Langenfeld/Monheim: Immer mehr treten aus der Kirche aus

Langenfeld/Monheim : Immer mehr treten aus der Kirche aus

Die Zahl der Kirchenaustritte ist 2013 gestiegen. Hauptgrund bei Kartholiken war die Debatte um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst.

Eine Badewanne für 15 000 Euro, kunstvoll gestaltete Kapellenfenster für 100 000 Euro oder ein frei schwebender Adventskranz nebst Seilzug für 50 000 Euro — viele Katholiken waren angesichts der äußerst kostspieligen Details rund um den Sitz des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst empört. Wochenlang war die vermeintliche Prunksucht des Bischofs Thema in den Medien. Viele Kirchensteuerzahler fragten sich, wofür ihr Geld eigentlich verwendet wird — und traten aus. Auch in Langenfeld und Monheim sind die Nachwirkungen spürbar.

"Die Zahl der Kirchenaustritte ist im letzten Quartal 2013 sprunghaft angestiegen", sagt Monika Berger, stellvertretende Direktorin des Langenfelder Amtsgerichtes, wo die Kirchenaustritte für Langenfeld, Monheim und Hilden bearbeitet werden. Ein Grund dafür sei zweifellos die Debatte um den Limburger Bischof. "Das ist ziemlich eindeutig", meint Berger und verweist auf die Zahlen für das Gesamtjahr.

Demnach treten im Schnitt 20 bis 30 Protestanten und Katholiken pro Monat aus der Kirche aus. Das belegen auch die Zahlen für den Zeitraum von Januar bis August 2013. Danach gab es indes einen - deutlich unterschiedlichen - Aufwärtstrend: Die drei katholischen Gemeinden in den Städten mussten bis zum Ende des Jahres insgesamt rund 90 Austritte pro Monat hinnehmen — und auch in den evangelischen Gemeinden lag die Zahl der Austritte mit rund 35 pro Monat über dem Schnitt.

"Das ist schade", meint Dr. Jürgen Rentrop, leitender katholischer Pfarrer in Langenfeld. "Die meisten Mitglieder sind mit unserer Arbeit zufrieden, aber es sind oft Dinge von außen, die auf die Gemeinden vor Ort abfärben." Die Anzahl der Austritte nennt er "katastrophal hoch". Der 62-Jährige räumt allerdings ein, dass die Kirche transparenter werden muss — vor allem in finanzieller Hinsicht. "Da gibt es Nachholbedarf, aber das ist in vielen Fällen nicht einfach." Grund sind die unübersichtlichen Immobilienwerte der Kirchen. Viele Liegenschaften und Grundstücke werden seit Jahrhunderten von der Kirche verwaltet. Der Wert einer Kirche lässt sich zudem nur bedingt einschätzen. "Wir bemühen uns um mehr Transparenz."

Sein Monheimer Pendant Burkhard Hoffmann sieht es ähnlich. Die deutlich gestiegene Zahl der Kirchenaustritte macht auch ihm zu schaffen. "Mir tut es um jeden Verlust leid", meint der 64-Jährige. "Ich kann den Ärger über die Geschehnisse in Limburg allerdings auch ein Stück weit verstehen." Trotzdem sollte es seiner Meinung nach eher eine Frage des Glaubens als der Finanzen sein, ob man aus der Kirche austritt: "Die Gemeinde in Monheim kann nichts für die Ereignisse in Limburg." Insofern sei ein Teil der Austritte "nicht nachvollziehbar".

Das gilt wohl in besonderem Maße für die evangelische Kirche. die immer wieder durch die kleinen und großen Skandale der katholischen Kirche in Mitleidenschaft gezogen wird. Um mehr über die Beweggründe zu erfahren, schreiben die Gemeinden jeden an, der ausgetreten ist. Die Resonanz hält sich indes in engen Grenzen. Es antworten vielleicht gerade einmal fünf Prozent auf die Briefe aus den Pfarrbüros. "Meistens sind es finanzielle Notlagen, die zum Austritt führen", meint die Reusrather Pfarrerin Annegret Duffe. "Die Kirchensteuer ist die einzige Steuer, die man abwählen kann. Davon machen viele Gebrauch." Das habe dann allerdings Auswirkungen auf die Gemeindearbeit vor Ort — und nicht in Limburg.

(dora)
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