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Monheim: Ingeborg Friebe kämpft für Monheim

Monheim : Ingeborg Friebe kämpft für Monheim

Die SPD-Politikerin fand im Düsseldorfer Landtag Mehrheiten, um Monheim 1976 die Selbstständigkeit zurückzugeben. Das brachte ihr den Beinamen "Mutter Courage" ein.

Erst wenige Tage ist es her, dass Ingeborg Friebe ihre letzte Funktion abgegeben hat. Die frühere Monheimer SPD-Bürgermeisterin (1976 bis 1997) gründete 1989 den Club ehemaliger Ratsmitglieder, deren Vorsitzende sie bis zur vergangenen Woche war. Doch die Entscheidung der 82-Jährigen bedeutet keinesfalls ihren kompletten Rückzug aus der Öffentlichkeit. "Ich bin nie passiv gewesen!" Bei SPD-Parteiversammlungen übernimmt sie deshalb gerne immer mal wieder die Leitung. "Das war früher mein tägliches Brot."

Friebe ist immer bodenständig geblieben. Auch nach ihrem politischen Aufstieg. Das zeigt sich besonders deutlich an ihrem Wohnumfeld. 1966 kam sie mit ihrem Mann und den zwei Söhnen von Braunschweig nach Baumberg. Die Familie fand zunächst an der Geschwister-Scholl-Straße 82 ein neues Heim. 1984 erwarben die Friebes Eigentum — nur wenige Hausnummern entfernt. Dort wohnt die alte Dame heute noch.

Sie war eine Frau, die 1975 mit Neugier und Kampfgeist in den Düsseldorfer Landtag eingezogen ist. 20 Jahre lang gestaltete sie die Politik des bevölkerungsreichsten Bundeslandes für die SPD und für Monheim mit. Mitte der 1970er Jahre waren Monheim und Baumberg nach Düsseldorf eingemeindet worden. Friebe nutzte ihr Mandat, um im Landtag eine Mehrheit für ein Gesetz zu finden, das Monheim die Selbstständigkeit wiederbrachte. "Ich war zwar Newcomerin, habe aber Unterschriften gesammelt und Überzeugungsarbeit geleistet. Viele waren damals mit der Gebietsreform unzufrieden", erinnert sich die Politikerin. Das nachdrückliche Engagement führte 1976 zum Erfolg. Monheim wurde wieder selbstständig. Seitdem trägt sie den Beinamen "Mutter Courage". Der Erfolg brachte der SPD-Spitzenkandidatin bei der Kommunalwahl die absolute Mehrheit für ihre Partei. Im Oktober 1976 wählte der Rat Ingeborg Friebe zur Bürgermeisterin. Sie war die erste Frau in diesem Amt. Auch im Landtag stieg sie die Stufen der Macht nach oben: Zunächst Vizepräsidentin, stand sie von 1990 bis 1995 als Landtagspräsidentin an der Spitze. Ihre Stärken hat sie im Alter beibehalten. Niederlagen schmeißen sie nicht um. "Vielleicht ist noch die Geduld hinzugekommen", ergänzt die Seniorin schmunzelnd.

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Ihre Hartnäckigkeit bescherten ihr Respekt und politische Erfolge, mit ihrer ruhigen, freundlichen Art gewann sie aber die Herzen der Menschen. "Ich kann nicht alle Probleme lösen, aber ich kann gut zuhören." Eine Eigenschaft, die der jetzige Bürgermeister Daniel Zimmermann übrigens auch besitze, fügt die Baumbergerin hinzu. Dass die SPD in den vergangenen Jahren weniger Einfluss hat als zu ihren aktiven Zeiten im Rat nimmt sie zur Kenntnis. Die Zusammenarbeit der SPD mit der Peto-Fraktion in den Gremien sei jedoch erfolgversprechend. "Aufeinander zugehen ist immer gut." Die SPD habe sich inzwischen auch auf Bundesebene gefangen, glaubt die wache Beobachterin des Zeitgeschehens.

Ingeborg Friebe hat sich immer aktiv eingebracht und hatte nie ein Problem, gewählt zu werden. "Ich bekam immer Mehrheiten." Eine Frauenquote hält die engagierte Streiterin deshalb aus eigenem Empfinden nicht für notwendig. "Aus Solidarität habe ich aber dafür gestimmt." Heute sei es für junge Frauen leichter, erfolgreich zu sein. "Der Zugang zur Bildung ist offener geworden", freut sich Friebe, die einen Volksschulabschluss hat und später als Schulsekretärin arbeitete. Ihre Enkelin sei ein gutes Beispiel dafür. Nach dem Abitur studierte sie Mathematik und bekam eine Doktorandenstelle.

(RP)