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Kreis Mettmann - Landwirte kämpfen mit der Trockenheit

Kreis Mettmann Die Saat geht nicht auf : Landwirte kämpfen mit der Trockenheit

Der April ist zu trocken. Folge: Saat von Zuckerrüben und Grünland geht nicht auf, der Raps blüht eine Woche zu früh.

Die derzeit herrlich blühenden Rapsfelder in Mettmanns grüner Umgebung dürfen nicht darüber hinweg täuschen: Die Bauern im Kreis Mettmann kämpfen mit der Trockenheit. Der Monat ist schon zu zwei Dritteln vorbei und bisher sei viel weniger Niederschlag als üblich gefallen, erklärt Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst. „In der ersten April-Hälfte fielen im Mittel in Nordrhein-Westfalen nur knapp vier Prozent der sonst im ganzen Monat typischen Menge“, teilt er auf Nachfrage unserer Redaktion mit. „Nun ist der Monat noch nicht vorbei, aber wir gehen davon aus, dass der April extrem trocken wird.“

Das bekommen auch die Landwirte zu spüren. „Die neuen Saaten wie Zuckerrübe gehen nicht auf“, beobachtet der Mettmanner Landwirt Johannes Kircher. Er bewirtschaftet 74 Hektar Ackerland mit Getreide und Raps und will in den kommenden Tagen 12.000 Weidemastgänse aufnehmen – als Küken im Alter von 14 Tagen, die er dann aufzieht. „Aber ich habe das Problem, dass ich dann kein Futter habe.“ Denn seine Grünland-Saat geht ebenfalls nicht auf – und die sollte den Gänsen eigentlich als Weide dienen. Das heißt, dass Johannes Kircher Fertigfutter zukaufen muss. Das ist deutlich teurer, als es selbst anzubauen. „Und mit Fertigfutter kann ich nicht die Qualität erzeugen wie auf der Weide. Ich will ja Fleisch verkaufen und kein Fett“, sagt er.

Auch seine Berufskollegen haben Probleme. Wer sein Land in Mettmann habe, habe da noch Glück im Unglück, denn der lehmige, schwere Boden kann die Feuchtigkeit noch am besten halten. „Da haben es die Landwirte in Hilden oder Monheim mit ihren sandigeren Böden schon schwerer“, weiß Kircher, und  Landwirt Robert Bossman, der Felder in Monheim und Langenfeld bewirtschaftet,  bestätigt das.  Bewässert würden nur hochwertige Pflanzen wie etwa Kartoffeln und Möhren, so Bossmann. Und natürlich Erdbeeren.

Die Landwirte überlegen, wegen des Wassermangels Bewässerungsbrunnen zu bohren, die die Grundwasser-Reserven anzapfen. „Und dann müssen wir uns über ein Grundwasser-Management unterhalten“, mahnt Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft. Auch er beobachtet, dass die Natur wegen der Trockenheit kaum nachkommt.

Dass der Raps derzeit offenbar unbeschadet blühe, liege daran, dass er seit seiner Aussaat im Herbst „lange Zeit hatte, ein Wurzelwerk aufzubauen. Der kommt auch noch in tiefere Erdschichten.“ Doch auch der Raps blühe eine Woche früher als sonst „und kann noch Wasser vertragen. Das heißt: Wir brauchen dringend, dringend Regen“, sagt Dahlmann.

Doch auch die Corona-Krise beeinflusst die heimische Landwirtschaft. Besonders für die laufende Spargel-Saison bedeutet sie erschwerte Bedingungen.  Robert Bossmann hat zunächst nur wenige Erntehelfer aus Polen und Rumänien bekommen. Er rechnet im Laufe des Frühjahrs mit 70.    Jürgen Benninghoven, Landwirt in Ratingen,  sagt: „Durch den vorübergehenden Einreisestopp war unser dringend benötigtes Fachpersonal zu spät hier.“ Und das könne nicht einfach durch kurzentschlossene freiwillige Helfer aufgefangen werden.

„Davon hatten wir zwar reichlich, aber fürs Spargelstechen müssen sie erst aufwendig angelernt werden. Und wenn sie dann andere Verpflichtungen haben, wie beispielsweise Schulprüfungen, führt das zu fehlender Planungssicherheit. Zudem arbeiten erfahrene Kräfte natürlich deutlich produktiver als Anfänger.“ Auch die Idee, den harten Job auf möglichst viele Schultern zu verteilen, sei keine Lösung, denn in Pandemie-Zeiten bedeutet jeder weitere Helfer ein zusätzliches Ansteckungsrisiko. Die Folge des verhaltenen Erntestarts: insgesamt weniger Ertrag.

Unterm Strich führen die besonderen Umstände in diesem Jahr dazu, dass der Spargel in der Produktion deutlich teurer ist, als gewöhnlich. „Wir müssen mit mindestens zehn Prozent höheren Kosten rechnen.“ Trotzdem hofft Benninghoven allgemein auf ein verstärktes Bekenntnis zu lokalen Erzeugnissen: „Wir wollen bei unseren Kunden das Bewusstsein wecken, den heimischen Spargel zu kaufen“, betont er und   versichert: „In der Region angebauter Spargel ist etwas Besonderes in Qualität und Auswahl.“ Und ein lokaler Einkauf helfe, diese Strukturen trotz Corona-Krise zu erhalten. Das sieht auch Bossmann so. Auch wenn er höhere Kosten hat, und für Getreide und  Rüben mit Ausfällen rechnet, erhöht er nicht die Preise. „Das regelt sich durch Angebot und Nachfrage“, weiß er.

Schon machen sich die Landwirte Gedanken, wie es weitergeht mit dem Wetter – und ob der trockene April Vorbote eines  Dürresommers sein könnte. „Das kann sein“, sagt Johannes Kircher mit Blick in den Himmel. Dahlmann will hingegen zuversichtlich bleiben: „Das kann niemand sagen. Wir sollten das erst mal eine Weile beobachten.“