Langenfeld: Im Freibad wird schon jetzt gebaggert

Langenfeld : Im Freibad wird schon jetzt gebaggert

Die RP schaute den Arbeitern über die Schulter, die zurzeit das Nichtschwimmerbecken sanieren. Kosten: 650 000 Euro.

Trotz herrlichem Sonnenschein ist gestern eigentlich kein Wetter, um ins Freibad zu gehen. Für Peter Maiwald (45) und seinen Kollegen Michael Freund (36) schon. Gemeinsam schlagen sie mit Bohrhämmern im großen Nichtschwimmerbecken die Fliesen der Umrandung und des Überlaufs ab, musikalisch begleitet von Pop aus dem Kofferradio.

Michael Freund (l.) und Peter Maiwald schlagen mit Bohrhämmern die Fliesen der Überlaufrinne ab. Foto: Anja Tinter

Für die Feinarbeit setzen die Handwerker eine Flex ein. "Die Überlaufrinne soll ja nicht kaputtgehen", erklärt Maiwald, als die RP dem Duo über die Schultern guckt.

Dirk Marx (48) nickt bei diesen Worten. Der gelernte Steinmetz ist im städtischen Gebäudemanagement für die im Freibad laufenden Arbeiten zuständig und macht sich ein Bild von deren Fortgang. Was er sieht, stimmt ihn froh: "Ich bin seit 23 Jahren bei der Stadt tätig. Das ist das erste Mal, dass wir hier im Winter durcharbeiten können."

Dank der milden Temperaturen seien die im Dezember gestarteten Renovierungsarbeiten im und um das große Nichtschwimmerbecken herum schon weiter fortgeschritten als ursprünglich gehofft. Und zu tun gibt es viel: Das Nichtschwimmerbecken wird komplett neu gefliest, bekommt zwei neue Edelstahltreppen und als zusätzliche Attraktion Wassersprudler im Boden und an einer Seitenwand.

Mit einem Plan in der Hand stapft Bauleiter Marx auf dem erdigen Boden zur anderen Seite des Beckens. Dort sitzt Ilir Blakaj (36) in einem Bagger, mit dem er in den vergangenen Wochen den Untergrund ausgehoben hatte. In der Tiefe mussten die Regenwasser-Kanalrohre komplett ausgetauscht werden. "Die alten Rohre waren im Laufe der Jahre versandet und am Ende vollkommen verstopft", erklärt Marx. Beim Versuch, sie zu reinigen, seien immer wieder Spiralbürsten abgebrochen. "Das war dann ein zusätzliches Hindernis."

Die neuen Rohre sind im Boden, gestern nun geht es an deren Anschluss an den älteren Teil der Kanalisation und den auf einer Böschung etwas oberhalb liegenden Regenschacht. Den im Boden liegenden Anschluss zu finden, gestaltet sich gestern schwierig. "Wir haben nur ungefähre Pläne", sagt Bernd Münten (52).

Der Technische Betriebsleiter der Langenfelder Bäder berät mit Blakaj, wie sie den Anschluss im Boden aufspüren können. "Klar ist, dass der neue Kanal tiefer liegt." Blakaj steigt in die schon ausgehobene Grube hinunter. Mit einem Spaten stochert er in der Erde. Derweil lässt sein Kollege Festim Halili (24) weiter oben das Wasser laufen. An einer Stelle fängt es hörbar an zu blubbern. Treffer!

Marx geht mit seinem Plan wieder in Richtung von Maiwald und Freund, die beim Abschlagen der Kacheln gerade an der Stütze der langen Wasserrutsche angelangt sind. Dort ist jetzt wieder Feinarbeit mit der Flex gefragt. Dazu passt der Schmusesong von Elton John, der gerade aus dem Radio herüberwabert. Maiwald blinzelt in die Sonne: "Das Wetter ist ein Traum. Da kommen wir gut voran."

Das ist auch nötig, denn das Programm im und um das Nichtschwimmerbecken bis zum Start der Freibad-Saison ist stramm. Marx deutet auf die stufenförmige Breitseite des Beckens: "Statt dieser durchgehenden Stufen werden links und rechts zwei neue Edelstahltreppen eingebaut. Und dazwischen wird eine Sprudelbucht angelegt — so ähnlich wie ein Whirlpool. Hierfür wird ab Montag eine neue Druckleitung verlegt."

Zugleich werde etwas für die Sicherheit getan: Die Abflussöffnung, die sich bislang in einer Seitenwand befand und bei dem Metallbügel das gefährliche Ansaugen von tauchenden Badegästen verhinderten, wird jetzt unter die Edelstahltreppe verlegt und durch ein Lochblech gesichert. "Dadurch ist eine Gefährdung jetzt grundsätzlich ausgeschlossen." Die Idee, das Becken komplett mit Edelstahl auszukleiden, wurde laut Marx aus Kostengründen verworfen. "Bei alles in allem 1,2 Millionen Euro wäre das viel zu teuer gewesen. Deswegen sanieren wir jetzt herkömmlich mit neuen Fliesen und rechnen so mit rund 650 000 Euro." Mit der eingesparten Summe ließe sich Marx zufolge etwa 60 Jahre lang die nach jedem Winter nötige Ausbesserung beschädigter Fliesen bewerkstelligen.

Mit Blick auf die Baustelle merkt Marx an, dass die laufenden Arbeiten gut koordiniert werden müssen. "Manches muss nacheinander erledigt werden. Anderes muss zeitgleich Hand in Hand gehen — wie jetzt die Arbeiten an Fliesen, Treppe und Pflaster." Im Sinne des Betriebsfriedens sei es wichtig, dass sich die oft unter Termindruck stehenden Handwerker und Arbeiter nicht gegenseitig behinderten. "Gute Abstimmung ist wichtig. Und ein Bauleiter ist da oft auch als Psychologe gefragt."

(RP)
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