willen aller Kreisstädte votiert und stellten den Wahlkampf vor die Interessen der Kinder, kritisieren die Grünen.

(RP)