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Kreis Mettmann - Neandertal: Autor und Stipendiat Tilman Strasser in NRW-Lesebuch

Facettenreiches Lesebuch : Auf Entdeckungsreise im Bergischen Land

Regionale Geschichten von Stadtschreibern wie Tilman Strasser gibt es nun in einem NRW-Lesebuch. „Man muss Spaß daran haben, literarisch zu spielen. Ich habe mir gedacht, dass man eine Region am besten durch Menschen und Begegnungen kennenlernt“, erzählt er.

Im Rahmen des Residenzprojekts stadt.land.text NRW 2020 erkundeten zehn Autoren von März bis Juni 2020 Nordrhein-Westfalen. Das NRW-Lesebuch präsentiert nun ihre literarischen Ergebnisse. Auch ein Beitrag von Tilman Strasser ist darunter. Der 37-Jährige ist Literaturvermittler, Journalist, Theaterkritiker, Drehbuchautor und Autor seines bisher ersten Romans „Hasenmeister“. In der Stille des Neandertals mit Residenz in Erkrath hat der Schreiber die Ruhe gefunden, das Konzept für einen zweiten Roman zu entwerfen. Was er vor Ort erlebte, veröffentlichte er per Blog – und das Geschriebene ist jetzt Teil des NRW-Lesebuchs.

Was klingt wie ein Kinderspiel, war im vergangenen Jahr alles andere als das: stadt.land.text. NRW, das Residenzprogramm für Literaturschaffende, die sich auf dem Feld der „künstlerischen Alltags- und Regionalforschung“ bewegen, sah sich durch die Pandemie mit nie dagewesenen Einschränkungen konfrontiert. Dank kreativer Um- und Auswege aller Beteiligten fand es dennoch statt – unter der Federführung der Kulturregion Niederrhein.

Tilman Strasser erzählt, wie er Regionenschreiber im Bergischen wurde: „Man muss Spaß daran haben, literarisch zu spielen. Ich habe mir gedacht, dass man eine Region am besten durch Menschen und Begegnungen kennenlernt. Mit Menschen – ganz jungen, alten, reichen und armen – wollte ich sprechen und so ein diverses Bild präsentieren. Ich habe Arbeitsproben abgegeben, und mein Projekt fand Anklang. So bin ich im März einer von insgesamt zehn Regionenschreibern in Nordrhein-Westfalen geworden. 

Alle zwei Jahre laden die zehn Kulturregionen und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW zu einem viermonatigen Residenzaufenthalt ein. Die sogenannten Regionenschreiberinnen und –schreiber erhalten neben Salär und Unterkunft die Möglichkeit, aus sehr unterschiedlichen Perspektiven Einblicke in die Kulturlandschaft ihrer Gastgeberregion zu nehmen und diese anschließend literarisch-künstlerisch zu verarbeiten.

Womit die Bergische Region punktet, formuliert er so: „Mir gefällt vieles im Bergischen Land. Zum Beispiel die grüne Farbe der Fensterläden und Regenrinnen. Ich konnte in zahlreiche Facetten eintauchen. Einfach schön.“ Ihm ging es aber vor allem um Menschen. „In einer Geschichte, ich habe sie ‚Die Wurst‘ überschrieben, hatte ich beispielsweise ein herrliches Gespräch mit einem Imbissbuden-Besitzer. Das klang dann so: ‚Stammgäste? Klar, gibbet. Aber warum kommen die? Weil du hier deine Ruhe hast. Is dat mitten in der Stadt? Na sicher. Is dat New York hier? Nee. Aber trotzdem wat los. Glaub mir mal. Und deshalb machen wir drinnen entspannt. Heiß und fettig, aber lässig. Sag ich jetzt so.‘ Aber ich habe natürlich auch ganz andere Begebenheiten geschildert. Zum Beispiel Bergische Limericks geschrieben, war in Wäldern und Orten unterwegs, habe viel gesehen und erlebt. Zahlreiche Geschichten sind so zusammengekommen.“

Mit herausragenden Projektideen hatten sich alle Autoren, neben Tilman Strasser waren Pasvcal Bovée, Annika Stadler, Charlotte Kraft, Carla Kaspari, Yannic Han Biao Federer, Larissa Schleher, Brandstifter, Justine Z. Bauer und Barbara Peveling dabei, für das bundesweit in dieser Form einzigartige Residenzprogramm beworben. Und schließlich gemeinsam mit ihren Gastgebern vielfältige, beeindruckende Antworten auf die besonderen Herausforderungen der projektwidrigen Umstände gefunden.

Die literarischen Ergebnisse gibt es nun als „NRW-Lesebuch“. Auf 200 Seiten umfasst es rund 60 Beiträge der Regionenschreiberinnen und -schreiber, zahlreiche Illustrationen sowie ein in die Schreibwerkstätten schauendes Gespräch mit den Autorinnen und Autoren. Der Blog www.stadt.land.text.de bringt außerdem zehn Podcasts zu Gehör, die in lebhaften Interviews Einblicke in die sehr verschiedenen Arbeitsweisen geben. Corona-bedingt startet 2021 ganz offiziell eine Neuauflage des Projektes. Tilman Strasser wird sich im Sommer „noch einmal drei Monate lang auf Orte und Menschen konzentrieren. Also dasselbe nochmal – nur noch besser.“ 

Mit der Buchveröffentlichung geht das landesweite biennale Stipendienprojekt stadt.land.text NRW 2020 zu Ende. Für den Regionenschreiber Tilman Strasser ist seine Zeit rund ums schöne Neanderland allerdings nicht beendet: Ihm hat es hier so gut gefallen, dass er seinen Arbeitswohnsitz ins Bergische verlegt hat. Außerdem wird er 2021 seine Idee, das Bergische Land durch literarische Portraits abzubilden, in der zweiten Jahreshälfte fortführen.

Das NRW-Lesebuch kann ab sofort bestellt werden zum Versandkostenpreis von drei Euro in Briefmarken an: Regionale Kulturpolitik Bergisches Land, Postfach, 40806 Mettmann.

(RP/von)