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Monheim: Kölner Jungfrau kommt aus Monheim

Monheim : Kölner Jungfrau kommt aus Monheim

Axel Busse tanzte früher bei den Altstadtfunken, noch für gut drei Wochen tourt er mit Prinz und Bauer durch die Säle..

Mit Stolz im Herzen blicken in diesen Tagen die Altstadtfunken nach Köln: "Einer, der bei uns seinen karnevalistischen Ursprung hat, hat es bis zum Repräsentanten des Kölner Karneval geschafft," erklärt ihr Sprecher Torsten Schlender. Der Monheimer Axel Busse verkörpert in dieser Session "Ihre Lieblichkeit", die Jungfrau im Kölner Dreigestirn. Bis 1989 wirkte Busse als Tanzoffizier bei den Altstadtfunken mit, das Tanzen im Karneval ist erklärtermaßen seine Leidenschaft.

Diese Passion führte ihn auch 1993 zur Karnevalsgesellschaft "Schnüsse Tring" in Köln-Ossendorf. Der Name geht auf ein Lied des Heimatdichters Joseph Roesberg zurück, der darin das selbstbewusste Dienstmädchen Katharina besingt. "Kammerdiener" und "Kammerkätzchen" heißt folgerichtig die Tanzgarde, bei der Busse jahrelang seine Beine geschwungen, Damen gehoben oder geworfen hat.

Nachdem er dann im fortgeschrittenen Alter, bei nachlassender Dehnbarkeit, aus der aktiven Gruppe ausgeschieden war, verantwortete er zunächst die Ausbildung der jungen Tänzer. Seit 2010 leitet er die große Tanzgruppe. "Wir sind eine der ältesten Tanzgruppen in Köln", sagt Präsident Achim Kaschny stolz, "unsere Kleinen haben schon zweimal den Colonaden-Pänz-Pokal gewonnen." Ihr Erfolg sei Busses Handschrift.

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Weil die Schnüsse Tring 2012 ihr 111. Bestehen feierte, war sie berufen, das Dreigestirn zu stellen. "Die Finanzierung muss stehen und die Mannschaft muss stimmen", benennt Kaschny die Voraussetzungen. "Die Kriterien waren für mich klar: Man muss sofort sehen, wer, wer ist: Die Rollen müssen passen", sagt der "Königsmacher". Prinz Ralf Görres sei ein richtiger Sonnyboy, ein "Prince Charming", Bauer Dirk Königs wirke sehr stattlich und na ja, eben robust, und Axel Busse sei "doch sehr hübsch".

Und die drei müssen altersmäßig zusammenpassen und "echte Fründe" sein, die die Gewähr bieten, dass sie die anstrengende Session ohne Knatsch und Dissens durchstehen. "Als ich meinen engsten Vertrauten und Berater Axel Busse fragte, ob er die Krone nehmen würde, sagte er: ,Das neue Auto kann warten, aber einmal die Jungfrau zu sein, nichts anderes, sondern die Kölsche Jungfrau, das wäre etwas, das wäre ein Lebenstraum'", zitiert Kaschny den Monheimer im Sessionsbericht. Sein Pseudonym Katharina bezieht sich natürlich auf die Namensgeberin der Gesellschaft.

Über die Finanzierung des "Projektes 13" redet Kaschny nicht, nur so viel, dass man die Last gemeinsam trägt. Vier Jahre lang mussten der Präsident und seine Kandidaten eisern schweigen, und auch um viele andere Aspekte der Kür wird ein Geheimnis gemacht. Was die Kandidaten in der Vorstellung vor dem Festkomitee gaben, und wie sie den Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters, der das letzte Wort hat, beim sogenannten Nickabend überzeugten. Der fand in der LVR Anna-Freud-Förderschule statt, um das soziale Engagement des Dreigestirns zu unterstreichen.

Passend zum Kölner Motto "Fastelovend em Blot — he un am Zockerhot" haben die drei ein eigenes Lied mit dem Titel "Karneval em Bloot" aufgenommen, das rhythmisch sehr am Samba orientiert ist. Der Kölner Musikproduzent Jürgen Fritz hat es komponiert. Der Verkaufserlös soll zwei Jugendprojekten in Köln und in Rio de Janeiro zufließen. Das Video (youtube) dazu vermittelt einen schönen Eindruck von Busses komödiantischem Talent und dem kumpelhaften Miteinander der drei.

Bisher hat Kaschny kaum einen Auftritt "seines" Dreigestirns verpasst. "Sie kommen wegen ihrer Natürlichkeit sehr gut an: Der Bauer springt sehr wehrhaft über die Bühne, während die Jungfrau tänzelt und lächelt." Ihm ist wichtig, dass das Dreigestirn bei seinen Auftritten keine stereotypen Versatzstücke seiner Reden abliefert, sondern sich auf jeden Gastgeber vorbereitet. Jeder Auftritt ein Unikat ist die Herausforderung, der man sich stellt.

"Wenn das Dreigestirn auf die Bühne betritt, soll keiner aufs Klo gehen — weil man zu wissen glaubt, was einen erwartet", sagt Kaschny. Immerhin absolviert das Dreigestirn 370 Auftritte in sechs Wochen — der zweitkürzesten Session in diesem Jahrhundert.

(RP/rl)