Langenfeld: Johanneskirche steht vor dem Aus

Langenfeld : Johanneskirche steht vor dem Aus

Die Evangelische Kirche muss sparen. Das auf der Gemeindeversammlung vorgestellte Konzept erntete Kritik.

Der Andrang ist unerwartet groß. Weit mehr als 200 Gemeindemitglieder sind in die Johanneskirche an der Stettiner Straße gekommen. Die Sitzplätze sind knapp. Einige Protestanten verfolgen die Gemeindeversammlung stehend. Die Stimmung ist angespannt. Ursache sind die Ausführungen des Kölner Architekten Volker Langenbach. Er hat zwei Jahre lang gemeinsam mit dem Presbyterium ein Konzept erarbeitet, mit dem die Evangelische Kirchengemeinde ihr jährliches Defizit von rund 400 000 Euro ausgleichen will. Hinter dem relativ harmlosen Titel "Gebäudestrukturreform" verbergen sich tiefe Einschnitte in das Gemeindeleben.

Im Eiltempo stellt Langenbach das Konzept vor. Zahlen und Kurvendiagramme prasseln auf die Gemeindemitglieder ein. Am Ende des Vortrags ist wohl allen klar, wie ernst die Lage ist. "Die Gemeinde besitzt 25 Gebäude im Stadtgebiet", referiert der 51-Jährige. "Daraus ergibt sich ein Sanierungsbedarf von etwa drei Millionen Euro." Bei sinkenden Einnahmen durch die Kirchensteuer, der zunehmenden Alterung der Gesellschaft und steigenden Energie- und Personalkosten ist es seiner Meinung nach unumgänglich, dass einige Immobilien aufgegeben werden. "Noch ist Zeit zu handeln", betont der Architekt.

Das Konzept sieht vor, auch in Zukunft an den bisherigen Standorten präsent zu bleiben — allerdings mit teilweise drastischen Veränderungen. Der wohl härteste Schritt betrifft die Johanneskirche. Das Gotteshaus soll abgerissen werden und einer Wohnbebauung weichen. Das Gebäude mit den Gemeinderäumen nebenan soll hingegen erhalten bleiben und modernisiert werden. Dort wäre dann auch genügend Raum für eine neue Predigtstätte für die Stadtmitte.

An der Lukaskirche in Richrath ist geplant, das Gemeindehaus abzureißen und durch einen kleineren und zeitgemäßeren Neubau zu ersetzen. Der offene Jugendtreff "Alte Schule" bleibt bestehen. Zur Disposition stehen hingegen das Gemeindehaus an der Erlöserkirche und das benachbarte Gebäude der Gemeindeverwaltung, die im September von der Hardt in die Kirchenkreiszentrale in Burscheid verlagert wird — ebenfalls aus Kostengründen. Auf den dann frei werdenden Grundstücken sind laut Langenbach Wohnhäuser oder ein Pflegeheim denkbar. Die Pläne für die Immobilien an der Hardt riefen Jugendliche auf den Plan, die sich rund um das "Kellercafé" engagieren.

Am Samstag sammelten sie in der Fußgängerzone mehr als 1500 Unterschriften für den Erhalt des Treffpunkts an der Hardt. Weitere 800 Personen unterschrieben eine entsprechende Online-Petition im Internet. "Die Jugendarbeit vor Ort ist vielseitig und funktioniert gut", betont Marius Laake. "Es ist wichtig, dass junge Menschen der Kirche mit einem positiven Gefühl begegnen — und genau das leisten wir." Für höhnisches Gelächter sorgte Langenbach mit der Idee, das Angebot in die Kellerräume der neuen Bebauung zu verlegen. Lärmbeschwerden seien dann vorprogrammiert, meint etwa Ute Lichte aus der Gemeinde. An der Reusrather Martin-Luther-Kirche sind angesichts des Denkmalschutzes vor Ort nur wenige Veränderungen geplant. Der Förderverein, der bereits jetzt die Betriebskosten für das Gemeindehaus trägt, soll allerdings in Zukunft wohl auch Sanierungen finanzieren. Die Idee sorgte für Kopfschütteln bei einigen Zuhörern. "Es war ein lebendiger Vormittag", meinte Annegret Duffe nach der Versammlung. Die Vorsitzende des Presbyteriums warb für Verständnis in der Gemeinde: "Es ist für uns alle kein leichter Weg, aber er ist notwendig." Das Presbyterium will am Dienstag, 8. April, eine Grundsatzentscheidung treffen. Allerdings sei ein Aufschub denkbar, um die Meinungen aus der Gemeinde stärker bei den Planungen zu berücksichtigen.

(dora)
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