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Langenfeld: In Langenfeld fehlen Schulplätze

Langenfeld : In Langenfeld fehlen Schulplätze

Sechs Viertklässler mit Hauptschul-Empfehlung wissen nach Absagen von weiterführenden Schulen nicht, wo sie ihre Laufbahn fortsetzen werden. Grund: Die Hauptschulen befinden sich in Abwicklung, die Gesamtschulen sind "randvoll".

Raul Schlösser weiß, wie sich Eltern fühlen, die doch noch die erwünschte Schulform für ihr Kind bekommen: "Mit Tränen in den Augen atmen sie auf", erzählt der Leiter der (neueren) städtischen Gesamtschule in Langenfeld von Gesprächen mit Eltern, deren Kind er nach einer Absage durch die (ältere) Bettine-von-Arnim-Gesamtschule in seiner Schule unterbringen kann. Sechs Langenfelder Familien aber wissen immer noch nicht, welche Schule ihr derzeitiger Viertklässler ab August besuchen wird.

Das Problem wurde kürzlich im Schulausschuss beratschlagt - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Den Sachverhalt indes bestätigte Ute Piegeler, Schulamtsleiterin im Rathaus, jetzt gegenüber unserer Zeitung. "Von den 545 Viertklässlern, die Ende Juni die Grundschulen verlassen, sind sechs noch unversorgt." Diese Viertklässler mit Haupt- und Gesamtschul-Empfehlung bekamen von weiterführenden Schulen in Langenfeld nur Absagen. Jetzt laufen die von den Eltern angestrengten Widerspruchsverfahren bei der Bezirksregierung.

Vor wenigen Jahren noch wären die Sechs problemlos in einer der beiden Langenfelder Hauptschulen untergekommen. Doch die befinden sich in Abwicklung. Weil sie 2017 bzw. 2018 den Betrieb einstellen, nehmen sie keine Fünftklässler mehr auf. Bleibt in der Stadt als pädagogisch vertretbare Lösung nur die Gesamtschule. Doch diese Schulform ist "randvoll", wie Raul Schlösser sagt. Seine eigene Städtische wird im kommenden Schuljahr deshalb ausnahmsweise eine fünfte Eingangsklasse bilden. "Mehr geht nicht", betont der Schulleiter. Schon die Ausnahme sei nur möglich, weil sich die Schule noch im Ex-Hauptschulbau am Fahlerweg befindet. "Das Raumkonzept für unser künftiges Gebäude (Bezug 2016) ist auf vier Klassen je Jahrgang ausgelegt."

Die von den Städten Langenfeld und Hilden getragene Bettine-von-Arnim-Gesamtschule ist ebenfalls ausgebucht. Sie musste sogar 67 Viertklässlern absagen. 61 kommen jetzt an anderen Schulen unter, sechs fielen durchs Sieb. Warum es sich bei diesen allesamt um Hauptschulkandidaten handelt, erklärt Schulleiter Peter Gathen mit dem Auftrag der Gesamtschule: "Wir sind zu Bildungsheterogenität verpflichtet, müssen auf ein möglichst ausgeglichenes Verhältnis zwischen Schülern mit (Grundschul-)Notendurchschnitten von unter und über 2,5 achten." So droht ausgerechnet den leistungsschwächsten Schülern, für die es in Langenfeld keine angestammte Schulform mehr gibt, am ehesten die Aussortierung.

Zumal der aktuelle Viertklässler-Jahrgang zahlenmäßig sehr stark ist. Laut Gathen sind 90 Schüler mehr in fünften Klassen unterzubringen als im Vorjahr. Doch selbst das wäre zu packen, wenn die Gesamtschulen nicht auch noch die Integration behinderter Kinder zu bewältigen hätten. Im Zuge der "Inklusion" nehmen sie zwei Förderschüler pro Klasse auf und dürfen wegen des höheren Betreuungsaufwands die maximale Klassenstärke von 29 auf 27 reduzieren. "Bei neun fünften Gesamtschulklassen für Langenfeld gibt es somit 36 Regelschüler-Plätze weniger", rechnet Schlösser vor.

Wie geht es nun weiter? Entweder im Wiederspruchsverfahren findet sich doch noch eine innerörtliche Lösung ("Für einzelne Schüler sollte das möglich sein", weckt Schulleiter Gathen Hoffnung). Oder aber die betroffenen Familien müssen sich außerhalb Langenfelds nach einer Schule umsehen. Monheim kommt hierfür allerdings schon mal nicht in Frage. "Unsere Kapazitäten in den Eingangsklassen sind erschöpft", sagte Schulamtsleiter Peter Hei-mann auf RP-Anfrage.

(RP)