Monheim: Koloss aus Stahlbeton für das Abwassernetz

Monheim : Koloss aus Stahlbeton für das Abwassernetz

Die Installation des insgesamt 36 Tonnen schweren Kanalschachts sorgte für Aufsehen rund um die Großbaustelle an der Krischerstraße.

Wolfgang Buth schaut auf seine Wasserwaage und nickt zufrieden. Die Abmessungen stimmen. Der neue Kanalschacht liegt ebenerdig in der etwa sechs Meter tiefen Baugrube, die seit Wochen in der Stadtmitte klafft. Die Versenkung des rund vier Meter breiten, fünf Meter langen und drei Meter hohen Sechsecks aus Stahlbeton ist ein Meilenstein auf dem Weg zur neuen Krischerstraße. Die Arbeiten am Abwassersystem sind notwendig geworden, weil die alten Kanäle unter Gartzenweg, Alte Schulstraße und Krischerstraße chronisch überlastet waren. Das soll sich durch den neuen Kanalschacht mit deutlich höherer Kapazität ändern.

"Wir können jetzt von drei Seiten aus weiterbauen", meint Schachtmeister Buth von der verantwortlichen Baugesellschaft Wilhelm Fenners aus Neukirchen. "Als nächstes werden Rohre und Leitungen verlegt." Durch Anlieferung und Installation des neuen Knotenpunktes, der in einigen Monaten unter dem noch zu bauenden Kreisverkehr liegen wird, sei ein weiterer wichtiger Schritt für die Kanalarbeiten getan. "Bisher läuft alles nach Plan", freut sich der Tiefbauer. Mit einem Schwertransporter kam der rund 36 Tonnen schwere Koloss aus Stahlbeton gegen 7 Uhr morgens in Monheim an.

Ausgangspunkt der schwerfälligen Reise waren die Caspar Hessel Betonwerke in Dortmund. Für den Kran, der eine maximale Traglast von 120 Tonnen hat, war das Anheben und Senken des sechseckigen Schachts kein Problem. Ohne Verzögerungen konnte der Rohling im Erdreich versenkt werden. "Nun werden Leitern und Gerinne eingebaut sowie die Leitungen angeschlossen", erklärt Rainer Fester, der in der Stadtverwaltung Abwasser und Hochwasserschutz zuständig ist. Die neuen Rohre haben einen Durchmesser von 1,50 Metern. Sie werden vom neuen Kanalschacht aus sternförmig unter den jeweiligen Straßen verlegt. "Insgesamt liegen wir voll im Zeitplan", sagt Michael Thiemann aus dem Bereich Bauwesen. "Bis zum Stadtfest Anfang Juni sollten zumindest die Kanalarbeiten weitgehend abgeschlossen sein." Dafür gibt es eine Klausel im Vertrag mit der ausführenden Baufirma. Pünktlich zur großen Western-Party in der Innenstadt soll die Baustelle geräumt, abgedeckt und zugeschüttet sein. Nach dem Fest folgen dann die Arbeiten an der Oberfläche. Rathausplatz und die Kreuzung zwischen Krischerstraße, Alte Schulstraße und Gartzenweg werden neu gestaltet. Hinzu kommt ein kleiner Kreisverkehr an dem Knotenpunkt.

Was für Wolfgang Buth und seine Arbeiter Routine ist, sorgt am Mittwochmorgen für einiges Aufsehen rund um die Baustelle. Manche Passanten dokumentieren das Geschehen mit ihrer Kamera. "Wahnsinn", meint ein älterer Herr, nachdem er die rund 21 000 Euro teure Betonkonstruktion in Augenschein genommen hat. "Das Ding ist ja fast so groß wie ein Einfamilienhaus." Das ist freilich übertrieben, aber spannend ist die Operation an der Hauptverkehrsader allemal. Immer wieder bleiben Fußgänger und Radfahrer stehen. "Wenn die halbe Innenstadt umgegraben wird, dann will man als Ur-Monheimerin auch sehen, warum das so ist", sagt Gertrud Anstatt und wirft einen Blick in die Baugrube: "Das ist tatsächlich ein beeindruckender Brocken."

(RP)
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