Langenfeld/Monheim: In einer anderern Liga

Langenfeld/Monheim : In einer anderern Liga

Gestern eröffnete die Rathaus-Galerie in der Leverkusener Innenstadt. Die RP fragte örtliche Wirtschaftsförderer und Center-Manager, wie sie die Gefahr durch die neue Konkurrenz einschätzen.

Der neue Konkurrenzdruck, der durch die gestrige Eröffnung der Rathaus-Galerie in Wiesdorf auf den Nachbarstädten lastet, lässt sich anschaulich in Zahlen ausrücken: 120 Läden (darunter Besucher-Magnete wie Saturn, C&A, H&M), 23000 Verkaufsfläche, erwartete Besucherzahl an "normalen" Tagen: 30 000. Dass ECE auch Langenfeld und Monheim in den Einzugsbereich seiner 200-Millionen-Investition zählt, verkündet Bayer Leverkusens Ex-Trainer Rainer Calmund seit Tagen unübersehbar von den Werbe-Plakaten: "Komm Sylvia, jetzt shoppt Leverkusen in der 1. Liga!"

Grundversorgung hat Vorrang

Monheim spiele aber in einer anderen Liga, ist der Tenor im Rathaus. "Wir müssen erstmal dahin kommen, die Kaufkraft in der Grundversorgung zu binden", sagt Presseprecher Michael Hohmeier. Das entbinde die Stadt nicht von der Pflicht, die Innenstadt zu beleben und mit dem Rathauscenter III die Versorgung mit langlebige Gebrauchsgüter wie Textilien, Sportartikel und U-Elektronik auszubauen. "Aber im Wettbewerb der Mittelzentren können wir nicht mithalten, da ist der Druck auf Langenfeld größer." Wenn der Monheimer Handel gewisse Sortimente nicht führe, könne ihm egal sein, ob ein Monheimer dafür nach Langenfeld oder Leverkusen fährt, sagt Oliver Brügge, Wirtschaftsförderer der Stadt Monheim. Von dem Umverteilungsprozess sei der örtliche Handel daher wenig betroffen.

Für Kerstin Klockzin, die neue Center-Managerin des Rathauscenters II, ist der neue Konsumtempel durchaus ein Angstgegner. "Es wird trotz der großen Nähe der Städte zueinander immer mehr Verkaufsfläche geschaffen, während die alten Center Probleme haben, ihre Mieter zu halten oder neue zu finden." Sieben Prozent ihrer Flächen stehen noch leer. Als Ergänzung des Sortiments könnte sie sich eine Reinigung und ein Sanitätshaus vorstellen.

Ein architektonisch so interessanter Neubau löse erst einmal Neugierde aus, sagt Matthias Ulrich (ZIAG Immobilien AG), der als geladener Gast der Eröffnungsfeier beiwohnte. Ihm stach auch gleich die Namens-Ähnlichkeit zum Rathaus-Center ins Auge. Aber er ist zuversichtlich, dass gerade örtliche Händler für Güter des täglichen Bedarfs und inhabergeführte Geschäfte, die sich mit guter Beratung und Service hervorheben, die beste Abwehrtaktik fahren. Er weist darauf hin, dass die neue Rathaus-Galerie ja vorrangig eine Unterversorgung in der Leverkusener Innenstadt beheben und den Kaufkraftabfluss nach Köln mindern soll. "Städte von der Größe Monheims kommen für einen solchen Investor nun einmal nicht in Frage."

Konkurrenz "nicht dramatisch"

Auch die Abwehrlinie von City-Manager der Stadt Langenfeld, Jan Christoph Zimmermann, steht: "Das Einzelhandelsgutachten bestärkt uns in dem Glauben, dass wir gut aufgestellt sind." Auch Wirtschaftsförderer Ulrich Beul verweist auf die erfolgreichen Anstrengungen der letzten Jahre, die Verkaufsflächen in der Innenstadt zu erweitern und das Warensortiment auszudehnen. Deshalb findet er die neue Konkurrenz nicht "dramatisch".

Dennoch habe das Gutachten auch Lücken im Sortiment aufgezeigt: An Geschäften für Herrenbekleidung, Sportartikel, Haushaltswaren und Möbel besteht noch Bedarf. Auch die Revitalisierung von Hertie sei so eine "Baustelle", so Zimmermann. Er glaubt, dass sich die gefürchtete Umverteilung eher innerhalb von Leverkusen abspielen wird. "Viele Geschäfte sind einfach nur umgezogen."

Erst einmal abwarten will Nadine Schorn, Center-Managerin der Stadt-Galerie. Sie fürchte keine massive Abwanderung ihrer Kunden, weil das Center gut angenommen werde. "Die Leute werden vermutlich einmal hinfahren und die Eröffnungsangebote mitnehmen."

(RP)