Langenfeld: Jetzt kommt Brüssel ins Klassenzimmer

Langenfeld : Jetzt kommt Brüssel ins Klassenzimmer

Der Leistungskurs "Sozialwissenschaften" an der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule hat das Planspiel mitgemacht.

Europa soll erlebbar gemacht werden - so hat es sich die Europäische Kommission auf die Fahnen geschrieben. Aus diesem Grund finden 2018 an interessierten Schulen Planspiele statt, die den Oberstufenschülern das Tun und Handeln der politischen Akteure in Brüssel verständlicher machen sollen. Auch der Leistungskurs der Q2 in "Sozialwissenschaften" an der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule hat teilgenommen, mit anschließendem Besuch des EU Parlamentariers Arndt Kohn.

Es ist ein äußerst witziges, leicht groteskes Bild: Da steigt ein EU-Abgeordneter aus seinem Auto, Typ "dynamisch, jung, erfolgreich", setzt sein schönstes Strahlen auf und schüttelt erst einmal Hände, Hände, Hände: Lehrer, Schüler, Pressevertreter, alle warten schon. Ein wenig Smalltalk folgt, dann geht es Richtung Schulgebäude, stets hinter ihm und vollgepackt mit Unmengen an Material bis unter beide Arme: seine zierliche Mitarbeiterin. Natürlich, es ist nur ein Versehen, schnell nimmt Arndt Kohn der Assistentin die schwere Last ab, dann folgt auch schon die Begrüßung der rund 20 Oberstufenschüler, die ganz offensichtlich um die ungnädige Mittagszeit herum ziemlich angeschlagen und erschöpft sind. Es ist heiß und stickig in dem kleinen Klassenraum. Den ganzen Morgen über haben sich die Sowi-Schüler mit einem Planspiel zum Thema "Datenschutz in Europa" befasst. "Die Diskussion war natürlich absolut angebracht und aktuell wegen der ganzen Facebookgeschichte", sagt ein Schüler. "Es war nur ein bisschen seltsam, weil man, so wie ich, bei dem Spiel eine politische Meinung vertreten musste, die so gar nicht zu der persönlichen Einstellung passt."

Denn: Bei den Planspielen geht es darum, die komplexe Wirklichkeit europäischer Entscheidungsverfahren vereinfacht darzustellen und die Schüler wie richtige Parlamentarier agieren zu lassen, sie in ihrer argumentativen Kompetenz zu stärken und ein demokratisches, kompromissfähiges Verständnis entwickeln zu lassen. Für Arndt Kohn ist das nahezu Alltag.

"Ich bin 37 Jahre alt, komme aus Stollberg und bin seit 2017 Abgeordneter im Europäischen Parlament", stellt sich der smarte Politiker locker dem Leistungskurs vor, "ich bin allerdings schon sehr lange politisch aktiv, bin bereits 2003 in die SPD eingetreten seit 2011 Vorsitzender im Kinder- und Jugendhilfeausschuss im Rat der Stadt Stollberg." Seine Grundidee: Kohn möchte die Mitmenschen vom europäischen Gedanken überzeugen. "Ich bin Mitglied in drei europäischen Ausschüssen, im Haushaltskontrollausschuss, im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz und im Ausschuss für regionale Entwicklung", lässt er die Schüler noch wissen, bevor es in die Fragerunde geht.

"Wie stehen Sie zu der Datenschutzdiskussion?", will ein Schüler wissen. "Der Datenschutz muss verbessert werden. Ihr wollt doch alle eure Daten sicher wissen, oder? Man muss aber sagen, dass Europa sich in dieser Frage sehr an Deutschland orientiert, das heißt, wir haben hier bereits recht strenge Verordnungen." Es geht um Verbraucherschutz, um CE Nummern und um die Flüchtlingspolitik. "Was halten Sie für besser: Frontex oder Frontex plus?", will ein Schüler wissen und: "Soll Ungarn gezwungen werden, Flüchtlinge aufzunehmen?" Es entwickelt sich eine spannende Fragerunde, Leistungskurslehrer Ole Schreckling zeigt sich beeindruckt von seinem Kurs. "Zum einen freue ich mich über Ihr ehrliches Interesse, zum anderen über Ihr sehr faires und sachliches Verhalten beim Planspiel. Ja, ich bin schon stolz auf meine Schüler."

(RP)
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