Langenfeld: Kabel-TV jetzt auch von den Stadtwerken

Langenfeld : Kabel-TV jetzt auch von den Stadtwerken

Die Programmeinspeisung über Turbo-Datenleitungen soll 3D-Fernsehen ermöglichen und später sogar "4D".

Mehr als drei Meter misst die neue Satellitenschüssel auf dem Dach der Stadtwerke-Zentrale im Berghausener Gewerbegebiet Fuhrkamp. "3,20 Meter im Durchmesser", sagt Geschäftsführer Kersten Kerl stolz. "Mit Heizung, damit wir auch bei Schneefall problemlos gut 500 Programme über Astra und Eutelsat empfangen können." Nicht für die Stadtwerke und ihre 90 Mitarbeiter, sondern für möglichst viele Langenfelder Privathaushalte. 70 Prozent von ihnen will der Kommunalversorger in den "nächsten zwei bis drei Jahren" einen Anschluss bieten ans im Aufbau befindliche digitale Hochgeschwindigkeitsnetz. "Das beinhaltet nicht nur Internet und Telefonie, sondern auch Fernsehen", sagt Kerl.

Über die Riesenschüssel gelangen die Programme ins Turbo-Netz. Auffälligster Vorteil laut Kerl: Die Haushalte, die sich für ein "Fernsehpaket" der Stadtwerke entscheiden, brauchen keine eigene Satellitenschüssel mehr. "Für den Kunden ist aber natürlich noch mehr drin: riesige Programmauswahl, Zusammenstellung einer eigenen Videothek, 3D-TV." Perspektivisch spricht der Stadtwerke-Chef sogar vom "4D-Fernsehen". Damit ist weniger "Wind" oder "Schneefall" gemeint, womit Freizeitpark-Kinos aufwarten, als vielmehr "fernsehen" über eine Datenbrille. Die blendet virtuelle Objekte in den realen Raum ein und vollzieht mit, wie sich ihr Träger bewegt. Neben Videospielen ist laut Kerl mit dieser Technik vieles denkbar, von der "Dia-Show" mit Bildern im Raum bis hin zur Raumverschönerung durch "virtuelle Tapeten".

Zunächst geht es aber um normales Digital-TV. Drei "Pakete" wollen die Stadtwerke anbieten: Basic, Premium HD und mit Sky. "Die Preise werden zwischen 40 und 70 Euro monatlich liegen", sagt Kerl. Starten soll die Einspeisung in den Neubaugebieten in Berghausen, dessen größtes an der B 8 (Blumentopf) ab diesem Frühjahr realisiert wird.

Dringlicher als das "TV der Zukunft" dürfte für die Mehrheit der Haushalte und Unternehmen indes das Turbo-Internet als Kommunikationskanal sein, etwa fürs Home-Office. Zwölf Kilometer eigene Glasfaser- sowie Kupferleitungen ab Kabelverzweigern der Telekom haben die Stadtwerke nach eigenen Angaben bereits verlegt. 2015, im zweiten Jahr des Breitband-Ausbaus, sollen weitere zwölf Kilometer hinzukommen. Schwerpunkte sind Wiescheid und Berghausen sowie die Gewerbegebiete Fuhrkamp, Langenfeld-Ost, Reusrath-Nord/West sowie Hansa- und Hausinger Straße. Für Privathaushalte ermöglicht das Turbo-Netz Übertragungskapazitäten von bis zu 150 Megabit pro Sekunde, für Betriebe bis zu 500 Mbit/Sek. "In Wiescheid wurde so die Leistung verzehnfacht", sagt Kerl. Mit der Nachfrage nach Anschlüssen zeigt er sich zufrieden: "Wir haben 340 abgerechnete Kunden und 560 mit abgeschlossenem Vertrag", also solche, die nach Ablauf der Kündigungsfrist Kunde werden. Den Umsatz mit Breitband beziffern die Stadtwerke für 2014 mit knapp 154 000 Euro, für 2015 sind 580 000 Euro geplant. Für den Ausbau des Glasfasernetzes haben sie bis 2020 30 Millionen Euro veranschlagt.

Die Unitymedia NRW GmbH, Konkurrent beim digitalen Kabelfernsehen, verfolgt die Pläne der Stadtwerke "mit Interesse", wie ein Sprecher des Unternehmens gestern auf Anfrage mitteilte. "Wir sind überzeugt, unseren Kunden in Langenfeld auch in Zukunft das attraktivste Gesamtpaket bieten zu können." Bereits jetzt hätten diese Zugang zu Inhalten aus der Unitymedia-Videothek. Ebenfalls möglich seien, abhängig von der Set-Top-Box, Aufzeichnungen und zeitversetztes Fernsehen. 3D-Inhalte würden derzeit jedoch nicht angeboten.

(RP)
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