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Langenfeld: Klinik Galkhausen führte in den Tod

Langenfeld : Klinik Galkhausen führte in den Tod

Gedenkfeier auf dem Gelände der LVR-Klinik erinnerte an mehr als 2300 "Euthanasie"-Opfer zwischen 1941 und 1945.

Der dunkle Schatten aus der Zeit des Nationalsozialismus liegt für immer über der Langenfelder LVR-Klinik. Beim staatlich organisierten Massenmord an Psychiatrie-Patienten hatte die damalige Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Galkhausen eine Schlüsselrolle inne. Sie diente für die so genannten Euthanasie-Morde ab 1941 als "Zwischenanstalt" auf dem Weg in die Gaskammer. "Das ist etwas, was man niemals vergessen darf", sagte Klinikvorstand Holger Höhmann gestern anlässlich des bundesweiten Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus. Bei der mahnenden Erinnerung in der Klinikkirche rief er zum "Respekt vor den Opfern der verbrecherischen Psychiatrie" auf.

 Dieses Bild von 1943 zeigt einen Zugtransport von Patienten der damaligen "Zwischenanstalt" Galkhausen (heute: LVR-Klinik Langenfeld) in die Klinik Wiesengrund im Sudetenland (heute Tschechien). Pflegepersonal (laut Stadtarchiv im linken Fenster Herr Hellingrath, Minna Mohr, Alois Henschel, rechts Gertrud Flegl, Herr Moritz, Franziska Witt) begleitete den Zug. Das Foto entstand während des Aufenthaltes in Nürnberg.
Dieses Bild von 1943 zeigt einen Zugtransport von Patienten der damaligen "Zwischenanstalt" Galkhausen (heute: LVR-Klinik Langenfeld) in die Klinik Wiesengrund im Sudetenland (heute Tschechien). Pflegepersonal (laut Stadtarchiv im linken Fenster Herr Hellingrath, Minna Mohr, Alois Henschel, rechts Gertrud Flegl, Herr Moritz, Franziska Witt) begleitete den Zug. Das Foto entstand während des Aufenthaltes in Nürnberg. Foto: Stadtarchiv langenfeld

Von Galkhausen aus waren Patienten auch aus anderen rheinischen Einrichtungen in Sammeltransporten unter anderem in die damalige Tötungsanstalt im hessischen Hadamar gebracht worden. Die Langenfelder Zwischenanstalt diente dazu, den Massenmord zu verschleiern. Von April bis August 1941 wurden 870 als geisteskrank eingestufte Menschen von dort nach Hadamar transportiert, sagte Chefärztin Jutta Muysers. "Nach der Ankunft wurden sie noch am selben Tag umgebracht."

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Doch auch die Zustände in der Galkhausener Klinik selber seien in jener Zeit verheerend gewesen, ergänzte Pflegedirektorin Silke Ludowisy-Dehl. Die Patienten seien nicht nur medizinisch schlecht versorgt worden, sondern hätten auch hungern müssen. "In ungeheizten Sälen wurden sie zusammengepfercht." Etwa 100 Menschen seien damals jährlich in Galkhausen gestorben.

Vor durchlaufenden Dias aus Hadamar, die den sauber gekachelten Tötungskeller und den Sezierraum für die Hirn-Entnahme in ausgewählten Fällen zeigten, regten in der Klinikkirche junge Leute zum Nachdenken an. Jana Junske und Oliver Deus ("Was uns da wohl erwarten wird?") aus der Gesundheits- und Krankenpflegeschule trugen auf eindringliche Weise Gedanken vor, die sie und ihre Mitschüler bei einer Exkursion nach Hadamar bewegt hatten. Personalrat Norbert Schätzer informierte ergänzend darüber, wie Pflegekräfte und Mediziner in das Tod bringende System eingebunden waren.

Pfarrer Winfried Schwarzer stellte die Frage in den Kirchenraum, wie sich die heute in der Langenfelder LVR-Klinik beschäftigten Mediziner und Pflegekräfte wohl verhalten hätten, wenn sie gut sieben Jahrzehnte vorher dort gearbeitet hätten. Diese Kernfrage müsse jeder für sich selber beantworten. Nachdrücklich wies Schwarzer auf die im deutschen Grundgesetz als unantastbar garantierte Menschenwürde und das Recht auf Unversehrtheit hin. Diese müssten auch bei geistig behinderten Patienten jederzeit gewahrt sein. "Die Insassen der damaligen Zwischenanstalt Galkhausen wurden nicht wie Menschen, sondern als Objekte behandelt." Sie wurden zwangssterilisiert und zumeist sich selber überlassen.

Nicht nur in Hadamar wurden Patienten aus der Langenfelder Klinik umgebracht. Nach einem Appell des Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, wurde am 24. August 1941 zwar die Einstellung der so genannten "T4-Aktion" angeordnet, doch damit war das Morden von psychisch Kranken und Behinderten nicht beendet. In der später als "wilde Euthanasie" bezeichneten zweiten Phase der Vernichtung wurden mehr Kranke umgebracht als in der ersten. Allein aus Galkhausen wurden etwa 1500 Kranke in Ostgebiete verlegt, von denen kaum einer überlebt hat. Stellvertretend für sie alle lasen Jana Junske und Oliver Deus mit ihren Mitschülern am Gedenkstein die Namen von 24 Euthanasie-Opfern vor und entzündeten 24 Kerzen.

(RP)