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Langenfeld: Jugendliche simulieren Alkoholrausch

Langenfeld : Jugendliche simulieren Alkoholrausch

Käthe-Kollwitz-Schule ermöglichte ihren Schülern die interaktive Auseinandersetzung mit dem Thema.

In der Turnhalle der Gemeinschaftshauptschule Käthe-Kollwitz haben Schüler an zwei Tagen einen Alkohol-Parcours absolviert, der eine reflektierte Einstellung zum Alkoholkonsum fördern soll. Insgesamt warteten fünf Stationen auf die Schüler. Unter anderem gab es die Waage-Station. Für jedes Motiv, Alkohol zu trinken, wurde ein Klötzchen in die Schale gelegt. In die andere Schale kamen die Alternativvorschläge. Also zum Beispiel mit Freunden über Probleme zu reden, anstatt zu trinken.

Seit 2012 gibt es den Alkoholparcours in NRW, der vom Land konzipiert wurde und im Rahmen der Initiative "Sucht hat immer eine Geschichte" angeboten wird. Für alle Schulen, die den Parcours nur für einen Tag in Anspruch nehmen, übernimmt das Land die Kosten. Jeder weitere Tag muss von den Schulen selbst mit 200 Euro getragen werden.

"Mit dem Parcours soll bei den Jugendlichen ein Problembewusstsein geschaffen werden. Am besten bevor sie eigene Erfahrungen mit Alkohol machen", sagte Torsten Ableiter von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Langenfeld der den Kontakt zwischen Land und Käthe-Kollwitz-Schule hergestellt hatte.

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Das Land war in der Käthe-Kollwitz-Schule durch Petra Radtke vertreten. Die 43-Jährige arbeitet bei der Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung (Ginko) und war neben zwei Lehrerinnen der Schule und den Awo-Mitarbeitern Begleitperson beim Parcours. "Das Projekt wird zum ersten Mal an dieser Schule durchgeführt", berichtete Radtke.

Alle Klassen der Käthe-Kollwitz-Schule haben am Parcours teilgenommen. Da sich die Hauptschule derzeit im Auslaufen befindet, waren es nur zwei achte Klassen, eine neunte Klasse und zwei zehnte Klassen, die mitmachten und einiges an den fünf Stationen lernen konnten. Beispielsweise an der dritten Station, der Bio-Station. Dort konnten die Schüler mithilfe von Plastikorganen den menschlichen Körper kennenlernen und erforschen. Bei jedem Organ stellten sie sich erneut die Frage, ob es durch Alkohol beschädigt wird oder nicht. Eine Schülergruppe war sich bei der Leber sofort einig darüber, dass sie durch Alkohol in Mitleidenschaft gezogen wird. Von Referendarin Carolin Bialek erfuhren sie, dass die Leber Alkohol in Fett umwandelt und übermäßiger Alkoholkonsum zu einer Fettleber führen kann.

Alexis Richters plagten derweil ganz andere Sorgen. Er kramte in einem schwarzen Portemonnaie und je länger er das tat, desto verzweifelter wurde er. "So schwer kann es doch wohl nicht sein, 83 Cent 'rauszusuchen", fluchte der 15-jährige Schüler. Wenn man jedoch wie er eine Brille trägt, mittels der ein Rausch simuliert wird, ist die Aufgabe eben doch nicht so leicht. Schon gar nicht, wenn man alles doppelt sieht.

Alexis musste schließlich kapitulieren: "Ich bin wirklich überrascht, denn ich hätte niemals gedacht, dass es so schwer ist", sagte der Achtklässler. Doch es ging nicht ihm allein so - auch den anderen aus seiner Gruppe bereiteten die Aufgaben an der Rausch-Station Probleme. Ein Schloss aufschließen, eine kurze SMS tippen - mit der Brille alles ziemlich kompliziert. Lehrerin Ursula Tumbrägel war begeistert: "Die Schüler setzen sich wirklich mit dem Thema auseinander."

Das taten sie ebenso bei den anderen Stationen, besonders bei der vierten. An dieser wurde das Thema Flirten verhandelt - und wie Alkohol dabei enthemmt. Im Vordergrund stand dabei die Frage, was Schüler in puncto Flirten gut und unangenehm finden. Esna Yavuzyazar wusste sofort, was sie auf den Zettel schreiben sollte. "Der Junge darf mich nicht begrapschen und nicht zu besoffen sein", las sie vor. Awo-Mitarbeiterin Silke Hergl hakte nach und wollte von Esna wissen, was genau das Problem daran ist, wenn ein Junge zu betrunken ist.

(aks)