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Richrath: Krankenhaus verkauft seine Schmöker

Richrath : Krankenhaus verkauft seine Schmöker

Bis Sonntag läuft ein Antiquariats-Marathon im St.-Martinus-Hospital – zugunsten der eigenen Bücherei.

Fünf Tage und vier Nächte lang darf nach Belieben geschmökert, gestöbert – und natürlich gekauft werden. Noch bis Sonntag läuft der 22. Antiquariats-Marathon im Richrather Krankenhaus, bei dem Kinder- und Jugendbücher, CDs, Videos, Spiele, Romane und Sachbücher im Angebot sind. Der Erlös kommt wie immer der eigenen Bücherei zugute.

"Am Anfang war ich etwas skeptisch, ob so etwas überhaupt angenommen wird", erzählt Angela Rieger, die im Krankenhaus für die Organisation des Büchereibetriebes angestellt ist. "Aber es läuft gut und so kommt durch diese zweimal jährlich stattfindende Verkaufsaktion eine ganz schöne Summe zusammen".

Tagsüber ist sie dabei mit ihrem Team im Einsatz, nachts "kassieren" die Mitarbeiter von der Pforte. Denn auch dann herrscht mitunter Betrieb – seien es Patienten, die nicht in den Schlaf finden, oder Mitarbeiter, die kurz vorbeischauen.

Rieger hat das Jahr über ihren Wirkungskreis im Kellergeschoss des Gebäudes zwischen 2000 Büchern, die übersichtlich und nach Themen geordnet in Regalen auf Interessenten warten. Was interessiert denn diese Menschen, die eine gewisse Zeit im Krankenhaus verbringen müssen, am meisten? Rieger muss nicht lange überlegen: "Die Männer leihen sich gern Krimis, Thriller, Reiseführer sowie politische und historische Sachbücher aus, die Frauen historische Romane und ebenfalls Krimis, die auch gerne äußerst blutrünstig sein dürfen. Die jüngere Generation bevorzugt so genannte Couchliteratur, die etwas lustiger und lockerer geschrieben ist", meint die Buch-Expertin.

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Mit einem festen Etat kann Rieger darüber entscheiden, welche Bücher angeschafft werden. Da ist es manchmal gar nicht so einfach, vorherzusehen, welche Titel gut laufen könnten und welche nicht. Ein Volltreffer war auf jeden Fall seinerzeit das Buch "Ich bin dann mal weg", in dem Hape Kerkeling seine Erfahrungen vom Pilgern auf dem Jakobsweg schildert. Jedes neuangeschaffte Buch wird mit einem Umschlag versehen, katalogisiert und nach jeder Ausleihe desinfiziert. "Zur Zeit stelle ich den Bestand auf EDV um", erzählt Rieger. "Das dauert, da ich sie alle einzeln in die Hand nehmen muss".

Wann die Bücherei gegründet wurde, vermag sie gar nicht zu sagen, es müsse auf jeden Fall weit über 30 Jahre her sein. Die 59-Jährige ist seit 15 Jahren dabei, ihre Vorgängerin war 17 Jahre dort tätig und davor war schon Schwester Bernadette im Einsatz.

"Das Krankenhaus wurde ja früher ausschließlich von Nonnen geführt", sagt Rieger, die eine Ausbildung als kirchliche Bücherei-Assistentin gemacht hat und zusätzlich noch ehrenamtlich in einer Langenfelder Katholischen Öffentlichen Bücherei (KÖB) arbeitet.

Sobald es die Umstände zulassen, wird die 59-Jährige auch wieder mit einem großen Rollwagen voller Bücher jeweils dienstags durch die Stationen ziehen und an sämtliche Türen klopfen, damit die Patienten auf komfortable Weise auch mit geistiger Nahrung versorgt wrden.

Derzeit müssen sich Interessenten noch selbst auf den Weg in das Kellergeschoss machen. Dort werden übrigens nach Absprache auch gerne Spenden für die immer wiederkehrenden Verkaufsaktionen entgegengenommen.

(ref)