Fastenzeit Weniger Ist Mehr (2): Im Schongang zu mehr Kraft kommen

Fastenzeit Weniger Ist Mehr (2) : Im Schongang zu mehr Kraft kommen

Die Zeit vor den warmen Wochen bietet sich auch jenseits der kirchlichen Passionszeit zum Fasten an. Einige Hinweise.

Im französischen Sprachraum heißt der Dienstag nach Karneval mardi gras, "fetter Dienstag". Im Mittelalter wurden nämlich bis zu diesem Tag alle Vorräte wie Milch, Eier, Zucker oder Schmalz aufgebraucht, weil deren Genuss in der Fastenzeit von der Kirche verboten war. Die genehmigte ohnehin nur eine Mahlzeit am Tag, und das vornehmlich am Abend. In der Spätrenaissance erst erlaubte Papst Innozenz VIII. auch den Verzehr von Milchprodukten in der Fastenzeit. Nach wie vor gilt in der katholischen Kirche der jetzt acht Tage zurückliegende Aschermittwoch als ausgesprochener Fastentag.

Heutzutage läuft Fasten aber auch unter den Überschriften Wellness oder Gesundheitspflege, genau so, wie der Begriff Sünde meist im Zusammenhang mit Schlankheitskuren eine Rolle spielt. Eigentlich ist die religiöse Fastenzeit — 40 Tage ohne die Sonntage — bis Ostern ohnehin besser mit Passionszeit beschrieben.

Die Zeit nach dem Winter und vor den warmen Wochen des Frühjahrs bieten sich dennoch für selbst gewähltes Fasten an, damit kann jeder individuell einsteigen. So begleitet die Ratingerin Christiane Krampe in ihrer Naturheilpraxis Patienten bei deren Bemühungen um einen gesundheitlichen Neustart in den Lenz vermittels einer Fastenkur zu Hause. Sie hat zum Beispiel selbst die Erfahrung gemacht, dass ihr bei massiven Hautproblemen, die sie nicht mit chemischen Medikamenten behandeln konnte, zunächst Fasten und dann eine Ernährungsumstellung geholfen haben; die Haut wurde "super", das Bindegewebe fester. "Die Krankheit ist nicht weg, erinnert mich aber ab und zu, mich wieder auf mich selbst zu besinnen," erklärt sie, und: "Man kann auch Hautprobleme, die in Verbindungen mit seelischen Belastungen auftreten, mit Fasten angehen. Nicht alle, aber manche."

Auf jeden Fall beschäftigt sich ein Fastender mehr mit sich selbst als jemand, der durch den Tag hetzt und eher unreflektiert Nahrung jeglicher Art zu sich nimmt. Dieses bewusste Handeln ist schon die halbe Miete. Manchmal beginnt eine persönliche Fastenzeit mit dem Wunsch, das Körpergewicht zu reduzieren. Wenngleich das schon mal ein Weg zum bewussteren Essen ist, kann es nicht das Ziel sein, denn mit andauerndem Fasten senkt man auch den Grundumsatz, und der Körper stellt sich auf Mangelernährung ein.

Doch bei Durchfällen, Verstopfung und Blähungen kann man das machen, was der Körper schon von allein bei Fieber tut: Er verweigert Nahrung und beginnt damit eine ganz natürliche Selbstheilung.

Krampe: "Der Darm wird auch beim absichtlichen Fasten geschont und kann sich erholen. Die Schonung ist in jedem Krankheitsfall die wichtigste und erste heilende Maßnahme; der Körper braucht keine Verdauungsarbeit zu leisten und kann seine Kraft dazu benutzen, gegen Viren und Bakterien anzukämpfen." Außerdem werden beim Fasten keine neuen Säuren zugeführt, die noch vorhandenen durch reichliche Flüssigkeitszufuhr weitgehend neutralisiert.

Dazu empfiehlt sich eine mehrfache Messung des pH-Wertes im Urin. "Ist der ständig unter dem Messwert 7, sind wir übersäuert und riskieren nicht nur schlechte Laune, sondern auch Verdauungsstörungen, Darmpilze, Gallen- und Nierensteine und zahlreiche chronische Schmerzen."

Wer gesund ist (Check beim Arzt) und charakterfest den Verlockungen der Vorräte im Kühlschrank widersteht, kann sehr wohl mit leichter Schonung seiner Körperkräfte und vorheriger umfassender medizinischer Information das Fasten angehen. Zur Not wählt er leicht abgeschwächte Ernährungsformen.

(RP)