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Kreis Mettmann: Badechaos auch am Hildener Elbsee

Badeverbot : Die gestörte Idylle am Hildener Elbsee

Am Elbsee trifft die Stadt auf immer mehr Störenfriede. Die ansässigen Vereine ärgern sich über Besucher, die sich an nichts halten. „Da viele Menschen durch die Corona-Pandemie ihren Urlaub zu Hause verbringen, hat sich die Problemlage in diesem Jahr verschärft“, heißt es.

Wer Wassersport liebt in stiller Natur, der ist normalerweise am Elbsee bestens aufgehoben. Mit dem 89 Hektar großen und durch Auskiesung entstandenen Baggersee befindet sich im städtischen Grenzgebiet zwischen Düsseldorf und Hilden und in der Nähe der viel befahrenen Verkehrsachsen A46 und A59 eine wahre Erholungs-Oase inmitten eines bewaldeten Landschafts- und Naturschutzgebietes, die auch von vielen Langenfeldern geschätzt wird.  Segeln, Surfen und Kanufahren ist dort gestattet. Wo Uferschwalbe und Flussregenpfeifer brüten und Dünen-Sandlaufkäfer krabbeln – allerdings unter strenger Wahrung der naturschutzrechtlichen Bestimmungen und ausschließlich für Mitglieder und Kursteilnehmer des Vereins „Wassersportzentrums am Elbsee“ (WSZ). Doch seit der Corona-Pandemie ist es mit der Ruhe am Elbsee vorbei.

Der See war auch am vergangenen Wochenende wieder Treffpunkt für Hunderte Menschen. Nicht alle von ihnen halten sich an die Vorschriften: Manche gehen schwimmen, grillen Würstchen oder zelten sogar direkt am Wasser. Sehr zum Ärger von Anwohnern in der Hildener Elb, die über Lärmbelästigungen klagen – und sehr zum Ärger der Stadt Düsseldorf, zu deren Gebiet der Elbsee gehört und die für die Entsorgung des oft achtlos liegengelassenen Mülls verantwortlich ist. Anwohner Markus Jäschke ist dort mit seinem Hund regelmäßig unterwegs und am Wochenende angesichts der Müllberge ebenso regelmäßig schockiert: „Ich finde keine Worte dafür.“

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„Da viele Menschen durch die Corona-Pandemie ihren Urlaub zu Hause verbringen, hat sich die Problemlage in diesem Jahr verschärft. Beschwerden von Anwohnern, Nutzern des Elbsees wie Sportvereine und von Naturschützern nehmen zu“, erklärt Michael Bergmann, Sprecher der Stadt Düsseldorf. „In den zurückliegenden Wochen wurde der Elbsee im Rahmen der Personal- und Einsatzlage durch Einsatzkräfte des Ordnungsdienstes OSD mehrfach aufgesucht und kontrolliert.“ Allerdings schränkt er ein: „Ziel ist es, den Elbsee bei gutem Wetter zu kontrollieren. Gleiches gilt jedoch auch für den Himmelgeister Rheinbogen, den Paradies­strand an der Bremer Straße und auch den Angermunder Baggersee. Hinzu kommt, dass aufgrund der Corona-Pandemie ein personalintensiver Einsatzschwerpunkt in der Altstadt liegt. Dies führt zu weniger Kapazitäten für sonstige Kontrollen und Beschwerden.“ Am Elbsee sollen in nächster Zeit zusätzliche Schilder auf das Badeverbot, die Brandgefahr und das Betretungsverbot für das Naturschutzgebiet aufgestellt werden. „Ferner werden die Kontrollen erhöht“, erklärt Bergmann.

 Hinterlassenschaften von Besuchern des Elbsees.
Hinterlassenschaften von Besuchern des Elbsees. Foto: Markus Jäschke

Zuletzt hatte der OSD am 31. Juli intensiv am Elbsee kontrolliert. „Es wurden 72 Verstöße gegen naturschutzrechtliche Bestimmungen erfasst“, erklärt der Sprecher. Die Ertappten müssen laut Bergmann mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro oder mit Strafanzeigen rechnen, sofern nachgewiesen werden konnte, dass beispielsweise Hausfriedensbruch oder Sachbeschädigung erfolgt ist. Denn einige Badegäste sind sogar über Zäune geklettert, um zum kühlen Nass zu gelangen.

Baden im Elbsee, das Befahren mit einem Boot und Grillen sowie Feuermachen sind am Elbsee verboten. Dabei teilt sich das Gelände in einen Bereich auf, der Naturschutzgebiet, und einen kleinen Bereich, der Landschaftsschutzgebiet ist. „Im Naturschutzgebiet dürfen die Wege nicht verlassen werden. Daher dürfen auch die Ufer oder die im Norden gelegenen Wiesen und der Wald nicht betreten werden. Im Bereich des Landschaftschutzgebietes sind Bereiche freigegeben, an denen das Ufer betreten werden darf“, erklärt Bergmann.

 Segelboote haben an einem Steg angelegt: Am Elbsee ist auch ein kleiner Segelclub beheimatet.
Segelboote haben an einem Steg angelegt: Am Elbsee ist auch ein kleiner Segelclub beheimatet. Foto: Anne Orthen (orth)/Anne Orthen (ort)

Rund 50.000 Euro kostet die Entsorgung der Party-Hinterlassenschaften pro Jahr. Mitarbeiter des Gartenamtes und beauftragte Firmen reinigen die Flächen rund um den Elbsee und leeren die Mülleimer. „Das Reinigungsintervall wurde bereits erhöht und zusätzliche Saisontonnen aufgestellt. Es ist geplant, weitere Mülleimer aufzustellen, zum Beispiel am Parkplatz Schalbruch“, erklärt Michael Bergmann.  Am Elbsee brüten etliche seltene und fast ausgestorbene Vogelarten, die vor allem in den nördlichen und westlichen Bereichen Ruhezonen im Naturschutzgebiet vorzufinden sind. Eine Freigabe des Badens würde die Tiere erheblich stören“, erklärt Michael Bergmann. Dazu sei der See als ehemaliges Kiesgewässer nicht für einen Badebetrieb hergerichtet. „Die Ufer fallen sehr schnell steil ab.“

Das Wasserschutzzentrum wurde 2003 mit vier separaten Gebäuden am Ostufer in neuer Form gebaut und beheimatet vier Wassersportvereine: den Hildener Windsurfing Club, den Kanu Club Hilden, die Segler-Gemeinschaft Hilden sowie die Hildener Ortgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft DLRG.

Als „ein Stück Glück“ empfindet der WSZ-Vorsitzende und DLRG-Ortsgruppenleiter Ingo Luther das ziemlich versteckte Natur-Idyll, wo neben der DLRG-Verwaltungsstelle auch das Materiallager der Rettungsschwimmer untergebracht ist. Kleinen und großen Wassersportlern bietet das WSZ in der Freizeit jede Menge Spaß und sportliche Abwechslung. Mit Canadiern und Kajaks sind beispielsweise die Kanuten auf dem Elbsee unterwegs. Bei den Surfern ist Stand-up-Paddling gerade der Renner.

Ingo Seubert, Vorsitzender der betont familien-orientierten Segler-Gemeinschaft, will beim Segeln hauptsächlich dem Alltagsstress entfliehen. Deshalb schätzt er den ruhigen See in urbaner Nähe, obwohl plötzliche Winddreher auf dem Wasser selbst erfahrene Segler immer mal wieder vor seglerische Herausforderungen stellen. Rund 320 Mitglieder umfasst die DLRG-Ortsgruppe. Bei Wasserportveranstaltungen in der Umgebung sind die Retter als Sicherheitskräfte gefragt. In der Sommersaison verbringt mancher gern seinen Urlaub in den Touristen-Hochburgen an der Nord- oder Ostseeküste als Rettungsschimmer. Den See nutzen die Rettungsschwimmer nur in Ausnahmefällen, wenn sie sich etwa für Ernstfälle vorbereiten.

  In den Wintermonaten dient der Elbsee als Lebensraum für durchziehende oder überwinternde Vogelarten. Ein siebeneinhalb Meter hoher Aussichtsturm am Südufer kann für Naturbeobachtungen genutzt werden. In direkter Nachbarschaft zum WSZ befindet sich mit dem Vabali Spa eine Wellness-Oase mit Sauna, Dampfbad und Laconium.