Langenfeld: Kantorin will mit Musik Menschen heilen

Langenfeld : Kantorin will mit Musik Menschen heilen

Esther Kim will seit einer Notoperation mit ihrer Musik Menschen Heilung bringen.

Esther Kim kam mit 24 Jahren nach Deutschland und blieb. Dabei wollte sie eigentlich nach zwei oder drei Jahren zurück in ihr Heimatland Korea. Doch Deutschland wurde ihr neues Zuhause. Die Musik war der Grund, warum sie kam und auch der, warum sie nicht wieder ging.

"Nach meinem Musikkompositionsstudium in Seoul wollte ich gerne andere Kompositionsbereiche kennenlernen", sagt die heute 48-jährige Kim. Sie lernte in Düsseldorf Professor Oskar Gottlieb Blarr kennen, bei dem sie ihr Orgelspiel verbesserte und die Vielseitigkeit der deutschen Kirchenmusik kennenlernte. "Ich war von dieser Vielfalt so begeistert und studierte in Düsseldorf schließlich noch evangelische Kirchenmusik." All das bezeichnet sie rückblickend als den Beginn ihrer kirchenmusikalischen Karriere.

Ihre erste Stelle trat sie dann 1999 als Kantorin der Erlöserkirche an und ist dort bis heute in dieser Funktion tätig. "Ich denke, dass jeder Mensch eine Lebensaufgabe hat. Meinen persönlichen Lebenssinn sehe ich in der musikalischen Welt in Deutschland", erklärt Esther Kim.

Während ihres 15-jährigen Schaffens in der Erlöserkirche hat sie einiges erreicht: Sie baute neben der klassischen Kantorei 2000 den Jugendchor und 2001 den Modernchor auf. Mit ihren Konzertprogrammen fährt sie sowohl eine klassische als auch moderne Linie. "Die klassische Musik ist eigentlich mein Gebiet. Aber auch andere Musikrichtungen berühren die Menschen. Warum sollte ich mich also vor ihnen verschließen?"

Schließlich hat es für sie auch oberste Priorität, dass die Musik nicht nur in die Ohren der Menschen dringt. "Sie muss mitten in ihre Seelen hineingehen. Die Musik soll den Menschen Heilung bringen". Das ist Esther Kims erklärtes Ziel und das noch mehr seit August dieses Jahres.

Im August musste sie notoperiert werden, da sie sehr viel Blut verloren hatte. "Als ich eine Bluttransfusion bekam, spürte ich mit jedem Tropfen neuen Blutes, wie das Leben in mich zurückkehrte. Wie bei einer vertrockneten Blume, die endlich wieder Wasser bekommt. Es war ein unbeschreibliches Gefühl", berichtet die Kantorin. Als sie dann drei Wochen später, wieder genesen, den ersten Ton auf dem Klavier anschlug, sei dieses unfassbare Gefühl wieder da gewesen.

Seit diesem Erlebnis ist die Arbeit mit ihren Chören eine andere, denn gemeinsam mit ihnen versucht sie neue Klangfarben zu entwickeln, damit sie ihren unbedingten Wunsch verwirklichen kann: "Dieses Gefühl von damals soll mit der Musik transportiert werden. Die Musik soll die Menschen so erreichen und berühren, dass in ihrem Inneren eine vertrocknete Blüte aufgeht."

Ob ihr das gelänge, wisse sie zwar nicht. Aber versuchen will sie es in jedem Fall. Esther Kim ist eine passionierte Frau, die immer wieder von der Musik angetrieben wird.

Die Leidenschaft, die sie hat, fehlt ihr bei der Kirche ein Stück weit. Für sie sei es kein Wunder, dass die Bedeutung der Kirche derzeit abnehme: "Die Kirche versteht es nicht mehr, den Glauben weiterzutragen. Ihre Berufung ist irgendwie verloren gegangen", sagt Kim. Das hindert sie jedoch nicht daran, ihren Weg weiterzugehen.

Matthias Krella, Kantor der katholischen Gemeinde, kooperiert mit Kim. "Das gesellschaftliche Ansehen der Kirche ist nicht besonders hoch. Da muss die Kirche etwas zu bieten haben und das geht am besten, wenn man sich zusammentut."

(aks)