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Langenfeld: Jugendliche auf dem Schulhof überfallen

Langenfeld : Jugendliche auf dem Schulhof überfallen

Eine Clique von bis zu acht jungen Tätern hat zwei Langenfeldern auf dem KAG-Schulhof Handys und Portemonnaies geraubt. Dabei drohte die Gruppe ihren Opfern mit Teleskop-Schlagstöcken.

Die erste Begegnung verläuft noch gewöhnlich, bei der zweiten wenig später werden Teleskop-Schlagstöcke gezückt. "Kifft ihr", werden die beiden Langenfelder (16 und 17) am Sonntag gegen 19 Uhr auf dem Schulhof des Konrad-Adenauer-Gymnasiums (KAG) von einer Gruppe Jugendlicher – fünf bis acht Leute – gefragt. Die Angesprochenen verneinen, die andere Clique scheint weiter ihres Weges zu gehen. Wenig später kommt die Gruppe zurück und verlangt von dem 16- und dem 17-Jährigen, Handys und Portemonnaies rauszurücken. Schlagstöcke untermauern die Aufforderung, und die Überfallenen tun sofort, was ihnen "befohlen". Schockiert sehen sie den Räubern hinterher. Auf der Polizeiwache können sie gerade mal den Haupttäter beschreiben: männlich, etwa 1,95 Meter groß, osteuropäisches Ausstehen, schlanke Statur, schwarze Weste.

Jugendliche berauben Jugendliche – diese Konstellation passt ins Bild der Statistik. Im Bereich "Straßenkriminalität" ist in Langenfeld jeder zweite Tatverdächtige noch keine 21 Jahre alt. Im vorigen Jahr traf dies auf 54 Prozent der insgesamt 208 ermittelten mutmaßlichen Täter zu (2011: 52 Prozent von 193). Im Bereich "Gewaltkriminalität" zählt gut jeder dritte Tatverdächtige zur Gruppe der "Heranwachsenden" oder "Minderjährigen" (2012: 34 Prozent von 131; 2011: 40 Prozent von 131). Wenn es um Handys geht, sind die Opfer meist ebenfalls jung: jünger oder kaum älter als die Täter.

Jung gegen jung – für diese Raubkonstellation verbreitete sich seit den 1990er Jahren der Begriff "Abzocke". Teure Markenklamotten und Schuhe wurden "abgezockt", also unter Gewaltandrohung weggenommen, später eben auch Handys. Das ist Jugendsprache und klingt verharmlosend. Wie verharmlosend, das zeigt der Überfall von Sonntag: Prügelinstrumente, wie sie den Opfern gezeigt wurden, sind durchaus dazu geeignet, jemanden totzuschlagen.

"Teleskop-Schlagstöcke haben in ihrer besonders gefährlichen Variante nicht nur eine Sprungfeder zum ,Ausfahren', sondern auch einen Stahlkopf", unterstreicht Frank Sobotta von der Kreispolizei die Brutalität dieser Waffe. Deshalb gehören "Totschläger" nach dem Waffengesetz zu den "verbotenen Gegenständen". Privatleute dürfen sie zwar erwerben und besitzen, aber außerhalb der eigenen vier Wände nicht mit sich führen. "Es handelt sich um eine Angriffswaffe, ihr Schlagwucht kann tödlich sein", sagt Sobotta.

Ob die Opfer Schüler des KAG sind, wussten gestern weder Polizei noch Schulleitung zu sagen. Schuldirektor Hans-Joachim Claas verweist darauf, dass das Schulgelände für jeden zugänglich ist, inklusive Durchgangsweg. Ihn könnten die Täter, möglicherweise nach Besuch der nahen Kirmes, genommen haben. "Abzocke" sei grundsätzlich – wie an jeder Schule – auch am KAG ein Thema. In den Klassen und an Elternabenden werde immer wieder mal über Kriminalität gesprochen, auch darüber, wie man sich davor schützen kann. "Am besten ist es natürlich, man hat so ein Smartphone erst gar nicht bei sich. Mit einem älteren Handy-Modell, an dem die Täter kein Interesse haben, lässt sich schließlich auch telefonieren", meint Claas. Doch der Pädagoge weiß auch um den Statussymbol-Charakter der mehrere Hundert Euro teuren Hosentaschen-Computer: "Wenn Papa aufs iPhone 5 aufrüstet, kriegt Sohnemann das Vorgängermodell und will unter seinen Freunden natürlich damit angeben." Von ihrem Prestigewert abgesehen, nehmen Smartphones überdies eine Schlüsselfunktion in der Kommunikation unter jungen Leuten ein. "Manche benutzen es geradezu ständig. Und sie leisten sich das Ding ja nicht, um es zu Hause rumliegen zu lassen", gibt Polizist Sobotta zu bedenken. Deshalb hat er vor allem einen Rat – für den Fall eines Überfalls: "Wer einem gewaltbereiten Täter gegenübersteht, sollte, wenn keine Hilfe in Sicht ist, seine eigene körperliche Unversehrtheit stets stärker gewichten als sein Eigentum."

(RP)