Langenfeld: Junge Künstler zeigen schräge Ideen

Langenfeld: Junge Künstler zeigen schräge Ideen

Die dritte "Nacht der Jugendkultur" in der Stadthalle bot ein Potpourri an kreativen Einfällen - aus den Sparten Malerei, Fotografie, Musik-Performances und Theater.

Es ist stockduster im kleinen Saal der Stadthalle. Ein kleiner Bereich des abgedunkelten Raums ist mit Vorhängen abgetrennt. Ein halbes dutzend Menschen steht in der Finsternis. Sie tragen merkwürdige Geräte auf dem Kopf. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie ein Kopfhörer. Bei genauerer Betrachtung fällt außerdem ein kleiner Sensor auf. Diesen richten die zwölf Versuchs-Zweibeiner auf LED-Teelichter. Mit dem Apparat auf ihrem Kopf wollen sie Licht hörbar machen.

Die Demonstration des "Optokopplers" war Teil der dritten "Nacht der Jugendkultur", die jetzt in Langenfeld stattfand. Zweifellos ein interessantes Erlebnis. Hinter dem Gerät stecken die beiden Studenten Birk-André Hildebrandt und Valeska Klug. Die beiden studieren Theaterwissenschaften in Bochum und setzen die von ihnen entwickelten Kopfhörer mit "Aha-Effekt" ein, um eine Schnittstelle zwischen Optik und Akustik zu schaffen. "Das ist auf der einen Seite ein spannender Effekt", sagt Hildebrandt. "Aber die Aktion hat auch einen weltwirtschaftlichen Hintergrund."

Gemeint ist damit die Tatsache, dass in vielen LED-Teelichtern der ersten Generationen Soundchips von Grußkarten verbaut sind, um den Flackereffekt zu erzeugen. Einige Besucher staunen nicht schlecht, als sie unter anderem Beethovens "Für Elise" zu hören bekommen, wenn sie den Sensor auf die Leuchten richten. "Vor einigen Jahren war der Weltmarkt überschwemmt mit diesen Soundchips und ihr Preis war dementsprechend niedrig", erklärt der 27-Jährige.

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Um ein möglichst authentisches Flackern ihrer Produkte zu gewährleisten, seien die Hersteller der elektronischen Lichter auf die Idee gekommen, diese kostengünstige Steuerung in ihren Produkten zu verbauen. "Nun werden keine akustischen, sondern optische Signale damit gesteuert - und wir machen sie wieder hörbar." Theoretisch sei aber auch das Sonnenlicht mit ihrem Gerät hörbar, sagt der Student. "Es wandelt sämtliche Lichtwellen in Klänge um."

Das Lichthören war nur eine von vielen schrägen Ideen, die bei der "Nacht der Jugendkultur" in der Stadthalle ihren Platz fanden. Die polnische Künstlerin Adriana Wieczorek zum Beispiel zeigte ihre abstrahierten Gemälde, eine Schauspielgruppe führte Kurzstücke von Elfriede Jelinek auf, und der Langenfelder Julian Pache präsentierte seine Fotografien. Letzter ist auch Mitglied im "Kollektiv Artgerecht", das die Nacht der jungen Kunst organisiert. Außerdem dabei sind sein Bruder David, Julian Klein und Mattias Engling, der inzwischen ebenfalls Theaterwissenschaften in Bochum studiert und den Abend in der Stadthalle moderierte - mit einem Lampion auf dem Kopf. Was die Jugend mit ihrer Kunst ausdrücken will, vermag er nicht genau zu definieren. In vielen Bereichen seien es eher spielerische Ansätze, die Denkanstöße liefern sollen, erklärt Engling. "Wir wollen aus den gewohnten Kontexten ausbrechen und ganz frei unsere Ideen präsentieren - gerne auch losgelöst von politischen Inhalten oder gesellschaftskritischen Botschaften", meint der 24-Jährige. Das macht die vierköpfige Gruppe unter anderem mit Tupperware. Die beliebten Boxen zur Aufbewahrung von Speisen sind ein Leitmotiv des Abends. Sie fliegen auf den Fotografien von Julian Pache durch die Luft oder spielen die Hauptrolle in kleinen "Stop-Motion"-Filmen, die über die Displays eingerahmter Tablets flimmern.

Bei den Besuchern kommt die junge Kunst gut an. "Ich wollte mir ansehen, was die Jugend so auf die Beine stellt - und bin überrascht von der kreativen Vielfalt", meint etwa Josef Schneider. Vor allem der Optokoppler hat dem 58-Jährigen nach eigenem Bekunden gefallen. "Das ist auf der technischen Seite eine gute Idee, und die Geschichte dahinter ist interessant. Ich denke, dass die Kunst der Zukunft deutlich multimedialer wird. Vielleicht ist die Ausstellung bereits ein Vorgeschmack darauf."

(dora)
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