Interview: Roland Kordes Alias Raubritter Roland, Mutiger Luftfahrer Zur Sanften Landung In Monheim: "Im Ballon bist du Teil der Atmosphäre"

Interview: Roland Kordes Alias Raubritter Roland, Mutiger Luftfahrer Zur Sanften Landung In Monheim : "Im Ballon bist du Teil der Atmosphäre"

Beim Flugplatzfest am Wochenende in Wiescheid ist auch das Ballon-Sport-Team Langenfeld wieder mit von der Partie.

Heißluftballone sind ein Hingucker. Die wenigsten Menschen aber waren schon mal mit einem Ballon unterwegs. Was haben sie aus Sicht des (Chef-)Piloten vom Ballon-Sport-Team Langenfeld verpasst?

Kordes Am besten erkläre ich das mit meiner eigenen Geschichte: Zu meiner ersten Fahrt bin ich vier- oder fünfmal erfolglos wegen der aktuellen Wettersituation angereist - und war, einige Sekunden nachdem unser Ballon noch vor Sonnenaufgang endlich abgehoben hatte, spontan infiziert.

Was empfindet ein Ballonfahrer?

Kordes Das kann man nicht erklären - man muss es selbst erleben.

Versuchen Sie's trotzdem.

Kordes Also gut: Man ist - frei am Himmel - in einem kleinen, handgeflochtenen Weidenkorb, steht über den Dingen, erlebt Natur pur, empfindet sich als kleiner Bestandteil der Atmosphäre und fühlt sich dennoch absolut sicher. Vielleicht beschreibt das "Gedicht" eines Ballonfahrers, der zum ersten Mal den Mount Everest überquerte, die Empfindungen am besten: "Mögen Dich die Winde sanft empfangen / Möge Dich die Sonne mit warmen Händen segnen /Mögest Du so hoch fahren, dass Gott in Dein Lachen einstimmt / und Dich sanft zurückschickt / in die liebevollen Arme von Mutter Erde."

O wie himmlisch! Wie sind Sie selbst zum Ballonfahren gekommen?

Kordes Ich bekam beruflich durch das Metall Aluminium Zugang zur Luftfahrttechnik - Airbus, Boeing usw. - und hatte 1985 den ersten Kontakt zu einem deutschen Hersteller, der Heißluftballone in Deutschland bauen wollte. In dessen damals neuen Konzepten sollte der Werkstoff Leichtmetall stärker Verwendung finden, um die Luftfahrzeuge leichter zu machen. Also baute Schroeder Fire Balloons in Trier ab Ende 1985 die ersten Heißluftballone auf dem europäischen Festland, und ich kam zumindest theoretisch fast täglich mit Heißluftballonen in Kontakt. Zwangläufig musste dann auch meine erste, mit großer Angst erwartete Fahrt in einem Heißluftballon - so etwa 1986 oder 1987 - stattfinden.

Seit wann sind Sie mit dem Ballon-Sport-Team Langenfeld unterwegs?

Kordes Wir haben es etwa 1994 ins Leben gerufen. Die Helfer - Mannschaft und Frauschaft rund um den Ballon, der in Langenfeld stationiert ist - hat nunmehr mit verschiedenen Hüllen weit mehr als 1000 Fahrten in Deutschland und Europa absolviert - unfallfrei und ohne Verletzungen.

Kein Sport also für Einzelgänger.

Kordes Richtig. Damit ein Ballon sicher in die Luft und wieder zur Erde gelangt, bedarf es neben dem Piloten einer Helfergemeinschaft. Ohne das Engagement der Crew, die wechselweise mit zu internationalen und nationalen Wettbewerben fährt, kann kein Ballon starten oder gar sicher landen.

Wie viele sind Sie denn beim Ballon-Sport-Team Langenfeld?

Kordes Aktuell zehn äußerst gut ausgebildete Männer und Frauen, die die Bodencrew darstellen. Die Altersspanne ist breit, von etwa 25 bis zu meinen 65.

Warum sagt man eigentlich "Ballon fahren" und nicht "fliegen"?

Kordes Weil der Aerostat (= Flugkörper) die Umgebungsluft verdrängt und somit leichter ist als die umgebende Luft. Alles, was leichter ist, "fährt" - zumindest im Deutschen.

Ballonfahrer werden doch getauft. Wie lautet denn Ihr Taufname?

Kordes "Raubritter Roland, mutiger Luftfahrer zur sanften Landung in Monheim." Ich kann zu diesem, mir zur Erstfahrt mit einem Ballon verliehenen Namen leider nichts weiter sagen, als dass ich selbst meine mitfahrenden Passagiere mit noch ausführlicheren Tauf- und Adelstiteln "beglücke". Diese dokumentieren alle während der Luftfahrt vorgekommenen Situationen, den jeweiligen Start- und Landeort sowie die Fahrt. Mein eigener Titel "Raubritter" ist leider wirklich nur allerunterster Adel, der sich, um leben zu können, an anderer Leute Eigentum bereichert. Dies widerstrebt natürlich dem edlen Luftadel, der nach dem Gesetz von König Ludwig XVI. aus dem Jahre 1783 die Gesinnung der Aeronauten vorgeben sollte.

Mitfahren ist das eine, selber fahren das andere. Was muss man tun, um Ballonpilot zu werden?

Kordes Die Ausbildung zum Piloten dauert etwa zwei Jahre und umfasst praktische Übungen mit mindestens 50 Landungen, um zur Prüfung zugelassen zu werden. Die Theorieausbildung mit ihren etwa 200 Unterrichtsstunden befasst sich mit den Fächern Navigation, Luftrecht, Gaslehre, Technik, Verhalten in besonderen Fällen, menschliches Leistungsvermögen, Flugfunk und so weiter. Ich habe über die ganzen 25 Jahre, in denen ich meinen Pilotenschein besitze, alle Lizenzen rund um den Ballon weltweit sowie Nachtfahrtberechtigung und Radiolizenzen erworben. Als Mitglied des Düsseldorfer Aeroklubs, Abteilung Freiballon, befasse ich mich auch mit Gasballonen, die noch mit Wasserstoff gefüllt und mit Sandsäcken durch die Lüfte fahren.

Gibt es eine Altersgrenze für Piloten?

Kordes Formell nicht, aber Piloten müssen sich einer jährlichen Fliegertauglichkeitsuntersuchung stellen und sich auf diese Weise ihre Flugtauglichkeit bestätigen lassen. Ohne diese umfangreiche Untersuchung gibt es - gottseidank - keine Möglichkeit, verantwortlicher Luftfahrzeugführer zu werden oder zu bleiben.

Ist Ballonfahren nicht ein sehr kostspieliges Hobby?

Kordes Ja, deshalb bemühen sich viele Ballonteams auch um Sponsoren, die auf dem Ballon werben. Eine neue Ballonhülle kostet etwa 20 000 bis 50 000 Euro. Die Lebensdauer eines Heißluftballons beträgt etwa 500 Fahrstunden - dann muss Ersatz angeschafft werden. Vielleicht erwägt ja mal die Rheinische Post, eine Hülle mit ihrem Logo zu spendieren?!

Der Ballon Ihres Teams (Foto) - ist der besonders groß oder eher klein?

Kordes Unser gilt noch als ein "Sportballon". Mit seinen 3400 Kubikmetern ist er aber für richtige Wettbewerbe (Wer lenkt am besten?) etwas zu groß und zu träge. Die 1100 Quadratmeter Stoff wurden per Hand zusammengenäht. Das dauerte drei bis vier Monate.

Wissen Sie beim Starten jeweils schon, wo sie etwa landen werden?

Kordes Die Landestelle kann man vor einem Start natürlich nicht exakt vorherbestimmen, da allein der Wind die Richtung vorgibt. Lediglich durch Ändern der Fahrthöhe kann der Pilot versuchen, etwas den Winkel der Fahrt zu verändern. Geht aber fast immer nur um etwa 10 bis 20 Grad.

Beim jährlichen Langenfelder Flugplatzfest ist der Ballonsport eine feste Größe. Was wird diesmal - am kommenden Wochenende - von Ihrer Seite in Wiescheid geboten?

Kordes Wir wollen den Zuschauern die Schönheit unseres Sports vermitteln. Höhepunkt am Samstagabend ist nach einer Abendfahrt wieder das Ballonglühen ab etwa 21 Uhr. Gerne nehmen wir auch bis zu drei Gäste zum Selbstkostenpreis mit in unserem Ballon.

THOMAS GUTMANN STELLTE DIE FRAGEN.

(RP)
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