Jugend in Langenfeld für Kommunalpolitik begeistern

Langenfeld : Jugend für Kommunalpolitik begeistern

Ingrid Graser stellte im Jugendhilfeausschuss das Projekt „Politik meets Virtual Reality“ vor. Die Politik bewilligte Mittel für die Fortsetzung.

Schüler rücken derzeit in den Fokus der Politik – auch auf kommunaler Ebene. So haben sie beispielsweise im April auf dem Rathausvorplatz eine „Fridays For Future“-Demo mit rund 800 Teilnehmern organisiert, und einige von ihnen kamen auch zum Klimagipfel mit Bürgermeister Frank Schneider ins Rathaus. „Jugendliche haben einen starken Handlungsbedarf“, sagte Ingrid Graser, die in der Stadtverwaltung für die Jugendbeteiligung zuständig ist. Die Politiker im zuständigen Fachausschuss beschlossen deshalb in der Sitzung am Mittwoch die Umsetzung und Fortführung eines soeben begonnenen Konzeptes, um junge Menschen zwischen 11 und 25 Jahren mehr an die Kommunalpolitik heranzuführen.

Diplom-Pädagogin Ingrid Graser und Remy Rupik vom Langenfelder Erlebnispark 7th Space stellten ihnen zuvor ihre „innovativen“ Pläne vor. 2018 war mit einem „Kommunalpolitischen Praktikum“ schon einmal ein Anlauf gestartet worden. Weil das Interesse damals jedoch gering war, fand es nicht statt. Heranwachsende sollten dabei an fünf Terminen Einblicke in die politischen Strukturen gewinnen. Jetzt können sie mit der fünfteiligen Workshop-Reihe „Politik meets Virtual Reality“ in Form eines digitalen Spiels die Verwaltung erkunden und die kommunalpolitische Arbeit in Filmsequenzen darstellen.

15 Teilnehmer hatten sich dafür angemeldet. Acht überwiegend 12- und 13-jährige Mädchen und Jungen aus allen Schulformen sind dabeigeblieben. „Als nach den Sommerferien die neuen Stundenpläne ausgegeben wurden, konnten sich aus Zeitgründen nicht mehr alle, die eigentlich mitmachen wollten, beteiligen“, erläuterte die Pädagogin. In einem ersten Schritt besuchten die Teilnehmer bereits den Erlebnispark 7th Space in Langenfeld. Anschließend erkundete Ingrid Graser gemeinsam mit den Jungen und Mädchen bei einem digitalen Spiel per Tablet und Smartphone die Stadtverwaltung am Konrad-Adenauer-Platz.

Jetzt gehe es daran, einen Film über politische Inhalte und Abläufe zu drehen. Bei einem Workshop mit einem Dramaturgen lernen die Jugendlichen, ihre Ideen als spannendes Drehbuch zu schreiben. Als i-Tüpfelchen sei ein professionelles Sprechtraining für die Präsentation und Moderation geplant, berichtete Graser im Jugendhilfeausschuss.

Im kommenden Jahr soll nun aufbauend auf den Workshop in einem zweiten Schritt gemeinsam mit Profis ein virtueller 3-D-Film über das Rathaus und die Kommunalpolitik produziert werden, blickt Graser in die Zukunft. Dafür seien ebenfalls fünf Termine angesetzt. Je nach Drehbuch-Ideen der Jugendlichen und der Bereitschaft der Politiker, sich daran zu beteiligen, könne bei Ratssitzungen und in den Fraktionen gedreht oder es könnten Interviews geführt werden. Diese Sequenzen würden dann von Profis zusammen mit den Experten von 7th Space in Virtual Reality programmiert. Zum Schluss könne die Gruppe bei einer Premieren-Veranstaltung mit Freunden ihr selbstgestaltetes virtuelles Erlebnis ausprobieren. Das Produkt sollen Langenfelder Schulen langfristig im Unterricht nutzen.

Damit auch das aufbauende Angebot im kommenden Jahr umgesetzt werden kann, stimmten die Politiker im Jugendhilfeausschuss dafür, 55.000 Euro in den Haushalt 2020 einzustellen. Der Stadtrat hat dabei das letzte Wort und muss die Mittel bei den Haushaltsplanberatungen freigeben.