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In Langenfeld kümmern sich viele Helfer um die Flüchtlinge

Langenfeld : Viele Helfer unterstützen die Flüchtlinge

Stadtverwaltung und Helfer sind nicht immer einer Meinung, wenn es um die Hilfen und die Unterstützung der Migranten geht.

Die Stadt hat auf die Flüchtlingskrise seit 2015 mit dem Bau von Unterkünften und Leichtbauhallen reagiert, aber auch Platz in Turnhallen bereitgestellt. Inzwischen sind die Zahlen der Bewohner in den Unterkünften um die Hälfte zurückgegangen. Einige Häuser wurden bereits wieder geschlossen. 443 Menschen leben jetzt (Stand: Ende September 2019) noch dort; die meisten kommen aus dem Iran, Irak, Afghanistan und Syrien

Auch wenn das Thema in der Öffentlichkeit inzwischen nicht mehr so präsent ist, bleibt die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung stabil. 148 Helfer, darunter viele ältere Menschen, kümmern sich um einzelne Migranten oder Familien in den Wohnheimen. Sie übernehmen konkrete Projekte wie Rainer Schlatmann, der Deutschkurse gibt, oder bieten wie Luise Pawlowsky eine Nähwerkstatt an. Harry Mogge betreibt ein Reparaturcafé an der Bahnstraße. Offizieller Ansprechpartner für die Stadt ist zwar der Verein Flüchtlingshilfe, jedoch könnten sich Interessierte auch direkt im Rathaus melden. „Voraussetzung ist ein polizeiliches Führungszeugnis“, sagt Holger Hammer (Referatsleiter Soziales). „Und das Bekenntnis zum Grundgesetz.“ Natürlich sei es unerlässlich, dass die Helfer „mit der Stadt zusammenarbeiten“ und sich „an Absprachen halten“. Dass scheint aus Sicht der Helfer nicht immer reibungslos zu funktionieren. Sie wünschen sich mehr Unterstützung – und dass die Stadt ihnen „keine Steine in den Weg“ legt.

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Flüchtlingshelfer, die die Unterkünfte betreten, erhalten einen Ausweis, den sie auf Anfrage dem Sicherheitsdienst zeigen müssen. Einige ehrenamtliche Helfer (Namen sind der Redaktion bekannt) finden es ärgerlich, dass die oft Älteren unter ihnen zwar mit dem Ausweis in die Wohnheime hinein dürften, jedoch nicht mit dem Auto auf das Gelände fahren könnten, wenn sie jemanden zum Arzt bringen möchten oder beim Umzug helfen wollen. Gerade Menschen, die sich in den Unterkünften an der Theodor-Heuss-Straße engagierten, müssten außerhalb – etwa an der Feuerwehr oder vor dem Freizeitpark – parken und dann ein ganzes Stück zu Fuß gehen. Auch an der Albert-Einstein-Straße bedeute dies einen längeren Fußweg. Händler hingegen dürften regelmäßig und problemlos auf das Gelände fahren.

Holger Hammer sagt, inzwischen habe man sich für ein „generelles Verbot“ entschieden. Auch die Händler dürften nicht mehr mit dem Auto kommen. Grund: Immer wieder seien Feuerwehrbewegungsflächen zugeparkt worden, bis abends spät habe man dort Gegenstände verladen. Doch es gebe Ausnahmen. Mit einer Genehmigung sei es für Privatleute möglich, mit dem Auto vorzufahren. Die Verwaltung sei mit der Erteilung aber zurückhaltend. „Ein schwerbehinderter Helfer bekommt sicher eine Dauergenehmigung“, signalisiert Hammer.

Die Helfer sind erstaunt, dass immer noch Flüchtlinge in den Leichtbauhallen leben müssten, obwohl es beispielsweise in den Unterkünften an der Theodor-Heuss-Straße noch freie Kapazitäten gebe. Hammer entgegnet, zwei der drei Leichtbauhallen am Winkelsweg seien bereits abgebaut, Die Halle, die noch stehe, sei „weiter notwendig“.

Dass die Flüchtlinge in den Unterkünften keine spontanen Besuche ihrer Familienangehörigen empfangen dürften, finden einige Helfer ebenfalls unverständlich. Diese müssten erst einen Besucherausweis im Rathaus oder bei den „Kümmerern“ beantragen. Hammer entgegnet, dies sei so geregelt, weil es insgesamt die Ruhe in der Einrichtung störe, wenn Angehörige manchmal „mit zehn Leuten aus der Nachbarstadt“ anreisten und für längere Zeit blieben.

Die Intimsphäre sei nicht gewährleistet, wenn Damentoiletten an der Albert-Einstein-Straße sich nicht abschließen ließen, beklagen Helfer weiter. Davon wisse die Stadt nichts, hieß es. Technische Probleme sollten direkt den Hausmeistern oder im Rathaus gemeldet werden.

Ärgerlich sei es auch, dass die Post gesammelt bei den Hausmeistern abgegeben werde. So käme sie manchmal verspätet an. Gerade bei Schreiben von Behörden könne das zu verpassten Terminen führen. „Warum gibt es keine Briefkästen an den einzelnen Türen?“, fragen die Ehrenamtlichen. Das sei nicht praktikabel, sagt Hammer, der Wert darauf legt, die Stadt pflege ein gutes Verhältnis mit fast allen Helfern. „Wir treffen uns mit dem Vorstand der Flüchtlingshilfe und den ,Kümmerern’ im Zwei-Monats-Rhythmus.“ Montags kämen die Helfer regelmäßig zum Austausch im Schaustall zusammen.