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Monheim: Kirchen kritisieren Aushöhlung der Sonntagsruhe

Monheim : Kirchen kritisieren Aushöhlung der Sonntagsruhe

Im Ratssaal diskutierte Weihbischof Schwaderlapp mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gewerkschaften.

Beim Blick auf den Sonntag ist dem Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp etwas aufgefallen: "Wenn sich heute Menschen treffen wollen, zücken alle erstmal ihre Terminkalender. Früher konnte man sich darauf verlassen, dass die Sonntage grundsätzlich frei waren." Der Geistliche diskutierte jetzt mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften im Monheimer Ratssaal über die Frage "Sonntagsruhe - ein frommer Wunsch oder Relikt der Vergangenheit?" .

Eingeladen zu der Podiumsdiskussion hatte der kirchliche Aktionskreis "Ohne Sonntage gibt's nur noch Werktage". Vor rund 60 Zuhörern führte Werner Eichhorst (Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit) ins Thema ein. Die "24-Stunden-Digital-Gesellschaft" führe dazu, dass jeder vierte Deutsche gelegentlich, jeder siebte sogar regelmäßig an Sonntagen arbeitet, berichtete der Wissenschaftler. Hans-Dieter Clauser von der CDU-Mittelstandsvereinigung wies darauf hin, dass Sonntagsarbeit durchaus ihre Reize habe. Als Beispiel nannte der Langenfelder seine eigene Firma, die - zur Freude der Betroffenen - bei Auslandseinsätzen in Südeuropa zwei Wochen am Stück gut bezahlt arbeiten lasse und den Fachkräften anschließend eine Woche freigebe. Arbeitnehmer könnten in ihrem Vertrag Einfluss auf Sonntagsarbeit nehmen, sagte Clauser. Rainer Pfuhl von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) wies dies als Theorie zurück: "Wer aus der Arbeitslosigkeit kommt, unterschreibt jeden Vertrag".

Folker Küppers-Koll, Ladenschluss-Fachmann der Gewerkschaft Verdi, erinnerte an die Gesetzeslage in der alten Bundesrepublik, als die Geschäfte sonntags grundsätzlich dicht waren. Hinsichtlich der Sonntagsruhe habe bis Mitte der 90er Jahre ein gesellschaftlicher Konsens bestanden, erst danach sei sie immer mehr ausgehöhlt worden, über die unstrittigen notwendigen Bereiche (Feuerwehr, Krankenhäuser, Polizei) hinaus. "Gesellschaftlich notwendig gemeinsame Freizeit setzt Sonntagsruhe voraus, Tage mit offenen Geschäften werden als Werktage wahrgenommen", sagte Küppers-Koll.

KAB-Urgestein Hans-Georg Ibold machte einen Zusammenhang aus zwischen der vermehrten Sonntagsarbeit und der Zunahme psychischer Erkrankungen. Bernd M. Wehner vom katholischen Sozialverband KKV gab zu bedenken: "Ohne Käufer gäbe es Sonntags keine offenen Geschäfte". Ihn stört nach eigenem Bekunden besonders die Salami-Taktik: Erst zwei offene Sonntage, dann vier, demnächst vielleicht acht. "Wenn Sonntagsarbeit allmählich normal wird, gibt es auch keine Zuschläge mehr."

Eine Zuhörerin, die im Sauerland aufwuchs, erinnerte sich an ein echtes Relikt: "Wir durften sonntags nur auf dem Feld arbeiten, wenn der Pastor das jeweils erlaubt hatte".

(mmo)