Osterbräuche Karsamstagsratschen: Klappern, wenn die Glocken schweigen

Osterbräuche Karsamstagsratschen: Klappern, wenn die Glocken schweigen

Ab heute Abend verstummen für zwei Tage die Kirchenglocken. Mancherorts unterbricht dann Ratschen die Stille - so auch in Reusrath.

Langenfeld Es ist schon ein ungewöhnliches Bild, wenn am Karsamstag die Ministranten der Langenfelder Gemeinde St. Josef und Martin in Reusrath lärmend von Haus zu Haus ziehen. "Viele Menschen freuen sich auf uns und warten nur darauf, dass wir ihnen unseren Segenspruch aussprechen", sagt Daniel Klaas (24), einer von insgesamt fünf Jugendleitern des Kirchturms St. Barbara. "Aber es gibt auch Menschen, die vielleicht neu dazu gezogen sind, die den Brauch nicht kennen und denen wir das dann gerne erklären." Gemeint ist das Osterklappern am Karsamstag, auch Ratschen genannt.

Der Überlieferung nach fliegen die Kirchenglocken heute Abend nach Rom. Beginnend mit dem Gründonnerstag, Tag des letzten Abendmahls und Vorabend der Kreuzigung, schweigen die Glocken an den Tagen, die den Leidensweg kennzeichen. Erst zur Osternachtsmesse, zur Auferstehung Jesu, läuten sie wieder. Doch die Messdiener laufen - seit mehr als 500 Jahren - schon vorher los, um die frohe Botschaft kundzutun.

Anfänglich aus ganz praktischen Gründen, wie Klaas erklärt: "Die Menschen richteten ihren Alltag nach den Kirchenglocken." Das Geläut fungierte demnach auch als Wecker - und weil dieser an den Kartagen ausfiel, übernahmen die Ministranten diese Funktion. "In der Moderne geht es darum, den Ostergruß zu überbringen und den Menschen damit eine Freude zu bereiten."

Etwa zehn Messdiener von der St.-Barbara-Kirche in Reusrath laufen jedes Jahr mit. Fünf Jugendleiter, darunter Viktoria Mertin (19), Sandra Güldenmeister (18) und Lea Schumacher (18), begleiten sie. Die Neun- bis Vierzehnjährigen, berichtet Klaas, freuen sich auf das Osterklappern. Lange Vorbereitungen gebe es nicht. "Sie sind voll dabei und finden es toll, mit den Ratschen für Lärm zu sorgen." Am Anfang koste es die Jüngeren schon noch Überwindung, bei wildfremden Menschen zu klingen. "Aber bislang wurden wir immer freundlich empfangen."

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Manchmal erhalten die Ministranten bei ihrem Besuch Spenden, die dann gesammelt werden und in die gemeinsame Kasse für die Messdienerarbeit fließen, etwa um Ausflüge und Fahrten zu subventionieren. Die Süßigkeiten werden im Anschluss an das Osterklappern, bei einem gemeinsamen Mittagessen, unter den Kindern aufgeteilt. "Doch darum geht es uns nicht", betont Lea Schumacher. "Das erklären wir auch unseren Jugendlichen. Bei dieser Tradition geht es in erster Linie darum, die Osterbotschaft zu übermitteln."

Etwa vier Stunden sind die Messdiener im Ort unterwegs - wobei sie gezielt die Neubaugebiete aufsuchen. "Wir gehen bewusst in diese Siedlungen, um den alten Brauch bekannter zu machen." Denn in Langenfeld sind die Reusrather Katholiken die einzigen, die an dieser Tradition festhalten. "Ich halte es für eine schöne Sache", sagt Viktoria Mertin. "Weil wir damit die Osterbotschaft nicht nur im geschlossenen Kreis feiern, sondern raus in die Welt tragen."

Zudem sei es eine gute Gelegenheit, öffentlich zu zeigen, dass die Jugend in der Kirche aktiv ist, betont die 19-Jährige. "Und nebenbei einen netten Gruß zu überbringen, das hat noch niemandem geschadet."

(RP)