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Langenfeld: Kontoauszüge: Leichtes Spiel für Betrüger

Langenfeld : Kontoauszüge: Leichtes Spiel für Betrüger

Bei der Stadt-Sparkasse und weiteren Geldinstituten stehen offene Abfalleimer, in die Kunden immer wieder Kontoauszüge werfen. Die RP holte solche Belege mit bei Betrügern gefragten Informationen heraus.

Sicherlich handelte der Kunde der Stadt-Sparkasse recht unbedarft, als er seinen Kontoauszug nach kurzem Blick auf die Beträge zerriss und in den Abfalleimer warf. Aber das Langenfelder Geldinstitut verleitet geradezu zu solch einem Leichtsinn, steht der offene Papierkorb doch direkt neben dem Drucker, der die Belege ausspuckt. Ein Ganove, der für seine Betrugsmasche Namen und dazu passende Kontodaten benötigt, hat so leichtes Spiel: Er muss kein Meisterpuzzler sein, um die Schnipsel wieder zusammenzufügen. Die RP hatte mit einem einzigen Testgriff in den Sparkassen-Eimer die für eine Abzocke nötigen Informationen mehrerer potenzieller Opfer schnell zusammen. Auf Anfrage kündigte Sparkassendirektor Dirk Abel gestern an, die Sicherheitsvorkehrungen in dieser Hinsicht zu verbessern.

Was auch dringend angeraten ist. Das Risiko eines Kontoauszugs in fremder Hand dürfe nicht unterschätzt werden, bestätigte Markus Feck. Der Finanzjurist der Verbraucherzentrale NRW wies darauf hin, dass ein Betrüger mit den Kontodaten "beispielsweise über das Internet eine Zahlung per Lastschrift veranlassen könnte". Bei etlichen Warenbestellungen in Online-Shops sei dies möglich und bei Angabe einer nur vorübergehend eingerichteten Lieferadresse könnte der Betrüger mitsamt seiner Beute längst verschwunden sein, bevor ein Schwindel auffliegt. Alternativ könnte ein Betrüger nach Fecks Angaben auch Beträge bis 50 Euro per Lastschrift auf ein eigenes - in aller Regel außerhalb Deutschlands eingerichtetes - Konto abzweigen. Dass sich diese Masche auch bei kleineren Summen lohnen kann, zeigt ein bundesweiter Lastschriftbetrug aus dem vergangenen Jahr: Zwei Niederländer hatten von Konten in ganz Deutschland unberechtigt jeweils 19,95 Euro mit dem Verwendungszweck "Mobile App" abgebucht und so mindestens 1,7 Millionen Euro ergaunert.

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Ein Blick in weitere Langenfelder Geldinstitute ergab gestern ein uneinheitliches Bild. Wie in der Stadt-Sparkasse steht auch in der Filiale der Volksbank ein offener Papierkorb direkt neben dem Kontoauszug-Automaten. Bei der Commerzbank befindet sich in der Nähe des Druckers ein Abfalleimer mit Klappe, während bei Santander-Bank und bei der Deutschen Bank offene Behälter in der Schalterhalle und somit zumindest tagsüber im Blickfeld der Angestellten platziert sind. Allein bei der Targo-Bank gibt es gar keinen Abfalleimer.

Sparkassendirektor Dirk Abel räumte gestern Handlungsbedarf ein, als ihn die RP auf den offenen Eimer mit Kontoauszügen in dem von der Schalterhalle abgesetzten Vorraum ansprach. "Die stehen dort, damit keine Getränkedosen, Taschentücher oder anderer Müll auf dem Boden rumliegen. Grundsätzlich sind wir bislang davon ausgegangen, dass niemand mit gesundem Menschenverstand dort seine Kontoauszüge hineinwirft."

Weil dies nachgewiesenermaßen aber immer wieder passiert, versprach Abel, Abhilfe zu schaffen. "Auch wenn es solche Betrugsfälle bei uns - toi, toi, toi! - noch nicht gab: Die offenen Eimer direkt neben dem Drucker sind wirklich nicht günstig. Wir nehmen die Anregung der RP auf und werden in diesem Raum jetzt doch besser Behälter mit Deckel aufstellen." So werde der Griff nach den Schnipseln zumindest erschwert. "Außerdem werden wir am Drucker im Display und mit Klebeschild davor warnen, die Kontoauszüge dort wegzuwerfen."

(RP)