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Langenfeld: Ideen für den Immigrather Platz gesucht

Langenfeld : Ideen für den Immigrather Platz gesucht

Ein noch zu erarbeitendes Konzept soll die durch eine Ballung von Spielhallen geprägte negative Entwicklung stoppen.

Eigentlich sollte an dieser Stelle das Herz des nach Einwohnern größten Langenfelder Ortsteils schlagen. Doch am Immigrather Platz schlagen vor allem die Herzen von Zockern höher, die sich dort und an der angrenzenden Solinger Straße von fünf Spielhallen und zwei Wettbüros angezogen fühlen. Wer indes Lebensmittel einkaufen möchte, ist fehl am Immigrather Platz. "Das muss sich sich ändern", befanden im Planungsausschuss die Stadtpolitiker aller Parteien in seltener Einmütigkeit. Ohne Gegenstimmen beschlossen sie, ein Handlungskonzept ausarbeiten zu lassen, das dem Klein-Las Vegas als Stadtteilzentrum ein neues Gesicht geben soll.

Planungsamtschef Stephan Anhalt hatte das bereits im Langenfelder Einzelhandelskonzept vor vier Jahren formulierte Ziel aufgegriffen, solch ein Nahversorgungszentrum zu entwickeln. "Zurzeit stehen diesem Ziel viele städtebauliche Missstände und minderwertige Nutzungen entgegen", befand Anhalt in der Ausschusssitzung. Das liege vor allem an der hohen Konzentration von Spielhallen, die offensichtlich andere Händler verdrängten. Besonders negativ falle das Fehlen eines größeren Lebensmittelmarkts oder sonstigen Magnetbetriebs ins Gewicht. Dabei wohnen nach Anhalts Angaben im Einzugsbereich des Immigrather Platzes, vor allem in dem südlich angrenzenden Viertel, insgesamt rund 7750 Menschen. "Immerhin sind mit dem Ärztehaus und einigen Dienstleistern einige Ansätze vorhanden." Dass der Immigrather Platz in den vergangenen zwei Jahrzehnten an Bedeutung verloren hatte, führt Anhalt vor allem auf den Bau der Bahnunterführung Hardt zurück. Die Schließung des durch Schranken geregelten Bahnübergangs Leichlinger Straße vor vier Jahren rückte die Gegend weiter ins Abseits. Weil umgekehrt der jenseits der Gleise liegende Aldi-Discounter seither schwerer zu erreichen ist, wäre die Gegend laut Anhalt in Anbetracht des genannten Einzugsbereichs für einen größeren Supermarkt durchaus lukrativ.

Politiker aller Parteien äußerten sich im Planungsausschuss sehr erfreut darüber, dass das Thema angepackt wird. "Da muss etwas passieren, keine Frage", meinte Dieter Braschoss (CDU). "In vielen Langenfelder Ortsteilen hat sich in den vergangenen Jahren etwas getan, jetzt ist Immigraths Mitte dran." Wichtig sei, so Braschoss, dass ansässige Eigentümer und Pächter in das weitere Vorgehen einbezogen werden, auf die im Falle einer Umgestaltung Kosten zukommen. "Spätestens seit dem Wegfall von Schlecker besteht am Immigrather Platz dringend Handlungsbedarf", sagte Andreas Krömer (BGL). Hans-Peter Büttgenbach (FDP) äußerte Skepsis, ob sich ein Betreiber für einen Lebensmittelmarkt in diesem Viertel finden lassen wird. Sascha Steinfels (SPD) kritisierte, dass die von der Verwaltung als Missstand bezeichnete Ballung von Spielhallen "so überhaupt zugelassen wurde".

Auf Dr. Günter Herwegs (Grüne) Frage nach den "Möglichkeiten, Spielhallen vom Immigrather Platz wegzubekommen", verwies Anhalt auf eine bundesweit greifende Veränderung für die Branche aufgrund neuer Vorschriften. "Darin sind die Abstände von Spielhallen festgelegt. Und es wird keine Mehrfachkonzession mehr geben." Die auf fünf Jahre festgelegte Übergangsfrist sei zurzeit Gegenstand einer gerichtlichen Auseinandersetzung.

Anhalt und sein Team bekamen mit dem einstimmigen Beschluss den Auftrag, ein Handlungskonzept auszuarbeiten. Unter anderem geht es um eine gestalterische Aufwertung des Immigrather Platzes und der Umgebung. Geplant sind hierzu Expertengespräche, Bürgeranhörungen oder Workshops.

(RP)