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Langenfeld: Jugend stellt sich auf langes Arbeiten ein

Langenfeld : Jugend stellt sich auf langes Arbeiten ein

Die Rheinische Post hat Jugendliche am Konrad-Adenauer-Gymnasium zum demografischen Wandel befragt.

Vor zwei Jahren befassten sich Schüler des Konrad-Adenauer-Gymnasiums im Rahmen einer Kooperation mit der Stadt mit dem Thema Demografie. Die Rheinische Post nahm dies zum Anlass, eine Umfrage unter den heutigen Neuntklässler zu unternehmen. Thema war das Verhältnis zu den eigenen Großeltern, ihre Haltung zu Senioren im Allgemeinen und ihre künftigen Lebensbedingungen unter dem Einfluss der Überalterung unserer Gesellschaft.

Während der Demografiebericht der Stadt Langenfeld beklagt, die Menschen lebten heute nicht mehr im Familienverbund, gaben immerhin knapp die Hälfte der Befragten an, dass ihre Großeltern in Langenfeld oder im Umkreis von 30 Kilometern wohnen. Elf Prozent haben sogar täglichen Kontakt, weitere elf Prozent einmal wöchentlich. Ein Viertel der Jugendlichen sehen ihre Großeltern einmal im Monat. Bei dem mit 40 Prozent größten Anteil beschränkt sich der Kontakt auf einige Male im Jahr.

Gut 38 Prozent der befragten Jugendlichen bewerten ihr Verhältnis zu den eigenen Großeltern als vertraut. Sie bezeichnen sie als "wichtige Bezugspersonen, mit denen sie über alles reden können". Derselbe Anteil gibt an, mit den Großeltern schöne Dinge wie Ausflüge zu unternehmen. 36 Prozent der Befragten verbringen auch einen Teil der Ferien mit den Großeltern. Die Mehrheit, also 52 Prozent der Jugendlichen, schätzen ihre Großeltern wegen ihrer Gelassenheit, während vermutlich die Eltern wegen der Leistungsanforderungen in der Schule viel Druck ausüben. 61 Prozent hören ihren Großeltern einfach gerne als Zeitzeugen der jüngeren bundesrepublikanischen Geschichte zu. Nur fünf Prozent der Schüler finden keine geeignete Gesprächsbasis mit ihren Großeltern. Hier überwiegt das gegenseitige Unverständnis.

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Auch sind die Kontakte der Jugendlichen nicht auf die Familie beschränkt. Immerhin 80 Prozent geben an, auch im Alltag und in der Freizeit mit Senioren zu tun zu haben. Bei 49 Prozent sind es ältere Menschen in der Nachbarschaft, 16 Prozent treffen im Rahmen der Gemeindearbeit auf Senioren, zehn Prozent im Verein. 18 Prozent der Schüler weisen darauf hin, dass schließlich auch ein Teil der Lehrerschaft die 60 überschritten hat.

In ihrer Wahrnehmung von älteren Menschen insgesamt stechen vor allem deren gesundheitliche Probleme heraus (65 Prozent): Wer alt ist, ist meistens nicht mehr körperlich fit. Gut ein Drittel der Schüler hat wiederum mehr die "jungen Alten" im Blick: Sie erleben vor allem sportliche Senioren, die auch das finanzielle Vermögen haben, um viel zu reisen (38 Prozent). Bei mehreren Antwortmöglichkeiten wählten die Jugendlichen ferner die Frömmigkeit (49 Prozent) und die Hilfsbereitschaft (52 Prozent) als herausragende Eigenschaften des Alters aus. Während 24 Prozent der Jugendlichen Senioren als Technikmuffel einstufen, halten aber immerhin 33 Prozent der Befragten zu den eigenen Großeltern Kontakt per Handy und Mail. Gut 30 Prozent der Jugendlichen fühlen sich von Senioren missverstanden.

Die Hälfte der Jugendlichen geben an, schon jetzt deutliche Signale für den demografischen Wandel zu erkennen. Sie nehmen in der Langenfelder Innenstadt, in der Kirche, im Bus, im Schwimmbad mehr ältere Menschen wahr als früher.

Die Jugendlichen geben sich keinen Illusionen hin, dass die Alterung der deutschen Gesellschaft sie nicht betreffen werde. Vielmehr sind 76 Prozent von ihnen überzeugt, dass sie selber einmal bis zum 70. Lebensjahr werden arbeiten müssen. 69 Prozent von ihnen glauben auch, dass sie als Erwerbstätige höhere Beiträge in die Renten- und Krankenversicherung werden einzahlen müssen. 34 Prozent rechen damit, dass der Einzelne wegen der fehlenden Fachkräfte mehr Leistung wird erbringen müssen. Weitere 32 Prozent stimmen überdies der Prognose zu, dass die Politik sich an der Meinung der älteren Mehrheit orientieren wird. Jeweils 29 Prozent teilen die Erwartung, dass die Erwerbstätigkeit unter Müttern steigen wird und dass sie unter Umständen mehr in die Pflege von Familienangehörigen eingebunden sein werden. Nur 13 Prozent erwarten durch den demografischen Wandel keinerlei Nachteile für sich. 16 Prozent rechnen sich gar bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus.

Die Alterung unserer Gesellschaft ist indes kein Thema, das den Jugendlichen mit Blick in die Zukunft Sorgen bereitet (2 Prozent). 42 Prozent sehen vielmehr im Klimawandel das Problem der Zukunft an, gefolgt von Fremdenhass (16 Prozent) und Arbeitslosigkeit (16 Prozent). Sechs Prozent sorgen sich um das Ende der fossilen Brennstoffe, weitere vier Prozent betrachten die Euro-Krise als ernsthaftes Problem.

Für das eigene Leben hat für die meisten eine gesunde Lebensführung höchste Priorität, ferner spielen für sie eigene Kinder und ein Job, der Spaß macht, eine große Rolle. An zweiter Stelle der Prioritätenliste wird von den meisten "ein gutes Einkommen" genannt, dann wiederum ein Job, der Spaß macht, und eine gesunde Lebensführung. An dritter Stelle kommt dann die ausgewogene Work-Life-Balance ins Spiel: Denn hier wünschen sich die meisten "genügend Freizeit". Neben Gesundheit und einem erfüllenden Beruf hält sich hier der Kinderwunsch an dritter Stelle. Man darf sich fragen, ob dieses Gesundheitsbewusstsein der Erwartung entspringt, bis ins hohe Alter arbeiten zu müssen?

(RP)