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Inzidenz über 200: Kreis Mettmann beobachtet die Corona-Lage

Ausbrüche in Seniorenheimen : Corona-Inzidenz über 200: Kreis beobachtet Lage

Nachdem die Neuinfektionen-Inzidenz am Dienstag auf 216,2 gestiegen ist, hat der Kreis Mettmann zunächst keine Corona-Maßnahmen verschärft. Die Infektionsherde ließen sich eingrenzen, zudem hätten technische Probleme für den Anstieg gesorgt. Die Corona-Leine ist damit aber noch nicht vom Tisch.

Die weiter steigende Inzidenz hat erst einmal keine Auswirkungen auf die Corona-Maßnahmen im Kreis Mettmann. Wie Kreissprecherin Daniela Hitzemann erklärte, habe die Verwaltungsspitze am Dienstag getagt und die aktuelle Situation bewertet – und beschlossen, erst einmal abzuwarten und dabei die Entwicklungen genau zu analysieren. Die so genannte Corona-Leine und die damit verbundene Einschränkung der Bewegungsfreiheit auf einen 15-Kilometer-Radius sind damit aber noch nicht vom Tisch. Die Inzidenz war am Dienstag auf 216,2 gestiegen. Die kritische Grenze liegt bei 200.

 Auch das Langenfelder Hewag-Seniorenstift an der Kreuzung  gegenüber des Rathauses verzeichnet aktuell mehrere Corona-Fälle.
Auch das Langenfelder Hewag-Seniorenstift an der Kreuzung  gegenüber des Rathauses verzeichnet aktuell mehrere Corona-Fälle. Foto: Rheinische Post/Stephan Meisel (mei)

In Langenfeld stieg die Zahl der Infektionen am Dienstag sprunghaft auf 142 an (siehe unseren täglichen Corona-Ticker). Das Kreisgesundheitsamt vermeldete stadtweit 64 Neuansteckungen. Viele davon betreffen dem Vernehmen nach ältere Menschen in den beiden Seniorenheimen der Hewag-Gruppe gegenüber des Rathauses sowie von Pro Talis im Berghausener Neubaugebiet An der Landstraße. Auch in Monheim gab es Ausbrüche in zwei Pflegeheimen (siehe gesonderten Bericht).

Das Land hatte am Montagabend eine Verordnung erlassen, die es kreisfreien Städten und Landkreisen einfacher macht, den Bewegungsradius ihrer Bürger auf 15 Kilometer rund um den Wohnort zu beschränken. Dazu muss die Inzidenz über 200 liegen und das Infektionsgeschehen nicht klar zuzuordnen sein.

Für den Kreis Mettmann komme solch eine Verschärfung vorerst nicht infrage. „Die Inzidenz liegt gerade einmal einen Tag über dem Wert von 200“, erklärt Daniela Hitzemann. In den betroffenen Kreisen mit „Corona-Leine“ habe sich der Wert über 200 festgesetzt. „Außerdem können wir sagen, dass ein großer Teil des Infektionsgeschehens in Senioreneinrichtungen stattfindet“, sagt die Kreissprecherin. Daneben habe offenbar ein technisches Problem dazu geführt, dass die Zahlen der Neuinfizierten zwar vom Kreis gemeldet worden seien, in den Inzidenzberechnungen des Landeszentrums Gesundheit NRW aber nicht aufgetaucht seien. „In den letzten zwei Wochen sind nicht alle Fälle zeitnah erfasst worden. Diese wurden nun vollständig nachgepflegt, so dass die Zahl der Neuinfizierten entsprechend erhöht ist“, erklärte Daniela Hitzemann.

Diese drei Faktoren führen dazu, dass verschärfte Regeln für die breite Bevölkerung im Kreis Mettmann momentan nicht zur Diskussion stehen. „Wir werden die Lage aber natürlich weiter beobachten“, sagt Daniela Hitzemann. Am Mittwoch komme der Krisenstab des Kreises erneut zusammen, um über die aktuelle Situation zu beraten.

Sollte sich die Inzidenz in den kommenden Tagen auf einem Wert über 200 einpendeln, „wäre es sinnvoll, in diesem Fall erst einmal die Maßnahmen in den Senioreneinrichtungen zu verschärfen. Unter Umständen könnten die Besuchsregelungen weiter eingeschränkt werden.“ Der Kreis werde solche Schritte aber eng mit den Städten und dem Land abstimmen. Sollte sich das Infektionsgeschehen verlagern und nicht mehr genau lokalisiert werden können, könnte auch die „Corona-Leine“ wieder Thema werden.

Wer die Inzidenz übrigens auf die einzelnen Städte runterbricht, kommt in Monheim auf 159,9 und in Langenfeld auf 223,1 – Monheim liegt dabei deutlich niedriger als der kreisweite Wert von 216,2, Langenfeld aufgrund des heftigen Anstiegs am Dienstag höher. Vor allem die Städte Velbert (286,8), Heiligenhaus (261,6) und Mettmann (257,9) drücken den Durchschnitt nach oben. Da jedoch die Inzidenzwerte für Kreise und kreisfreie Städte ausschlaggebend sind, ob Maßnahmen verschärft werden oder nicht, haben diese Zahlen keine echte Bedeutung. Auch nicht für die beiden Bürgermeister.

Langenfelds Bürgermeister Frank Schneider beklagte auf Anfrage unserer Zeitung die hohe Sterberate unter alten Menschen. Das Augenmerk müsse darauf gerichtet sein, sie besonders zu schützen. „Deswegen hielte ich es für sinnvoll, die Besuchsregelungen wieder drastisch zu verschärfen.“ Die Äußerung von Ministerpräsident Armin Laschet, solch eine generelle Schließung wie im Frühjahr 2020 nicht wiederholen zu wollen, hält Schneider in Anbetracht der aktuellen Corona-Entwicklung für falsch. Überhaupt sei der aktuelle Lockdown nicht hart genug, findet Langenfelds Bürgermeister. „In vielen Läden ist deutlich zu viel Betrieb.  ich habe zwar Verständnis für jeden einzelnen Handler, aber es bringt ja nichts, wenn ein weicher Lockdown wegen der weiter hohen Corona-Zahlen ständig verlängert werden muss.“

„Das ist ein statistisches Auf und Ab“, sagt Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann. „Aktuell sind unsere Werte im Kreisvergleich niedrig. Die Inzidenz kann aber auch schnell wieder in die Höhe gehen.“ Er begrüßt, dass im Kreis darüber nachgedacht wird, die Besuchsregeln in Altenheime zu überdenken, damit das Virus nicht vor den Impfteams da. Derzeit gibt es 63 Fälle (einen weniger als am Vortag) in zwei Monheimer Altenheimen.

Auch im Langenfelder Seniorenheim Pro Talis sind derzeit fünf Bewohner und ein Mitarbeiter positiv getestet. Letzterer befinde sich in häuslicher Quarantäne, sagt eine Sprecherin der Alloheim Senioren-Residenzen SE. Alle positiv getesteten zeigten bisher keine Symptome. Aktuell werde in Abstimmung mit den lokalen Behörden ein umfangreiches Isolations- und Quarantänekonzept in der Einrichtung umgesetzt, das Vorsorge- und Quarantänemaßnahmen beinhalte. Alle positiv getesteten Bewohner seien unter Zimmerquarantäne gestellt.  Zudem würden alle Bewohner  engmaschig beobachtet; so werde zum Beispiel regelmäßig Fieber gemessen und Symptomkontrollen durchgeführt. Es sei schier unmöglich, in stark belegten Einrichtungen den Beginn einer Infektionskette mit Bestimmtheit zu identifizieren. Es gebe mehrere Wege, wie das Virus in ein Heim gelange. Immer wieder kehrten zum Beispiel auch Bewohner nach einem ambulanten oder stationären Aufenthalt aus dem Krankenhaus zurück. Zudem seien viele Bewohner an Demenz erkrankt, sie seien zwar kognitiv stark beeinträchtig, aber zugleich sehr mobil. Das erschwere die Eindämmung einer  eingetretenen Infektion.