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Langenfeld: In der Stadthalle tanzen Tiere und Trolle

Langenfeld : In der Stadthalle tanzen Tiere und Trolle

Die "Blinklichter" begeistern mit ihrem Stück über eine Elfe, die eine bedrohte Waldwelt rettet.

Hoch im Norden in den tiefen Wäldern Finnlands leben Wolf, Hasen, Frösche, Mäuse, Eichhörnchen und sogar ein Troll mehr oder weniger friedlich miteinander in einem Wald. Die Tiere führen ein eher sorgenfreies Leben. Sie streiten, feiern und tanzen unter Bäumen und Pilzen, was der Wald hergibt, bis ihre Heimat plötzlich von den Menschen, die ihn roden wollen, bedroht wird. Ein riesiger Schaufelbagger schlägt Schneisen in den Wald. Das schickt Elfe Taika dem Urheber der Zerstörung einen Traum, der ihm im Schlaf allerlei Ungeheuer gebiert und diesen langsam zur Vernunft bringt.

Mit dem Stück "Von der Elfe, die auf die Erde fiel" hat Regisseurin Elisabeth Schafheutle ein weiteres dramaturgisches und inhaltliches Glanzstück in einer langen Reihe von phantasievollen und ausdrucksstarken "Blinklichter"-Stücken hingelegt. Das Musical der Langenfelder Laienspielgruppe schafft es, nicht nur die individuellen Talente und Persönlichkeiten der beteiligten Kinder in allen Altersstufen herauszustellen. Es werden darin auch noch mehrere Themen verarbeitet, die bei Groß und Klein lange nachwirken dürften.

Entstanden ist ein modernes Kinderstück mit aktuellem Zeitbezug, ohne dabei zu sehr den moralischen Zeigefinger zu heben. In "Die Elfe, die auf die Erde fiel" geht es nicht nur um Mensch und Natur, sondern auch, wie in den meisten Stücken Schafheutles, um die Suche nach der eigenen Identität und Heimat. Tier, Mensch und Troll müssen Prüfungen bestehen, Streit schlichten, Situationen meistern, in einer neuen Umgebung zurecht kommen, bis sie selbst eine Wandlung und Reifung durchmachen. Die zeigt ihnen, wer sie wirklich sind und was sie selbst leisten können. Dabei wachsen nicht nur die Tiere und Trolle über sich hinaus, sondern auch die Darsteller selber. Nebenbei gibt es eine romantische Liebesgeschichte, als sich der tölpelhafte Troll, alias Niklas Heinrichs, in die frech-fröhliche, selbstbewusste Elfe Taika verliebt, gespielt und zauberhaft gesungen von Miriam Schmitz.

Am Ende wird natürlich alles gut. Das Bühnenbild - mal drei riesige Birken und Fliegenpilze, mal Büroräume - schafft fließend den Stimmungswechsel vom romantischen Paradies zur bedrohten Heimat. Susanne Halbachs Kostüme wurden mit viel Liebe zum Detail genäht: grüne Stoffhandschuhe, die zu echten Froschfingern werden, graue Schottenröcke, die an britische Mäuse aus Harry-Potter-Romanen erinnern, eine Blindschleiche in engem Glitzerkleid sowie ein halbseitiges Schwanenkostüm verwandeln die Kinder in moderne Tiere. Elisabeth Schafheutle, ein Glücksfall für die Langenfelder Theaterszene, macht aus den 45 Jungdarstellern im Alter von 9 bis 19 Jahren von dem kleinsten Mäuschen bis hin zur Hauptrolle aus jedem Kind einen kleinen Star und zeigt ein gutes Gespür für die richtige Besetzung.

Niklas Heinrichs verzaubert das Publikum als Troll mit seiner schönen Countertenorstimme. Elfe Miriam Schmitz schafft es, dass sich auch das Publikum in sie verliebt, Charlot Greiner als Pirkko überzeugt mit ihrer Stimme und ihrem Schauspieltalent und Nkechi Udaya spielt und singt sich in der Rolle des Eichhörnchens mit viel Charisma in die Herzen der Zuschauer. Melisa Kaya bezirzt keck und charmant mit ihrem feingliedriger Gestalt in der Rolle der Blindschleiche Mensch und Tier und die jungen Tonttus mit ihrer listig-schlauen Obertonttu Nike Becker wirbeln das Unternehmen von Pirkkos Vater, beeindruckend gespielt von Niklas Walper, mit ihrem Schabernack ganz schön durcheinander.

Am Ende gibt es mehrere Zugaben. Tosender Applaus.

(vg)