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Langenfeld: In der Markthalle läuft's wieder rund

Langenfeld : In der Markthalle läuft's wieder rund

Der gastronomische Treffpunkt im Herzen Langenfelds hat seine Krise hinter sich. Derzeit sind zwei neue Pächter dabei, für ihre Betriebseröffnungen umzubauen. Und auch an der Rundtheke herrscht wieder Andrang.

Das Kaffeepulver nachgefüllt, eine Cola eingeschenkt und auch der Zapfhahn will, obwohl es erst halb elf Uhr vormittags ist, bedient sein. "Markttag ist Kampftag", sagt Christina Hofmeier. Dabei wirkt sie gar nicht kämpferisch, sondern gut gelaunt, betriebsam, immer mit einem Blick für die Gäste und deren Wünsche. Kommt einer, kommt auch der nächste — das Schwarmprinzip. "Das sind eben nette Leute hier an der Theke", sagt Herbert Lutz und genehmigt sich noch einen Schluck. Wie Ulrike Kuhlig (55), die ihm gegenübersitzt ("Hier trifft sich alt und jung") freut sich der Langenfelder, dass es in der Markthalle wieder rund läuft: "Die Uschi war die Beste", schwärmt Lutz von der Wirtin der ersten Stunde vor nun bald 14 Jahren. Dagegen sei der Pächter vom vorigen Jahr der Tiefpunkt gewesen. "Der hat mit seiner mürrischen Art doch den Eindruck erweckt: Hier kriegst du nur ein Bier, wenn ich das will!", meint der 59-Jährige kopfschüttelnd.

An den geschassten Wirt erinnern noch formulargroße Aushänge an den Eingängen: Die Betreiberfirma Quercus Robur Immobilien-Gesellschaft mbH erteilte ihm im Oktober Hausverbot, nachdem er sich mit dem Markthallen-Manager geprügelt hatte. Vorausgegangen war ein monatelanger Streit vor allem um die Frage, ob auch die Speisen-Anbieter Getränke verkaufen dürfen (wie seit Jahren Praxis) oder ob dies nur der Wirt in der Mitte darf, wie es ihm vertraglich zugesichert gewesen sein soll.

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Der Kleinkrieg eskalierte in einer Art Wagenburg des Pächters: Er umzäunte seinen Thekenbereich mit Metallgestellen und verschob seine "Grenzbefestigung" überdies um einen guten Meter nach außen. "Früher ein Prunkstück, heute ein Saustall", kommentierte Wolfgang Schapper (76), lange ein Stammgast, den Niedergang der Markthalle. Die Speisen-Anbieter litten unter Umsatzeinbrüchen. Damit nicht genug, ging auch noch die Firma Steinhaus mit ihrer geräumigen Wursttheke pleite.

Nach monatelanger Düsternis ist in den Verkaufsraum zwischen "Fabio's" (Restaurant) und Bäcker Busch nun wieder Leben eingekehrt, ebenso in den des früheren "Sam's" zum Marktplatz hin. Den Imbiss mit US-Anstrich betrieb der Thekenpächter mit — ebenfalls ein Fiasko. Wie hinter der Metzgertheke wird hier nun umgebaut. Reza Rezaie, Inhaber des Restaurants Gut Langfort, will in dem Eckladen Nudelgerichte und Salate, Flamm- und Pfannkuchen, aber auch Schnitzel und Currywurst anbieten. "Bis 1. März wollen wir fertig sein, dann wird Eröffnung gefeiert", sagt der 48-jährige Perser. "Peperoni" soll der Familienbetrieb heißen. "Vielleicht probieren wir auch eine Abendöffnung aus", zeigt sich Rezaie unternehmungslustig.

Möglichst schon Mitte Februar die Kundschaft bedienen möchte Metzgermeister Marc Krömer. "Das hängt aber davon ab, was uns nach der Beseitigung von Wasser- und Wandschäden in dem ehemaligen Steinhaus-Laden noch so alles erwartet", sagt der 29-Jährige, der nach Angestelltenjahren unter anderem bei Bormacher in Hitdorf den Sprung in die Selbstständigkeit wagt. Krömers Auslage soll vor allem mit Rind- und Schweinefleisch aus der Region locken. Außerdem gibt's "Futtern wie bei Muttern" für um die fünf Euro, von Dicken Bohnen mit Speck über Eintopf bis Kassler mit Sauerkraut. Als Schmankerl will der Langenfelder Wild anbieten: "Mein Vater und ich haben eine eigene Jagd in der Eifel", sagt der Hobby-Jäger.

Froh, dass sich zu beiden Seiten was tut, ist Brigitte Junk vom Fischladen: "Das, was voriges Jahr in der Markthalle vor sich ging, haben wir wirtschaftlich nur verkraftet, weil wir einen so treuen Kundenstamm haben", seufzt die Geschäftsfrau. Zugleich redet sie Klartext in Richtung Hallenmanagement: "Hier muss einiges professioneller werden. Der Vermieter muss einfach mehr Geld reinstecken in Sauberkeit, Gebäude und Mobiliar. Außerdem brauchen wir eine bessere Kommunikation untereinander — auch da ist das Management als Koordinator gefragt."

Hallenverwalter Herbert Züwerink ist erst mal erleichtert, dass die Räumungsklage gegen den Alt-Wirt "durch ist". Der fast einjährige Streit habe die Betreibergesellschaft "eine Stange Geld" gekostet — bis zu 70 000 Euro, schätzt Züwerink. Um nicht noch mal so ein Desaster zu erleben, hat er das neue Rundtheken-Team angestellt. Dafür wurde eigens eine Tochtergesellschaft gegründet. Einladende Frühlingsdeko (Japanische Kirsche in Zartrosa) und Preisschlager (Wasser und Limo für einen Euro) unterstreichen den Neuanfang. Für den Terrassenbereich zum Marktplatz hin stellt der Verwalter einheitliche Bestuhlung für alle Gastronomen in Aussicht.

Größter Gewinn in der Markthalle bleiben aber die Mädels im Thekenrund: "Nehmen wir die Effi", lobt Gast Ulrike Kuhlig zum Beispiel die 53-jährige Griechin Kalaidou. "Sie ist temperamentvoll, unbefangen, und ihr Lachen steckt einfach an!" Effi lacht. Ein Gast scherzt: "In meinem Glas war ein Loch." Darauf ein anderer: "In meinem auch." Und Effi zapft.

(RP)