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Bundestagswahl 2013 in Langenfeld: Jubel und Ernüchterung im Ratssaal

Bundestagswahl 2013 in Langenfeld : Jubel und Ernüchterung im Ratssaal

Politiker aller im Stadtrat vertretenen Parteien und interessierte Bürger verfolgten die Präsentation der Ergebnisse.

Michaela Noll (CDU) hat im Wahlkreis 104 klar gewonnen. 53,1 Prozent der Langenfelder Wähler gaben ihr die Erststimme, 31,8 Prozent machten ihr Kreuzchen bei Peer Steinbrück (SPD). Bei den Zweitstimmen legte die CDU in Langenfeld im Vergleich zu 2009 um 7,1 Prozentpunkte zu, die SPD steigerte sich um 4,8 auf jetzt 26,6 Prozent.

Entsprechend groß war der Jubel am späten Abend bei der CDU-Wahlparty in der Richrather Schützenhalle, wo sich Noll von ihren Parteifreunden aus dem Südkreis feiern ließ. Nach Schließung der Wahllokale hatten sich zuvor Politiker aller im Stadtrat vertretenen Parteien und interessierte Bürger im großen Saal des Rathauses versammelt.

Es ist 18.20 Uhr, als die Ergebnisse der ersten beiden ausgezählten Langenfelder Wahlbezirke an die Wand projiziert werden. "Das ist ein ernüchterndes Ergebnis", entfährt es SPD-Ratsfraktionschef Sascha Steinfels beim Blick auf die für die Sozialdemokraten und deren Direktbewerber gemeldeten Prozentzahlen. "Da kann man Michaela Noll nur gratulieren."

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Beim Gesamtergebnis der Zweitstimmen sprach Steinfels zwei Punkte an, die ihn positiv stimmten: "Erstens ist die CDU in Langenfeld wieder unter die 50-Prozent-Marke gerutscht, und zweitens sind wir in einzelnen Wahlbezirken wie etwa dem Martinsviertel nur knapp unterlegen. Die SPD hat in Langenfeld also Potenzial." Übers ganze Gesicht strahlt derweil Ratsfrau Michaela Detlefs-Doege. Die stellvertretende CDU-Stadtverbandsvorsitzende sprach von einer "doppelten Personalwahl".

Die Mehrheit der Langenfelder habe Angela Merkel und Michaela Noll gewählt. "Angesichts der finanziell stark unterstützten Kampagne für Steinbrück", so Detlefs-Doege, sei das Ergebnis für Noll besonders beachtlich. "Es wurde honoriert, dass sie in ihrem Wahlkreis immer zugänglich und ansprechbar ist." Das steicht vor den Ergebnistafeln auch Bürgermeister Frank Schneider (CDU) heraus: "Die Langenfelder Stadtverwaltung pflegt mit ihr eine hervorragende Zusammenarbeit. Der Draht zur Bundesregierung war nie besser als mit dieser Ansprechpartnerin in Berlin."

Dass die CDU in Langenfeld zwar "ein Superergebnis eingefahren", aber deutlich unter den 55,6 Prozent der jüngsten Kommunalwahl blieb, kommentierte Schneider mit den Worten: "Das sind eben zwei Paar Stiefel." Als positiv strich Schneider die gegenüber 2009 gestiegene Wahlbeteiligung heraus. "Und bei Gesprächen in den Wahllokalen wurde mir gesagt, dass dort diesmal auffallend viele junge Menschen erschienen sind."

Mit unglücklichem Gesichtsausdruck verfolgen die Grünen-Ratsmitglieder Dr. Beate Barabasch und Helmut Konrad die nach und nach für ihre Partei eintrudelnden Resultate der Auszählungen. Nach den Umfrageergebnissen hätten sie keine hohen Erwartungen gehabt, sagen beide.

Die Diskussionen um die in frühen Jahren der Partei gezeigte Toleranz gegenüber Kindesmissbrauch trafen nach Konrads Worten mit weiteren für die Grünen negativen Faktoren zusammen: "Das Steuerrechnungsmodell wurde nicht gut vermittelt. Und wer auf die Idee mit dem verordnete Veggie-Day kam, ist mit dem Klammerbeutel gepudert." Dass das Ergebnis der Grünen in Langenfeld noch hinter dem auf Bundesebene liegt, sei zusätzlich "unerfreulich".

Zerknirscht blickt im Bürgersaal FDP-Ratsherr Frank Noack nicht nur auf die lokalen Ergebnisse, sondern auch auf die Fernsehbilder auf der Großleinwand. Dort zeigen schon die ersten Hochrechnungen, dass die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert und dem Bundestag nicht mehr angehören wird. "Die Spitze unserer Partei hat es den Wählern nicht leicht gemacht zu erkennen, warum sie die FDP wählen sollten. Das haben wir vor Ort an unseren Ständen gemerkt. Es wurde viel Porzellan zerschlagen. Philipp Rösler muss weg, und die Partei muss sich neu positionieren."

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(EW)