Adventsserie Haltepunkte (3): "In dieser Kirche vergesse ich bei Musik den Alltag"

Adventsserie Haltepunkte (3) : "In dieser Kirche vergesse ich bei Musik den Alltag"

langenfeld (ik) Zugegeben: Eine regelmäßige Kirchgängerin bin ich nicht und werde es auch nie sein. Es bedarf eines Anlasses, der mich und meine Freunde in die Gotteshäuser führt: ein Feiertag, ein Konzert, immer häufiger auch leider eine traurige Begebenheit, denn Hochzeiten und Kindstaufen im näheren Umfeld werden seltener.

langenfeld (ik) Zugegeben: Eine regelmäßige Kirchgängerin bin ich nicht und werde es auch nie sein. Es bedarf eines Anlasses, der mich und meine Freunde in die Gotteshäuser führt: ein Feiertag, ein Konzert, immer häufiger auch leider eine traurige Begebenheit, denn Hochzeiten und Kindstaufen im näheren Umfeld werden seltener.

Reden wir aber von den festlichen Anlässen, die es vermögen für ein oder zwei Stunden aus dem Alltag zu entführen, bevorstehende weihnachtliche Odysseen durch den Verwandtenkreis vergessen lassen, Einkaufs-Marathons in den Hintergrund drängen und die stressige Organisation des perfekten Weihnachtsmenüs ausblenden können. Es gibt einen ganz unspektakulären christlichen Raum, der mir dabei viele Jahre geholfen hat und den ich in Zukunft vermissen werde. Das ist die evangelische Kirche an der Stettiner Straße, die in ihrer protestantischen Einfachheit und Unaufdringlichkeit der 60er Jahre ganz ohne Prunk mein Herz gewonnen hat. Und zwar mit wunderschönen Konzerten und einer ganz eigenen Atmosphäre, die anrührte und entrückte, ohne viel Aufwand.

Eine paar Kerzen in den Fensternischen, ein traditionell geschmückter Tannenbaum genügten, um die weihnachtlichen Gefühle der Kindheit zurück zu holen und unmittelbar in eine festliche Stimmung zu versetzen. Nahezu unersetzlich erscheinen mir die Konzerte im Kerzenschein in der Adventszeit in diesem besonderen Raum, der so lange so liebevoll mit Leben gefüllt wurde. Gerade das zurückhaltende, fast unauffällige Wesen dieser Kirche hat mir als wenig geübtem Gottesdienst-Besucher klar gemacht, dass der sakrale Raum durchaus zu neuen und anderen Gedanken verleiten kann.

Es waren aber auch die Menschen der evangelischen Gemeinde, die mit ihrem Engagement uns Gelegenheitskirchgänger so freundlich mit Glühwein und Plätzchen nach dem Konzert empfangen haben, das Gespräch mit ihnen und den Musikern, deren Liebe zu ihren Instrumenten man so gut nachvollziehen konnte.

Die 1954 errichtete Johanneskirche ist die Kirche meiner Kindheit, und es tut mir sehr leid, dass es sie nun bald nicht mehr geben wird. Sie soll nächstes Jahr abgerissen, das Grundstück an einen Investor verkauft werden. Ich werde mich jetzt umsehen müssen, einen adäquaten Raum zu finden, der so viel nostalgischen Charme für mich besitzt wie das Johanneskirchlein.

(RP)
Mehr von RP ONLINE